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Muskelspiele auf dem Mullholland Drive

28.02.2020 - Für gewöhnlich schafft man in Los Angeles nur selten mehr als Schritttempo. Doch wenn man erst einmal raus ist aus Hollywood, dann läuft’s. Erst recht auf dem legendären Mullholland Drive. Spätestens dort versteht man dann auch, weshalb die Amerikaner Autos wie den neuen Mercedes-AMG GLE 63 so sehr lieben.

  • Mercedes bringt den GLE im Sommer auch wieder als AMG 63 ©

    Mercedes bringt den GLE im Sommer auch wieder als AMG 63 © Mercedes

  • Das aufgemöbelte AMG-Interieur bringt neben einem neuen Lenkrad vorne auch andere Sitze mit spürbar mehr Seitenhalt  ©

    Das aufgemöbelte AMG-Interieur bringt neben einem neuen Lenkrad vorne auch andere Sitze mit spürbar mehr Seitenhalt © Mercedes

  • Der AMG 63 wird in zwei Leistungsstufen angeboten ©

    Der AMG 63 wird in zwei Leistungsstufen angeboten © Mercedes

  • Die zwei Leistungsstufen wurden auf 420 kW/571 PS und 750 Nm oder 450 kW/621 PS und 850 Nm kalibriert ©

    Die zwei Leistungsstufen wurden auf 420 kW/571 PS und 750 Nm oder 450 kW/621 PS und 850 Nm kalibriert © Mercedes

  • Der GLE nimmt mit dem serienmäßigen Sperrdifferential an der Hinterachse jede Kurve etwas knapper  ©

    Der GLE nimmt mit dem serienmäßigen Sperrdifferential an der Hinterachse jede Kurve etwas knapper © Mercedes

  • Der AMG bleibt ein Showstar, der mit seinem neuen Grill, den Powerdomes auf der Haube und den weiter ausgestellten Kotflügeln alle Blicke fängt  ©

    Der AMG bleibt ein Showstar, der mit seinem neuen Grill, den Powerdomes auf der Haube und den weiter ausgestellten Kotflügeln alle Blicke fängt © Mercedes

SP-X/Los Angeles. 3,0 Liter Hubraum, 367 PS – im Stadtverkehr von Los Angeles ist man schon mit dem Einstiegsmodell des Mercedes GLE hoffnungslos übermotorisiert. Denn viel mehr als ein besseres Schritttempo ist zwischen Manhattan Beach im Südwesten und Burbank im Nordosten selten drin. Und falls doch, ist selbst der GLE 450 mit seinen maximal 250 km/h viel schneller, als die Polizei erlaubt. Und trotzdem können sie es in und um Los Angeles kaum erwarten, dass Mercedes den GLE jetzt auch wieder als AMG 63 bringt. Gemeinsam mit seinem großen Bruder GLS gehen die neuen Powermodelle jenseits des Atlantiks im Frühjahr an den Start, bevor sie im Sommer zu Preisen zwischen geschätzten 125.000 und 150.000 Euro auch in Deutschland in den Handel kommen.

Die Begeisterung für AMG mag zu einem Gutteil am Hedonismus liegen, den sie hier in Kalifornien besser kultivieren als im Rest des Landes und daran, dass hier in Hollywood jeder ein bisschen Show machen will. Doch sie liegt ganz sicher auch daran, dass man sich an den wenigen staufreien Strecken umso mehr erfreuen möchte. Und das geht mit neuen GLE 63S nun einmal deutlich besser als mit dem GLE 450

Um wieviel besser das geht, merkt man spätestens bei einem Ausflug in die Hollywood Hills. Dort, wo sich der legendäre Mullholland Drive den Bergkamm entlang schlängelt, kann der GLE beweisen, wie selbst ein Auto von zwei Tonnen und fünf Metern zum Sportwagen wird, wenn die Ingenieure es nur wollen. Schließlich haben sie in Affalterbach nicht nur ihren aktuell besten Motor eingebaut und die zwei Leistungsstufen auf 420 kW/571 PS und 750 Nm oder 450 kW/621 PS und 850 Nm kalibriert, so dass der GLE im besten Fall in 3,8 Sekunden auf Tempo 100 stürmt und bis zu 280 km/h erreicht. Sondern sie haben auch ihren hecklastigen Allrad eingebaut, das Getriebe auf schnellere Gangwechsel ausgelegt und der Luftfeder einen kompromisslosen Charakter programmiert.

Das Ergebnis ist ein Fahrverhalten, das einem mit jeder Meile ein breiteres Grinsen ins Gesicht treibt. Nur die Hinterbänkler werden das ein bisschen anders sehen. Denn während das aufgemöbelte AMG-Interieur neben einem neuen Lenkrad vorne auch andere Sitze mit spürbar mehr Seitenhalt bringt, wird man auf der Rückbank zum Spielball der Fliehkraft und schießt durchs Auto wie eine Flipperkugel kurz vor einem Freispiel.

Wütend jagt das Dickschiff die Serpentinen hinauf, nimmt mit dem serienmäßigen Sperrdifferential an der Hinterachse jede Kurve etwas knapper und dehnt die Grenzen der Fahrphysik Kehre für Kehre etwas weiter. Während ein dumpfes Grollen die engen Canyons erfüllt und das Knallen der künstlichen Fehlzündungen von den roten Felsen wiederhallt, lässt der GLE die Trägheit der Masse vergessen und stürmt – dem elektrischen Wankausgleich sei Dank – überraschend aufrecht über den Mullholland Drive. Mit jeder Meile wird dem Fahrer der Mund trockener und die Stirn heißer. Nur gut, dass AMG nicht am Komfort spart, die Klimasitze den Rücken kühlen und im eisklauen Cupholder ein Energydrink wackelt. Klar, dass da nicht nur der Fahrer, sondern auch sein Fahrzeug reichlich Durst entwickeln. Und weil hier oben in den Hügeln über Hollywood nicht nur wenig Verkehr gibt, sondern auch wenig Möglichkeiten, diesen Durst zu stillen, führt die Fahrt bald unweigerlich wieder zurück an die Küste.

Als die GLE deshalb auf dem Pacific Coast Highway zurück in die Stadt rollt, ändert der Geländegänger wieder seinen Charakter. Eben noch ein erboster Fighter, gibt er nur einen Fingerzeig später den großen Gleiter, der gemütlich entlang der Küste carvt und sich geduldig hinten anstellt im Stau vor Santa Monica. Denn beweisen muss sich der AMG hier nichts und niemandem und kein anderer wird sein Potential in Frage stellen, so bekannt sind die drei Buchstaben hier. Nicht umsonst sprechen sie in der AMG-Heimat beim Blick an die Westküste oft spaßeshalber von Los Affalterbach.

Doch egal ob schnell und gemächlich, wütend oder entspannt: Der AMG bleibt ein Showstar, der mit seinem neuen Grill, den Powerdomes auf der Haube und den weiter ausgestellten Kotflügeln alle Blicke fängt – auch das ist ein Grund, weshalb sie ihn hier in Hollywood so gerne haben.

Mercedes-AMG GLE 63 – Technische Daten:

Fünfsitziger Geländewagen der Luxusklasse; Länge: 4,95 Meter, Breite: 2,02 Meter (Breite mit Außenspiegeln: k.A.), Höhe: 1,78 Meter, Radstand: 3,00 Meter, Kofferraumvolumen: 630 - 1380 Liter

GLE 63: 4,0-Liter-V8-Benziner; 420 kW/571 PS plus 16 kW/22 PS, maximales Drehmoment: 750 Nm bei 2.250 - 5.500 U/min, Allradantrieb, Neungang-Automatik, 0-100 km/h: 4,0 s, Vmax: 250 km/h, Normverbrauch: 11,4 Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 261 g/km, Abgasnorm: k.A., Effizienzklasse: E , Preis: ca. 125.000 Euro

GLE 63S: 4,0-Liter-V8-Benziner; 450 kW/612 PS plus 16 kW/22 PS, maximales Drehmoment: 850 Nm bei 2.500-4.500 U/min, Allradantrieb, Neungang-Automatik, 0-100 km/h: 3,8 s, Vmax: 280 km/h, Normverbrauch: 11,5  Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 262 g/km, Abgasnorm: k.A., Effizienzklasse: E , Preis: ca. 140.000 Euro

Mercedes AMG-GLE 63 –Kurzcharakteristik:

Warum: Wenn schon Klimaschänder, dann mit Spaß

Warum nicht: Weil man mit diesem Auto immer im Mittelpunkt steht

Was sonst: Der neue BMW X5M, Porsche Cayenne Turbo oder Audi RS Q8

Wann kommt er: Sommer 2020

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