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Kolossales Kraftpaket

28.02.2020 - Groß, gemütlich, souverän - er ist so etwas wie der Elefant im SUV-Stall von Mercedes. Doch wenn der GLS jetzt als AMG-Modell kommt, ist es mit der Trägheit vorbei.

  • Mercedes bringt den GLS auch als 63er ©

    Mercedes bringt den GLS auch als 63er © Mercedes

  • Innen geht es gediegen komfortabel zu ©

    Innen geht es gediegen komfortabel zu © Mercedes

  • Die Schwaben gehen bei dem Dickschiff gleich in die Vollen und bieten für den GLS nur die Variante mit 450 kW/612 PS an ©

    Die Schwaben gehen bei dem Dickschiff gleich in die Vollen und bieten für den GLS nur die Variante mit 450 kW/612 PS an © Mercedes

  • Genau wie sein kleiner Bruder GLE bekommt auch der GLS den 4,0 Liter großen V8-Turbo © Mercedes

    Genau wie sein kleiner Bruder GLE bekommt auch der GLS den 4,0 Liter großen V8-Turbo © Mercedes

  • Am meisten beeindruckt aber die schiere Größe, die selbst im Land der Full-Size-Pick-Ups noch Respekt einflößt ©

    Am meisten beeindruckt aber die schiere Größe, die selbst im Land der Full-Size-Pick-Ups noch Respekt einflößt © Mercedes

SP-X/Los Angeles. Achtung, jetzt kommt’s dicke: Während BMW beim X7 und Audi beim Q7 ihre Sportabteilungen zurückgepfiffen haben, lässt Mercedes der schnellen Schwester AMG freien Lauf und bringt den GLS deshalb auch als 63er. In den USA kommt er als einziger ausgewachsener Siebensitzer mit Performance-Tuning schon im Frühjahr in den Handel, bis er es über den Atlantik schafft, wird es Sommer.

Genau wie sein kleiner Bruder GLE im Windschatten des Riesen, bekommt auch der GLS den 4,0 Liter großen V8-Turbo, den AMG überall dort montiert, wo sie es wirklich ernst meinen. Allerdings gehen die Schwaben bei dem Dickschiff gleich in die Vollen und bieten nur die stärkere Variante an: Wo es den GLE auch mit 571 PS gibt, stehen für den GLS allein 450 kW/612 PS bereit und das maximale Drehmoment klettert um 100 auf 850 Nm.

Dazu gibt es – wie es sich für einen AMG in der Oberliga gehört – ein ebenso präsentes wie potentes, vor allem aber provozierendes Design. Der Panamericana-Grill größer denn je, wirkt fast wie ein Maulkorb, mit dem man die anderen Verkehrsteilenehmer schützen möchte und die Powerdomes auf der Haube wie eine Drohung, ja nicht mit diesem Riesen zu Rangeln. Am meisten beeindruckt aber die schiere Größe, die selbst im Land der Full-Size-Pick-Ups noch Respekt einflößt. Erst recht, wenn dieser kräftige Koloss mit ungeahntem Tempo durchs Blickfeld fliegt.

Mit dem Bodybuilding ändern sich aber nicht nur Design und Datenblatt, sondern auch der Charakter des GLS. Zwar führt man das Dickschiff noch immer lieber durch weit geschwungene Kurven als durch enge Serpentinen. Doch schon in der Stadt fühlt man sich irgendwie souveräner, wenn man nur den kleinen Zeh am rechten Fuß braucht, um die Grenzen der Physik einzureißen. Denn bei so viel Kraft ist es mit der Trägheit der Masse nicht weit her. All die daher gelaufenen Mustangs oder M3 sollten sich deshalb besser nicht erdreisten, den GLS beim Ampelspurt zu provozieren. Denn ein Kickdown katapultiert den Koloss in 4,0 Sekunden auf Tempo 100 und wirft vermeintlich sportlichere Autos zurück in den Staub, der dabei von den breiten Walzen auf den 21-Zöllern aufgewirbelt wird.

Und wenn man sich dann doch mal auf eine kurvigere Landstraße oder gar in einen Canyon verirrt, staunt man nicht schlecht, wie behände der Gigant ist, so leicht und handlich lassen ihn Sperrdifferential und aktiver Wankausgleich erscheinen. Natürlich kann die Elektronik die Grenzen der Physik nur dehnen und nicht vollends aushebeln. Doch wo all die Dickschiffe aus Detroit längst mit wimmernden Reifen von der Fahrbahn geschmiert wären, stürmt der GLS den Berg hinaus wie ein wütendes Nashorn in Nadelstreifen – und das Fauchen und Brüllen des Achtzylinders klingt fast genauso furchteinflößend.

Zwar lässt sich der GLS im AMG-Trimm trotz aller Ambitionen ausgesprochen entspannt fahren und der Puls kommt deshalb bei der ersten Testtour auch in den engen Canyons im Hinterland von Hollywood nicht aus den Puschen. Doch ins Schwitzen bringt der GLS seinen Besitzer trotzdem, nicht nur an der Tankstelle, wo der Normwert von 11,9 Litern zur fernen Fabel wird, sondern schon vor dem ersten Meter – beim Händler. Aber das ist in Ordnung. Denn bei einem Preis, der wohl bei knapp unter 150.000 Euro starten wird, darf einem schon mal heiß werden. Außerdem warten dann draußen auf dem Hof ja nicht nur acht Zylinder und 612 PS, sondern auch, klimatisierte Massage-Sitze und das elektronisch gesteuerte Wellnessprogramm.

Mercedes-AMG GLE 6S – Technische Daten:

Siebensitziger Geländewagen der Luxusklasse; Länge: 5,24 Meter, Breite: 2,03 Meter (Breite mit Außenspiegeln: k.A.), Höhe: 1,78 Meter, Radstand: 3,14 Meter, Kofferraumvolumen: 355 – 2.400 Liter

GLS 63: 4,0-Liter-V8-Benziner; 450 kW/612 PS plus 16 kW/22 PS, maximales Drehmoment: 850 Nm bei 2.500 - 4.500, Allradantrieb, Neungang-Automatik, 0-100 km/h: 4,2 s, Vmax: 250 km/h, Normverbrauch: 11,9 Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 273 g/km, Abgasnorm: k.A., Effizienzklasse: E , Preis: ca. 150.000 Euro

Mercedes-AMG GLS 63 –Kurzcharakteristik:

Warum: Weil es ein Heidenspaß macht, die Grenzen der Physik allein mit dem kleinen Zeh einzureißen.

Warum nicht: Weil das schlechte Gewissen trotz Lack, Leder und Luftfederung drückt.

Was sonst: Ein Sport-SUV für bis zu sieben Passagiere? Da ist der GLS allein auf weiter Flur.

Wann kommt er: Sommer 2020

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