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Deutsche Ski-Ansage vor Kitzbühel-Kracher: Podium als Ziel

21.01.2021 - Der Name Kitzbühel steht für eine der härtesten Abfahrten der Welt, aber auch für eine wilde Wintersport-Sause. In diesem Corona-Winter sind Fans nicht erlaubt, also soll nur das sportliche Spektakel im Fokus stehen. Ein deutscher Starter traut sich einen Streif-Coup zu.

  • Die Hoffnungen im DSV liegen auch auf Romed Baumann. Foto: Helmut Fohringer/APA/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die Hoffnungen im DSV liegen auch auf Romed Baumann. Foto: Helmut Fohringer/APA/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Auch ohne Fans, Après-Ski und Promi-Halligalli sorgt die legendäre Streif in Kitzbühel bei den Ski-Assen für Gänsehaut. Mausefalle, Steilhang, Hausbergkante, Traverse: Die ikonischen Streckenteile am Hahnenkamm garantieren selbst in Corona-Zeiten Spektakel und großen Sport.

Einschüchtern lassen sich die deutschen Schussfahrer nicht - im Gegenteil. «Das Ziel ist ein Podium», sagte Romed Baumann vor der ersten von zwei Abfahrten am Freitag (11.30 Uhr/ZDF und Eurosport) ganz unbescheiden.

Nach dem Verletzungsausfall von 2018-Champion Thomas Dreßen ruhen die Hoffnungen im DSV auch auf Baumann - und der hat zu Kitzbühel eine ganz besondere Beziehung. Vor fast genau 35 Jahren wurde Baumann im Kitzbühler Nachbarort St. Johann geboren. Und obwohl er nach seiner ersten Karriere im österreichischen Ski-Team mittlerweile für Deutschland fährt, ist die Streif natürlich «ein Rennen wie kein anderes. Das ist und bleibt mein Heimrennen», sagte er.

Allerdings musste sich auch Baumann erstmal umschauen, als er in dieser Kitzbüheler XXL-Woche mit gleich drei Speedevents erstmals an die Strecke kam. Dort, wo in normalen Jahren große Tribünen und weitläufige Zuschauerbereiche für bis zu 50.000 Fans aufgebaut sind, fällt das Auge dieses Mal mal auf eine leere Tiefschneewiese. Wegen Corona sind Fans - wie in fast allen Weltcup-Orten - verboten.

«Das tut dem Skifahrer-Herz natürlich weh, klar», sagte der Schweizer Beat Feuz der Nachrichtenagentur sda. «Der Rummel, dieses Ramba-Zamba, ist zwar anstrengend, und wir haben jetzt mehr Freizeit im Weltcup. Aber er macht die größten Rennen erst richtig speziell.»

Statt Heerscharen von Fans mit Party-Musik und bengalischen Feuern erwarten die Rennfahrer nach fast zweiminütigem Kampf im Ziel Betreuer, Konkurrenten und ein paar Journalisten. Dort, wo an anderen Jahren Arnold Schwarzenegger auf einer großen VIP-Tribüne dem wilden Treiben zuschaute, wehen nun einsam die Flaggen der Starter im Wind.

Von einem «ungewohnten» Weltcup sprach der Österreicher Vincent Kriechmayr, der nach seiner Trainingsbestzeit am Donnerstag einer der großen Siegfavoriten ist, und witzelte: «Normalerweise sind wir ja nur Statisten und für die Belustigung für die Promis da.» Diese Fehlen und damit steht der reine Alpinsport im Fokus wie noch nie.

Dass die Streif, die schon so viele Stürze erlebt hat und in diesem Jahr in den Trainings ungewohnt zahm daherkam, plötzlich ein normales oder gar einfaches Rennen wird, diesen Rückschluss wiesen die Sportler aber ganz schnell zurück. «Man darf die Strecke nicht unterschätzen», mahnte Andreas Sander. In den zwei Trainingsläufen wurde der gebürtige Ennepetaler jeweils Sechster und kann damit hoffen, nach Jahren im Weltcup erstmals auf ein Podest zu fahren.

Auch Dominik Schwaiger und Josef Ferstl zeigten solide Trainings. Das deutsche Sextett machen Manuel Schmid und Simon Jocher komplett. Die Topfavoriten auf die begehrte Gams-Trophäe sind neben Kriechmayr noch Feuz, der Südtiroler Dominik Paris, der formstarke US-Fahrer Ryan Cochran-Siegle und Vorjahressieger Matthias Mayer aus Österreich.

Oder Baumann schafft es tatsächlich und sorgt für eine kuriose Pointe: Als der Routinier im Vorjahr erstmals nach seinem Nationenwechsel in Kitzbühel antrat, wurde er von einigen Österreich-Fans beschimpft und beleidigt. Das hatte er als Ansporn hergenommen und war auf den hervorragenden siebten Platz gefahren. Diesmal will er ohne diesen Extra-Kick noch weiter nach vorn rasen. In dem Fall würde es auch der gebürtige Tiroler verkraften, bei seinem «Heimrennen» ganz ohne wilde Fan-Sause gefeiert zu werden.

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