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Pop-Romantiker Richard Hawley schlägt ein neues Kapitel auf

03.06.2019 - Sein romantischer Bariton ist seit fast 20 Jahren das Ass im Ärmel des Britpop-Musikers Richard Hawley. Daran ändert sich auch mit dem neuen Album nichts - obwohl manches etwas anders klingt als gewohnt.

  • Richard Hawley will mit seinen Songs vor allem Gefühle transportieren. Foto: Britta Pedersen © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Richard Hawley will mit seinen Songs vor allem Gefühle transportieren. Foto: Britta Pedersen © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Harte Schale, weicher Kern: Richard Hawley (52) ist ein widersprüchlicher Typ, wie man ihn derzeit in der mittleren Britpop-Generation öfter findet.

Sein alter Freund Jarvis Cocker (55) von der 90er-Jahre-Kultband Pulp, Elbow-Frontmann Guy Garvey (45), Thom Yorke (50) von Radiohead und die Galionsfigur der Szene, Paul Weller (61), ticken ähnlich. Es sind raue, zunächst sperrige Männer - aber dahinter steckt viel Gefühl, oft auch tiefe Sentimentalität.

Bei Hawley, dem von Kritik und Fans hochverehrten Balladensänger mit der samtigen Baritonstimme, kommen der sture Stolz eines «Working Class Gentleman» und nostalgische Liebe zu seiner nordenglischen Region Sheffield hinzu. Solo-Hauptwerke hat er stets nach einem Wahrzeichen oder Ort in und bei der nicht gerade für ihre Schönheit berühmten Stahlstadt benannt: «Coles Corner» (2005), «Lady’s Bridge» (2007), «Truelove’s Gutter» (2009), «Standing At The Sky’s Edge» (2012), «Hollow Meadows» (2015).

Mit seinem neunten Studioalbum «Further» (BMG/ADA) beendet Hawley nun diese Serie der Heimatpflege via Albumtitel, bewusst schlägt er ein neues Karriere-Kapitel auf. Auch die Konzentration auf getragene, mitternächtliche Slow-Songs ist vorbei. Von den elf neuen Liedern kommt die Mehrzahl in - zumindest für diesen Musiker - flotterer Rock-Gangart daher.

Schon der Opener «Off My Mind» lässt die E-Gitarre röhren, auch «Is There A Pill», «Gallay Girl» und «Time Is» integrieren Lärm ins edle Klangbild. «Ich wollte mich selbst herausfordern und versuchen, alles im Uptempo-Bereich zu komponieren, um die Songs auf gute drei Minuten zu begrenzen», sagt Hawley über das Konzept dieser kompakten 36-Minuten-Platte. «Ich fragte mich, ob ich immer noch in der Lage wäre, meine Botschaft so direkt wie eine Pistolenkugel rauszufeuern.»

Als Gitarrist seiner früheren Bands Treebound Story und Longpigs hatte Hawley noch nicht den inzwischen von ihm gewohnten Balladen-Pop gepflegt. Eher durch Zufall entdeckte er irgendwann seine grandiose Singstimme und überzeugte gleich mit dem selbstbetitelten Debüt und «Late Night Final» (2001).

Es folgten Nominierungen unter anderem für den renommierten Mercury-Preis, vor zehn Jahren der kreative Höhepunkt mit dem äußerst komplexen, dunklen «Truelove’s Gutter», weitere zumindest sehr respektable Alben. Zuletzt steuerte Hawley in klassischer Manier Crooner-Songs zum Film «Funny Cow» bei, und in Sheffield lief ein Musical, das auf seinen Liedern basierte.

Bei allem Willen, seine Retro-Arrangements mit Gitarren-Wucht aufzumotzen: Romantik leistet sich Hawley auf «Further» natürlich immer noch, etwa im streichergesäumten «My Little Treasures», in «Emilina Says» und «Not Lonely». Über das letztgenannte Lied sagt er: «Der Text handelt von einer Lebensphase, von der ich hoffe, dass unsere Kinder sie irgendwann erreichen. Von der Zeit, wenn sie ihre eigenen vier Wände haben. Kurz gesagt, geht es um den Luxus, alleine zu sein und das zu tun können, worauf man gerade Bock hat.»

Zusammen mit seinen bewährten Co-Produzenten Colin Elliot und Shez Sheridan hat Richard Hawley abermals ein so tiefschürfendes wie hochemotionales Album aufgenommen. Er beweist Mut zum Aufbruch, übertreibt es damit zum Glück aber auch nicht. Letztlich bleibt dieser große britische Singer-Songwriter ein Künstler, der mit seiner Musik vor allem Gefühle transportiert. «Ich wollte etwas wirklich Liebevolles erschaffen», sagt er über «Further». Ziel erreicht.

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