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Hübscher Kasten mit High-Tech

20.10.2020 - Volkswagen hat sein Vielzweckauto Caddy komplett erneuert. Der auch bei Familien und Freizeitsportlern beliebte Hochdachkombi ist jetzt eng mit dem aktuellen Golf verwandt.

  • Der neue VW Caddy steht in den Startlöchern ©

    Der neue VW Caddy steht in den Startlöchern © VW

  • Der Caddy baut auf dem Modularer Querbau-Kasten auf ©

    Der Caddy baut auf dem Modularer Querbau-Kasten auf © VW

  • Der Caddy wird in zwei Längen angeboten ©

    Der Caddy wird in zwei Längen angeboten © VW

  • Platz ist reichlich vorhanden ©

    Platz ist reichlich vorhanden © VW

  • Der neue Caddy setzt neue Maßstäbe in einer Klasse ©

    Der neue Caddy setzt neue Maßstäbe in einer Klasse © VW

  • Der stärkste Diesel kommt zurzeit auf 90 kW/122 PS ©

    Der stärkste Diesel kommt zurzeit auf 90 kW/122 PS © VW

  • Die Verwandtschaft zum VW Golf ist nicht zu übersehen ©

    Die Verwandtschaft zum VW Golf ist nicht zu übersehen © VW

SP-X/München. Ganz ehrlich, mit so einem neuen Caddy hatte wohl niemand gerechnet. Die bisherigen Familien-Kombis oder Lieferwagen waren zwar stets überaus praktisch, galten aber gleichzeitig als seelenlose Langweiler. Stets fleißige Helfer auf dem Golf-Platz, die immer bereitstanden, auch Schweres zu schleppen, sich dabei aber unauffällig im Hintergrund hielten. „Caddys“ eben, der Name aus dem Sport wurde seit 1978 zum Programm. Jetzt haben sich Ingenieure und Designer das kleinste Modell der Nutzfahrzeug-Abteilung von VW ernsthaft vorgeknöpft. Die erste echte Caddy-Premiere seit 17 Jahren, denn die Neuerungen seitdem waren eher Facelifts, vorsichtige Retuschen oder optische und technische Updates.
Dem „MQB“ sei Dank. Der Unterbau mit Namen „Modularer Querbau-Kasten“, der zahlreiche Modelle des VW-Konzerns trägt, ist endlich auch im Caddy angekommen. Die Bauweise macht ihn zu einem völlig neuen Auto, bei dem die Freiheiten innen und außen voll ausgekostet werden. Von vorne gesehen lächelt er schmallippig mit dem Grill von Golf und Co. Er blickt keck aus LED-Augen, präsentiert sich seitlich mit einer durchgehenden Gürtellinie, im unteren Bereich leicht nach innen gewölbten Türen und einem sanft gen Heck abfallenden Dach. Natürlich hat auch der Neue die beliebten hinteren Schiebetüren mit rahmenlosen Seitenfenstern. Das Sahnestück aber ist das Hinterteil mit seinem großen Fenster, in den das VW-Logo scheinbar freischwebend eingebettet ist. Es ist von den neuen Rückleuchten umrahmt, deren futuristische Gestaltung fast edel daherkommt.
Schon das frische Erscheinungsbild weckt also Neugierde aufs Einsteigen und Losfahren. Von einem sachlichen Nutzfahrzeug ist die private Variante des Caddy auch im Innenraum so weit wie nie entfernt. Vertrautes Bild aus dem Golf 8 dank Digital-Cockpit, zentralem Monitor, dessen Bedienung manche bisherigen Tasten und Schalter überflüssig macht sowie eine zentrale Fläche links vom Lenkrad für Licht und Scheibenheizung. Weiterhin beeindruckend ist das Raumgefühl, obwohl der Caddy 2,5 Zentimeter flacher geraten ist. Was aber nicht weiter auffällt. Immer noch ist viel Platz überm Haupthaar. Wichtiger ist der Blick über die Schulter auf die Rücksitze. Dank Längenzuwachs von neun Zentimeter auf nunmehr 4.50 Meter genießen die Hinterbänkler üppige Beinfreiheit, da allein der Abstand zwischen den Achsen um sieben Zentimeter gestreckt wurde,
In unserem Test-Caddy werkelt die stärkere der beiden Dieselvarianten, mit denen der Neuling zunächst an den Start geht. 90 kW/122 PS mit modernster Abgastechnik, die per Druck auf den Startknopf erweckt werden. Kaum Dieselrasseln gelangt ans Ohr, die Dämmung scheint gelungen. Schon nach den ersten Metern fällt die neue Lenkung auf. Viel direkter als beim Vorgänger, ohne wilde Kurbelei auch um enge Ecken, leichtgängig und dennoch mit fühlbarem Kontakt zur Straße. Waren früher von Anschlag zu Anschlag drei volle Umdrehungen des Lenkrads nötig, kommt der neue Caddy mit einer halben weniger aus. Kleine Ursache, große Wirkung.
Angenehm wie in einem normalen PKW ist auch die unauffällige Art, wie der Hochdach-VW Unebenheiten wegbügelt. Dabei ist er nach wie vor mit einer starren Achse unterwegs, die nun mal bei schweren Lasten nötig ist. Er dämpft aber jetzt anstatt mit robusten Blattfedern mit der zivileren Variante in Schraubenform, die Hinterachse übernahm zudem Elemente aus dem Golf. Natürlich ist der Caddy vor allem wegen seiner Höhe kein Sportler, der den Kurven-Twist liebt. Wegen der wertvollen Nachwuchs-Fracht auf den Rücksitzen wird Papa wohl kaum den Hamilton in sich entdecken. Sollte es trotzdem mal für die nächste Biegung zu flott werden, greifen die zahlreiche Assistenten schnell ein. Im Datenblatt sind 19 verschiedene Systeme aufgezählt. Serienmäßig davon sind die Assistenten fürs Abbiegen, Spurhalten oder die Notbremsung.
Ob im Stadtgewühl, der Fahrt ins Grüne über Landstraßen oder auf Autobahn-Langstrecke: Der Caddy des dritten Jahrzehnts des aktuellen Jahrhunderts wird wohl als angenehmes Reiseauto ebenso genutzt wie als Umzugshelfer oder Transporteur von allerlei Sportgerät. Stellt man fünf der möglichen sieben Sitze auf „Flach“ passen bis zu 2.556 Liter in den Raum hinter den Vordersitzen. Bald erscheint aber auch die Maxi-Version mit einem nochmals längeren Radstand und dem äußeren Gardemaß von 4,85 Metern. Sie hat auch breitere Schiebetüren, durch die sogar eine weitere Europalette passt.
Unterm Strich setzt der neue Caddy wohl neue Maßstäbe in einer Klasse, die trotz des SUV-Boom nach wie vor gefragt ist. Nützlich war er schon vorher, musste aber optisch den durchaus stylischen Rivalen von Citroen oder Renault den Vortritt lassen. Jetzt setzt er zum Überholen an.

VW Caddy 2.0 TDI – Technische Daten:
Fünftüriger Familienkombi der Kompaktklasse mit bis zu sieben Sitzen, Länge: 4,50 Meter, Breite: 1,86 Meter (Breite mit Außenspiegeln: 2,10 Meter), Höhe: 1,82 Meter, Radstand: 2,76 Meter,  Kofferraumvolumen: 1.213 – 2.556.Liter
Antrieb; Zweiliter-Vierzylinder-Diesel mit Turbo, 90 kW/122 PS. maximales Drehmoment: 320 Nm bei 1.600- 2.500 U/min, Frontantrieb, Sechsgang-Schaltgetriebe, 0-100 km/h: 13,5 s; Vmax: 175 km/h, Normverbrauch: 4,7 Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 124 g/100 km, Abgasnorm: Euro 6d-ISC-FCM, Effizienzklasse A
Preis: ab 30.514 Euro


Weitere Motorisierungen:
Zweiliter-Vierzylinder-Diesel mit Turbo, 75 kW/102 PS. maximales Drehmoment: 280 Nm bei 1.500- 2.500 U/min, Frontantrieb, Sechsgang-Schaltgetriebe, 0-100 km/h: 11,2 s; Vmax: 187 km/h, Normverbrauch: 4,7 Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 123 g/100 km, Abgasnorm: Euro 6d-ISC-FCM, Effizienzklasse A
Preis: ab 29.330 Euro

1,5-Liter-Vierzylinder-Benziner mit Turbo und Zylinderabschaltung, 84 kW/114 PS, maximales Drehmoment: 220 Nm bei 1.750- 3.000 U/min, Frontantrieb, Sechsgang-Schaltgetriebe. Weitere Daten und Preis noch unbekannt

Kurzcharakteristik:
Warum: Weil der Familien-Lastesel jetzt richtig schickt daherkommt
Warum nicht: Weil man keine Großfamilie hat, unsportlich ist und ohnehin alles online liefern lässt
Was sonst: Citroen Berlingo, Renault Kangoo, Fiat Doblo, Opel Combo
Was noch: 1,5-Liter-Erdgasmotor mit Turbo mit 96 kW/130 PS sowie eine Variante mit Plug-In-Hybrid mit 50 Kilometer elektrischer Reichweite.

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