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Gamerdingers Fußball-Kolumne

03.12.2018 - Sie kennen das: Insbesondere der aktuelle Bundestrainer, aber auch seine Vorgänger, werden und wurden nicht müde, nach Niederlagen gegen vermeintlich schwächere Gegner (die sogenannten „Kleinen“) die beliebte Floskel heranzuziehen, dass es ja keine „Kleinen“ mehr geben würde und man „gegen jede Mannschaft auf dem Niveau verlieren beziehungsweise schlecht aussehen" könne. Als Beispiele mögen hier Malta, Zypern oder Island stehen.

  • Der Klassiker kommt wieder: Niederlande gegen Deutschland. Im November sah das schon ganz gut aus, als Leroy Sané der Treffer zum 2:0 gelang. So dürfte die EM-Qualifikation für 2020 sportlich ein Kinderspiel sein, auch...

    Der Klassiker kommt wieder: Niederlande gegen Deutschland. Im November sah das schon ganz gut aus, als Leroy Sané der Treffer zum 2:0 gelang. So dürfte die EM-Qualifikation für 2020 sportlich ein Kinderspiel sein, auch wenn’s terminlich ziemlich eng wird. © picture alliance / dpa / firo Sportphoto / augenklick

Aber Joachim Löw scheint dazugelernt zu haben. Nach der mit großem Bangen („die“ gebeutelte „Mannschaft“ hätte, ob des Abstiegs aus der Nations League, gleich auf mehrere „Große“ treffen können) erwarteten Auslosung der Qualifikationsgruppen zur Fußball-Europameisterschaft 2020, die wieder einmal viel besser als befürchtet lief, reagierte er deutlich verhaltener. Das ja fast schon traditionelle Losglück beschied der deutschen Elf mit den Niederlanden, Estland, Nordirland und Weißrussland eine laut Jogi Löw „normal schwierige Gruppe“, in der die Niederlande und Deutschland die Favoriten seien, für die es beide reichen sollte. Hört, hört: Bangemachen gilt nicht – Realismus und Zuversicht regieren!

Kämpferisch

Geradezu kämpferisch liest sich dagegen sogar das Statement des Direktors der deutschen Nationalmannschaften und Akademie, Oliver Bierhoff: „Es hätte uns schwerer treffen können. Wir freuen uns, dass wir die Revanche gegen die Niederlande haben. Wir wissen, dass unser Weg zurück an die Weltspitze über schwere Gegner führen muss.“ Spätestens im November nächsten Jahres wissen wir, ob das mit der Revanche geklappt hat, denn bis dahin ist die Qualifikation durchgespielt. An jeweils zwei Spieltagen im März, Juni, September, Oktober und November 2019 können sich die beiden Erstplazierten der zehn Quali-Gruppen sicher für das Turnier qualifizieren. Weitere Plätze werden in Abhängigkeit der Qualifikatiosergebnisse der Teams der einzelnen Nations League-Ligen über Play-offs im März 2020 vergeben.

Termin-Gedränge

Das müssen Sie sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Doppelspieltage binnen neun Monaten für zehn Qualifikationsgruppen – im Oktober/November gleich in zwei aufeinanderfolgenden Monaten. Dazu die nationalen Meisterschaften und Pokalwettbewerbe sowie die Euopapokal-Wettbewerbe nebst Qualifikationsrunden dafür. Ich gebe mal den Tipp an alle Kaderplaner und Manager der europäischen Ligen für die Saison 2019/20, gleich zwei Komplettkader inklusive „zweitem Anzug“ einzuplanen und vorzuhalten! Denn das Gleiche muss ja auch für die Kader der Nationalmannschaften gelten. Bei der (geplanten) Belastung für die Akteure, werden ansonsten aufgrund von Verletzungen und Ermüdungserscheinungen Nachnominierungen ohne Ende auf dem Plan stehen.

Sättigung

Es sollte sich allerdings auch niemand wundern, wenn das Interesse an der Europameisterschaft bis dahin bei vielen Noch-Fußballbegeisterten erloschen ist. Wie schon mal erwähnt, schaue ich mittlerweile sowohl im TV als auch live im Stadion so wenig Fußball wie nie zuvor in meinem Leben. Reizüberflutung, Übersättigung, Vermarktungs-Ablehnung, Desinteresse, Genervtheit..., ein Mix aus allem hat mich dorthin getrieben. Und ich beobachte in meinem Umfeld ähnliche Strömungen. Ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern, zu denen ich mir kein Europapokalspiel und schon gar kein Spiel der Nationalmannschaft – und das beinhaltet auch Freundschaftsspiele - entgehen ließ.

Fußballfeste

Nicht selten waren das mit guten Freunden zelebrierte Festabende vor dem TV. Und da war es egal, ob die Bayern im Landesmeister-Cup aktiv waren oder der KSC oder Werder Bremen mal wieder einen unvergesslichen Europapokalabend bescherten, womöglichnoch im "Europacup der Pokalsieger" (ja, es gab schon mal einen dritten Wettbewerb...). Als Fußball-Fan habe ich allen deutschen Klubs im europäischen Geschäft die Daumen gedrückt und die Spiele der Nationalelf waren das Sahnehäubchen des Fußball-Alltags.

Runtergerockt

Irgendwie ist das Business komplett runtergerockt worden, und das merken auch die Klubs: Am Wochenende wurde fast überall protestiert: Einerseits blieben viele Fans eine Spielhälfte lang still, andererseits hielten die Drittligaprofis in der ersten Minute die Füße still (und selbst bei der Hauptversammlung des FC Bayern gab's Protest - falls der "erlaubt" war...). Die Kluft zwischen Verbänden, Spielern und Anhängern wächst also munter weiter. Ich schaffe es mittlerweile ohne Bauchschmerzen, Heimspiele meines Herzvereins zu verpassen und fühle mich bei von den Profi-Anstoßzeiten gebeutelten Amateuren verstandener und besser aufgehoben. Ich hoffe, Sie hatten einen schönen ersten (Fußball-)Advent: „Schriller, die Glocken nie klangen!“

 

 

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