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In Cinemascope: Israel Nashs großer Wurf

27.07.2018 - Mal angenommen, Neil Young hätte Anfang der 70er Jahre mit den Beach Boys und den Eagles gemeinsame Sache gemacht - es hätte wohl geklungen wie das neue Album von Israel Nash. Seine üppigen Folkrock-Songs sind trotz bedenklicher Retro-Tendenzen ein großer Wurf.

  • Der amerikanische Sänger, Songschreiber und Gitarrist Israel Nash. Foto: Kris Wixom/Loose Music/Rough Trade © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Der amerikanische Sänger, Songschreiber und Gitarrist Israel Nash. Foto: Kris Wixom/Loose Music/Rough Trade © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Für Pop-Kenner funktioniert «Lifted», das fünfte Studioalbum des Sängers und Gitarristen Israel Nash, wie ein vergnügliches Suchspiel. Wo hat man dieses Gitarrenriff schon mal gehört, oder jenes Chor-Arrangement, diese Bläser und Streicher - damals, auf den großen Folkrock-Alben der späten 60er und frühen 70er?

Und Nashs helle, etwas quäkige Stimme - klingt die nicht nach dem jungen Neil Young von «Heart Of Gold» vor 45 Jahren?

Die neuen Songs des Mittdreißigers, der aus dem US-Bundesstaat Missouri stammt und jetzt in Texas lebt, leugnen ihre Wurzeln in der glorreichen Americana-Vergangenheit zu keiner Sekunde. Als «retro» wird so ein Sound gern bezeichnet - für manche Kritiker dürfte das Klangbild von «Lifted» etwas aufreizend Konservatives haben.

Tatsächlich: Kein elektronisches Geknister und Gefiepe, keine Samples und Loops, keine künstlich gepitchten Vocals mischen sich in den schon fast (aber nie wirklich) aufdringlichen Wohlklang der zwölf Nash-Stücke. Das Album wirkt wie aus der Zeit gefallen, die Pop- und Rock-Gegenwart scheint von dort aus tatsächlich noch etliche Dekaden entfernt.

Und dann sagt Israel Nash, der seinen zweiten Nachnamen Gripka mittlerweile abgelegt hat, in Interviews auch noch solche Sätze: «Die Idee hinter dieser Platte war, die Seelen der Menschen mit Klängen aufzurichten - weil die Welt so verdammt verrückt ist.» Oder: «Wir Menschen sind so klein, nur Sandkörner in der großen kosmischen Wüste.»

Eine Art Hippie-Ethik trieb Nash, der schon früher als bärtiger, langhaariger Riese im Woodstock-Outfit manchen Waldschrat-Klischees gerecht wurde, also auch für sein neues, wohl bestes Werk an. «Lifted» setzt eine künstlerisch-stilistische Entwicklung fort, die sich bereits etwas länger absehen ließ.

Schon mit dem tollen, gitarrenlastigen «Rain Plans» (2013), der ersten in Deutschland wahrgenommenen Nash-Platte, hatte sich der US-Musiker von seinen Alternative-Country-Ursprüngen entfernt. Auch der Nachfolger «Silver Season» (2015) war ein feines kleines Folkrock-Meisterwerk, das Musikmagazin «Rolling Stone» lobte den «elementar-psychedelischen Sound» und präsentierte die Platte in Gänze vorab als Stream auf seiner Webseite.

«Lifted» hat Nash nun erneut im Heimstudio auf der eigenen Ranch bei Austin vom Grammy-prämierten Toningenieur Ted Young aufnehmen und produzieren lassen. Und diesmal legt er endgültig jedwede schüchterne Zurückhaltung ab.

Im Wortsinne mit Pauken und Trompeten pumpt er seine ohnehin schon süffigen Melodien für Songs wie «The Widow», «Looking Glass», «Rolling On» oder «Golden Fleeces» zu einem nostalgischen, opulenten Cinemascope-Sound auf. Als hätte das ewige Vorbild Neil Young damals Brian Wilson und seine Beach Boys, die Eagles und den großen Bombast-Produzenten Phil Spector für gemeinsame Sessions getroffen - so hört sich das an.

«Wenn ich im Studio richtig loslege, dann bleibe ich da grundsätzlich für drei Tage, 15 Stunden am Stück», erzählt Nash über seine intensive Arbeit, die man «Lifted» in vielen Details auch anhören kann. «Ich esse dann nicht viel. Und irgendwann sehe ich die Sonne aufgehen...» Das passt. Seine neuen Lieder ergeben einen grandiosen Soundtrack für erhebendes Kopfkino.

Konzerte im November: 3.11. Aschaffenburg, Colos-Saal; 6.11. München, Strom; 8.11. Zürich, Bogen F; 9.11. Schorndorf, Club Manufaktur: 13.11. Hamburg, Nochspeicher; 19.11. Berlin, Festsaal Kreuzberg; 20.11. Köln, Stadtgarten

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