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So sparsam fährt ein Plug-in-Hybrid

26.11.2019 - Plug-in-Hybride werden unter anderem mit extrem niedrigen Verbrauchswerten beworben. Doch wieviel Sprit und Strom verbraucht man tatsächlich nach 100 Kilometern. Wir haben es mit dem neuen Skoda Superb iV einmal ausprobiert.

  • Nur 1,1 Liter - so lautet der WLTP-Verbrauchswert für den neuen Skoda Superb iV ©

    Nur 1,1 Liter - so lautet der WLTP-Verbrauchswert für den neuen Skoda Superb iV © Skoda

  • Das Mittelklassemodell verfügt über eine 160 kW/218 PS starke Kombination aus 1,5-Liter-Turbobenziner und Elektromotor ©

    Das Mittelklassemodell verfügt über eine 160 kW/218 PS starke Kombination aus 1,5-Liter-Turbobenziner und Elektromotor © Skoda

  • Als elektrische Reichweite sind 56 Kilometer angegeben ©

    Als elektrische Reichweite sind 56 Kilometer angegeben © Skoda

  • Das Mittelklassemodell mit Plug-in-Hybrid gibt es als viertürige Limousine und gegen 1.000 Euro Aufpreis auch als Kombi ©

    Das Mittelklassemodell mit Plug-in-Hybrid gibt es als viertürige Limousine und gegen 1.000 Euro Aufpreis auch als Kombi © Skoda

  • Geladen wird über eine Klappe im Kühlergrill ©

    Geladen wird über eine Klappe im Kühlergrill © Skoda

SP-X/Amsterdam. Nur 1,1 Liter - so lautet der WLTP-Verbrauchswert für den neuen Skoda Superb iV. Möglich macht das Plug-in-Hybridtechnik, die wahlweise Fahren mit Benziner und/oder E-Motor erlaubt. Recht weit verbreitet ist die Vermutung, der niedrige Verbrauch würde sich aus einer 100-Kilometer-Fahrt mit maximaler elektrischer Reichweite und der Bewältigung der restlichen Strecke mit Benziner berechnen. Tatsächlich aber wird im offiziellen Messverfahren der elektrische Anteil gewichtet. Doch wie sieht es im Fall des neuen Skoda Superb iV aus, wenn man 100 Kilometer mit gut gefüllter Batterie zunächst rein elektrisch und dann den Rest mit Benziner fährt? Diese Frage haben wir bei einer ersten Ausfahrt in Holland kurz vor seinem offiziellen Marktstart gestellt. Soviel vorweg: Er fuhr sich erfreulich sparsam, allerdings nicht so sparsam wie der Normwert vermuten lässt.   

Wie bei anderen Modellen des VW-Konzerns werden auch beim rund 42.000 Euro teurem Superb iV ein 1,4-Liter-Benziner, ein E-Motor und ein Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe zu einem Antrieb geschmiedet, der eine Reihe verschiedener Fahrmodi erlaubt. Es geht rein elektrisch, hybridisch und auf Wunsch mit voller Unterstützung beider Aggregate sogar sportlich. Immerhin ist die Systemleistung mit 160 kW/218 PS üppig, was im Fall der Superb Limousine eine Sprintzeit aus dem Stand auf 100 km/h in 7,7 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 224 km/h erlaubt. Recht üppig ist auch die Speicherkapazität der fast 140 Kilogramm schweren Batterie mit immerhin 13 kWh. Das, so die Angabe des Herstellers, soll für 62 WLTP-Kilometer rein elektrischen Fahrens reichen.   

Als wir unseren Testwagen mit einer laut Bordcomputer vollständig geladenen Batterie erhalten, werden 41 Kilometer rein elektrische Reichweite angezeigt. Die Fahrt führt vom Amsterdamer Flughafen nach Den Haag, mit hohem Anteil Stadtverkehr und etlichen Überlandpassagen mit Tempolimits von 70, 80 und 100 km/h - für eine effiziente E-Fahrt also gute Bedingungen. Wird der Superb per Druckknopf gestartet, geht er automatisch in den E-Modus, bei dem konsequent emissionsfrei gefahren wird, solange wie Strom zum Vortrieb zur Verfügung steht. Angesichts des Streckenprofils ist konsequentes Stromern kein Problem, denn der 85 kW/116 PS starke E-Motor erlaubt eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. Sanft und geschmeidig, jedoch nicht geräuschlos setzt sich der 1,8-Tonner in Bewegung. Sobald das Fahrzeug anfährt, hört man sogar ein typisches Verbrennergeräusch, das erst jenseits der 20 km/h verstummt. Dieser Klang kommt allerdings nicht vom Ottomotor, sondern von einem Soundgenerator, der vor allem Fußgänger warnen soll.

Das Beschleunigungspotenzial im E-Modus reicht, um im Verkehr gut mitschwimmen zu können. Der Energievorrat des Akkus ist indes für eine längere Tour bescheiden. Aus den ursprünglich 41 wurden am Ende unserer rein elektrischen Testrunde 43 emissionsfrei gefahrene Kilometer. Kurz vor Ende des Stromvorrats blinkt noch einmal mahnend der rote Bereich der Batterieanzeige im Kombiinstrument auf, noch bevor die E-Reichweitenanzeige auf 0 fällt. Selbst dann geht es noch elektrisch weiter, allerdings nur kurz, bis sich endgültig der Benziner zu Wort meldet und im dann einsetzenden Hybridmodus weitgehend die Vortriebsarbeit übernimmt.   

Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe und der Benziner harmonieren vorzüglich. Eindeutig ist spürbar, dass hier mehr längsdynamisches Potenzial zur Verfügung steht, als wir auf dieser Strecke brauchen. Entsprechend bleibt auch der Verbrauch niedrig, zunächst steigt der Wert zwar kräftig um gut einen Zehntelliter pro Kilometer an, doch schnell verlangsamt sich der Zuwachs. Sogar heftig verlangsamt wird das Auto durch die Motorbremse der E-Maschine, die per Rekuperation Bewegungsenergie in elektrische Energie wandelt, die in die Batterie zurückgespeist wird. Dank dieser Rückgewinnung war zwischendrin immer mal wieder kurzes Stromern möglich. Hier setzt der Superb iV seine effizienzsteigernde Hybridtechnik geschickt ein. Wohl auch dank Rekuperation zeigte der Bordcomputer nach exakt 100 Kilometer einen Benzinverbrauch von 2,9 Liter an. Angesichts dieses Wertes würden 100 Kilometer ohne E-Antrieb einen Verbrauch von 5,2 Liter bedeuten. Das ist durchaus sparsam, doch in Anbetracht Streckenprofils auch kein Sparwunder, wie etwa der WLTP-Normverbrauch von 1,1 Liter erwarten lässt.   

Zusätzlich zum Sprit- gibt es noch den Stromverbrauch. Hier konnte die Praxisfahrt keine verlässliche Auskunft geben. Fährt man eine volle Batterie leer, hat man gut 10 Kilowattstunden verbraucht. Diesen Wert vorausgesetzt, dürfte der Superp iV auf unserem 100-Kilometer-Test Energiekosten von rund 5 Euro für Benzin und 3 Euro Strom verursacht haben. Preislich wäre das vergleichbar mit einem Diesel, zu dem der Teilzeitstromer auch als grundsätzliche Alternative gedacht ist. Über 80 Prozent der Superb iV will Skoda an Flottenkunden verkaufen, die traditionell vor allem Diesel als Dienstfahrzeuge eingesetzt haben. Theoretisch kann der Nutzer den Skoda sogar günstiger als einen Diesel fahren, wenn er ihn denn konsequent rein elektrisch bewegt. Ein vergleichbarer Superb Diesel ist zwar rund 2.000 Euro günstiger in der Anschaffung, dafür können Kunden beim Superb den Umweltbonus abrufen, mit dem sich der Kaufpreis um über 3.000 Euro verringern lässt. Und Dienstwagennutzer müssen nur ein halbes Prozent des Neupreises ihres Fahrzeugs monatlich versteuern. So gesehen bietet der Teilzeitstromer gegenüber konventionell angetriebenen Schwestermodellen grundsätzlich Sparpotenzial.

Skoda Superb iV Limousine - Technische Daten:

Viertürige Limousine mit fünf Sitzen; Länge: 4,87 m, Breite: 1,86 m, Höhe: 1,47 m, Radstand: 2,84 m, Kofferraumvolumen: 485 Liter

Antrieb: Plug-in-Hybrid-Antrieb mit 1,4-Liter-Turbobenziner (115 kW/156 PS) und E-Maschine (85 kW/115 PS), maximales Drehmoment (System): 400 Newtonmeter. Lithium-Ionen-Batterie mit 13 kW/h brutto, 10,4 kWh netto Kapazität. Elektrische Reichweite (WLTP) 62 Kilometer. Ladezeit auf 80 Prozent: 3,3 Stunden (bei 3,6 kW) bzw. 5 Stunden (bei 2,3 kW). 0 - 100 km/h: 7,7 sec. Vmax: 224 km/h. Verbrauch (nach WLTP): 1,1 Liter Benzin auf 100 km. CO2-Ausstoß (WLTP):  25 g/km. Grundpreis: 41.590 Euro (ohne Förderung oder Umweltbonus)

Skoda Skoda Superb iV Limousine - Kurzcharakteristik:

Warum: weil er E-Mobilität ohne Reichweitenangst ermöglicht
Warum nicht: weil zwei Antriebe in einem Auto eigentlich einer zu viel ist
Was sonst: Skoda Superb als Diesel oder Benziner oder einen der immer zahlreicher werdenden anderen Plug-in-Hybride
Wann kommt er: Anfang 2020

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