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Kühlschränke und mächtige Narren: Axel Hacke wird 65

20.01.2021 - Seine Fans lesen die letzte Seite des «SZ-Magazins» immer zuerst. Axel Hacke pikst dort die Unverständlichkeiten des Lebens auf, bleibt aber selbst bei ernsten Themen amüsant und unterhaltsam. Doch das ist nicht die einzige Leistung, die den Star-Kolumnisten auszeichnet.

  • Axel Hacke wird auf der Bühne zum großen Entertainer. Foto: Peter Kneffel/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Axel Hacke wird auf der Bühne zum großen Entertainer. Foto: Peter Kneffel/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Axel Hacke ist ein Meister der pointierten Kolumnen. Treffsicher und mit Bedacht wählt er seine Worte, feilt an den Sätzen, bis sie mit einer Leichtigkeit schweben.

Woche für Woche schreibt er mit Heiterkeit und Augenzwinkern gegen die Widrigkeiten des Lebens an und kann es zugleich nicht fassen, in welchem Zustand die Welt ist.

Viele Leser werden Axel Hacke zeit ihres Lebens mit einem sprechenden Kühlschrank namens Bosch verbinden. Dabei hat Hacke zahlreiche Bestseller geschrieben, den «Weißen Neger Wumbaba» etwa. Sprache und sprachliche Schnitzer sind sein Steckenpferd, neben der Zoologie.

Früher schrieb er auch über Erziehung und Fußball, inzwischen beschäftigt er sich lieber mit Anstand und Haltung angesichts einer immer rauer werdenden Umwelt. Jedenfalls wird dieser Hacke am 20. Januar 65 Jahre alt, was zur Freude seiner Fans kein Grund für ihn ist, mit dem Schreiben aufzuhören.

Wenn Hacke seine Jugend in Braunschweig schildert, merkt man ihm die Lust am Erzählen an, die Freude an kleinen, aber aussagefähigen Details. Da gab es etwa den Großonkel, von Beruf Schlosser, der sonntags einen Dreiteiler samt Krawatte trug und Zigarre rauchte - dabei aber den IG Metall-Anstecker am Revers nie vergaß. Solche Details ziehen sich auch durch Hackes Texte, er ist ein genauer Beobachter mit einer Chronisten-Ader.

In Braunschweig wurde es ihm rasch zu eng. Angekommen in München öffnete sich für Hacke die große weite Welt. Nach Journalistenschule und ersten Redakteursposten wurde er mit dem Erscheinen des «SZ-Magazins» im Jahr 1990 durch seine wöchentlichen Kolumnen schnell einer wachsenden Fangemeinde bekannt.

«Gute Kolumnen schreiben viele, Axel Hacke tut dies seit unglaublich langer Zeit», lobt «Zeit-Magazin»-Pendant Harald Martenstein. «Das ist bemerkenswert, weil das Kolumnieren im Lauf der Jahre nicht einfacher wird, sondern schwieriger.» Hacke jedoch, dieser Tausendsassa, verliere «einfach nicht seine Leichtigkeit, er ist ein Fitness-Wunder».

Hackes Kondition bewundert auch Redakteur Johannes Waechter vom «SZ-Magazin», mit dem Hacke seit vielen Jahren vorm Schreiben seiner Kolumne geistig Ping-Pong spielt: «Auf den ersten Blick scheint Hacke ein ganz normaler Großstadtbewohner und Familienvater zu sein, vielleicht allenfalls mit einer besonderen Beobachtungsgabe gesegnet. In Wahrheit ist er aber eine Mischung aus einem Philosophen und einem Ausdauerathleten, der seit dreißig Jahren jede Woche einen Marathonlauf absolviert - ohne zu schwitzen!»

Schwitzend kann man sich Hacke tatsächlich nur schwer vorstellen, obwohl er regelmäßig joggt und radelt. Selbst an einem gewöhnlichen Arbeitstag sitzt der selbstständige Autor mit sorgfältig polierten Stiefeletten zur eleganten Bügelfaltenhose in seinem Einzimmer-Büro-Appartment vor dem Rechner, umgeben von zahlreichen Büchern, Bildern und präparierten Kuriositäten aus der Tierwelt.

Der Habitus eines Mannes von Welt, der auf Reisen gerne in Grand Hotels nächtigt, steht dabei im Widerspruch zu Hackes Sesshaftigkeit. Seit 30 Jahren hat er den gleichen Buchverlag, ebenso lang wohnt er in seiner Wohnung mitten in München. «Ich fahre in den Ferien fast immer an denselben Ort. Ich mache immer die gleichen Sachen. Ich bin ein Mensch, der sehr, sehr verhaftet ist», sagt Hacke über sich selbst. «Ich finde meine Arbeit und das, was ich so mache, innerlich so aufregend, dass ich nicht auch noch Aufregung von außen brauche.»

Dabei scheint er es durchaus zu genießen, im «Außen» zu sein. Vor Corona reiste er im Jahr zu rund 90 Lesungen quer durch die Republik, präsentierte dort Auszüge aus seinen 25 Büchern, die in 18 Sprachen übersetzt sind. In Berichten über die Lesungen taucht durchaus das Wort «Rampensau» auf, er füllt große Hallen mit schallendem Gelächter. «Hacke ist, wie viele lustige Leute, ein sehr ernsthafter Mensch, wenn man ihn allein trifft», berichtet Martenstein. «Auf der Bühne wird er dann zum großen Entertainer.»

Was ihn vermutlich über all die Jahre so beliebt macht, ist das Fehlen von Zynismus und moralintropfend-erhobenem Zeigefinger. «Ich will ja niemanden erziehen, und ich will niemanden belehren. Ich möchte einfach nur ein bisschen die Fantasie anregen und Menschen dazu bewegen, ihren eigenen Denkapparat etwas freier zu benutzen», betont Hacke.

Auch seine Kolumnen haben sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Schrieb er früher viel über sein Leben als Familienvater und die kleinen Begebenheiten des Alltags, sind die Texte heute politischer, facettenreicher, direkter. «Das ist ja auch kein Wunder», findet Hacke.

«Wenn man sieht, dass in Parlamenten wieder Nazis sitzen, dass in Amerika vier Jahre lang ein vollkommen unfähiger, selbstbezogener Narr Präsident gewesen ist.» Dass Donald Trump das Kapitol nun verlassen muss, wird Hacke aber sicher nicht davon abhalten, seinen Finger auch künftig in die gesellschaftlichen und politischen Wunden zu legen.

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