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Gamerdingers Fußball-Kolumne

07.05.2019 - Nun hat es also unsere Weltmeister erwischt – und schon ist das Geschrei groß: Jerome Boateng sprang der Ball in München an den Arm, Mario Götze passierte das in Bremen. Einmal gab’s Elfmeter, einmal nicht. Kann man als Schiedsrichter so auslegen, muss man aber nicht. Aber dann kommt unser Lieblingsthema Video Assistent Revue (VAR) ins Spiel – mit dem Ergebnis: Wenn’s nicht so traurig wäre, könnte man nur noch lachen...

  • Reden, schimpfen, fluchen – und im Mittelpunkt steht Schiedsrichter Christian Dingert. Aber immer häufiger versagt das Zusammenspiel mit dem VAR. © picture alliance / dpa / Frank Hoermann / Sven

    Reden, schimpfen, fluchen – und im Mittelpunkt steht Schiedsrichter Christian Dingert. Aber immer häufiger versagt das Zusammenspiel mit dem VAR. © picture alliance / dpa / Frank Hoermann / Sven Simon

Fehlentscheidung, oder vielleicht auch nicht?

Seit drei Nächten bekommt der Hamburger Zweitligaprofi Jan-Philipp Kalla kaum ein Auge zu, denn St.Paulis Routinier hat sich in Dresden eine schmerzhafte Rippenprellung zugezogen, die ein Liegen auf der linken Seite nicht zulässt. Dennoch kassierte er für die Aktion, als ihm aus drei Metern ein Ball ans Zwerchfell donnerte (und von dort kurz an den Arm), einen Elfmeter gegen sich. Dagegen ging Herthas „Volleyballer“ Karim Rekik ungestraft vom Platz und durfte sich über einen 3:1-Sieg gegen den VfB Stuttgart inklusiver satter Prämie freuen. Nun ist es so – und das schreibe ich an dieser Stelle ja seit zwei Jahren – dass es im Fußball immer schon Fehlentscheidungen gegeben hat, es aktuell Fehlentscheidungen gibt und es auch in Zukunft Fehlentscheidungen geben wird. Das muss auch so sein, denn Schiedsrichter sind genauso wenig unfehlbar wie Spieler oder Trainer. Es geht nur darum, was der VAR mit den Referees macht. 

Keine Hilfe, sondern Belastung

Haben Sie am Sonntagabend bei der Leverkusener 6:1-Gala gegen Frankfurt mal auf Robert Hartmann geachtet? Der ging durch das Mittelfeld, hielt sich bestimmt 20 Sekunden lang eine Hand ans Ohr, während das Spiel lief. Das kann mir doch niemand mehr erzählen, dass der gute Mann in dieser Zeit voll auf das Geschehen vor ihm fokussiert war, während er aus dem „Kölner Keller“ zugetextet wurde. Auch sonst werden die Bundesliga-Schiedsrichter von Woche zu Woche unsicherer und haben gar keine Chance mehr, ihr eigenes Charisma auf den Platz zu bringen. Mit dem VAR wird alles in Frage gestellt, zumal inzwischen jede zweite Körperberührung im Strafraum von der angreifenden Mannschaft mit wildem Gefuchtel und Geschrei kommentiert wird. Freiburgs Trainer Christian Streich brachte es mal wieder auf den Punkt: „Die Schiedsrichter werden langsam immer verrückter, weil sie nicht mehr wissen, was sie machen sollen.“ 

Slapstick in der Kreisliga

Was haben wir denn bloß in den vergangenen 80 Jahren gemacht? Da gab es doch auch schon mal das eine oder andere Handspiel, es gab Diskussionen und unverständliche Entscheidungen. Aber am Ende stand da jemand und hat Recht gesprochen, nämlich der Schiedsrichter. Das wird auch nicht immer richtig und schon gar nicht jeder Mannschaft recht gewesen sein, aber es war eben eine eindeutige Entscheidung. Heutzutage muss man darauf hoffen, dass im „Kölner Keller“ nicht gerade Pizza bestellt wird, wenn der Ball an irgendeine Hand springt... Verunsichert werden durch den VAR aber auch die tausenden Hobby-Schiedsrichter, die auf Asche- oder Kunstrasenplätzen am Wochenende auch das wilde Gefuchtel und Geschrei nach jeder Strafraumaktion über sich ergehen lassen müssen. Für mich macht es doch aber noch einen Unterschied, ob einem übergewichtigen Kreisliga-Libero (ja, den gibt’s da noch) der Ball an die Hand springt, weil er sich ohne Armeinsatz kaum auf den Beinen halten kann, oder ob es einen Profi-Sportler trifft, der eine ganz andere Körperbeherrschung hat. Die Linie, die nun vorgegeben wird, ist in den unteren Klassen gar nicht umsetzbar – das Gepöbel ist aber viel lauter. 

Ein Beruf vor dem Aussterben?

Sollte dann mal nicht über die Schiedsrichter gemeckert werden, trifft es meistens die Trainer. Aber brauchen wir diesen Beruf wirklich noch in dieser Form? Heute Abend wird der 1.FC Köln wohl endgültig den Aufstieg perfekt machen (wobei ich meine, dass das 17-Tore-Polster selbst bei drei Niederlagen nicht mehr verspielt werden kann...), und der neue Trainer André Pawlak, der auf Markus Anfang folgte, hat noch keine Minute auf der Bank gesessen. Und beim HSV, der womöglich mit einem einzigen Sieg die Rückkehr ins Oberhaus feiern könnte, überlegte man am Wochenende, ob man sich neben den derzeit vier Cheftrainern auf der Gehaltsliste (Markus Gisdol, Bernd Hollerbach, Christian Titz, Hannes Wolf) schnell noch einen fünften leisten sollte. In der Bundesliga gab es bislang sieben Trainerwechsel, sieben weitere stehen zum Saisonende bereits fest. Das Karussell dreht sich immer schneller.

Entwicklung sollte erkennbar sein

Tabellarisch gebracht hat eigentlich kein Wechsel irgendetwas – nur das Umfeld wurde zwischenzeitlich ruhig gestellt. Für mich zeichnet sich die Arbeit eines Trainers langfristig aus. Natürlich kann jeder mal Glück mit einer Einwechslung haben, wo dann der Joker zwei Minuten später das 2:1 erzielt. Aber wenn man eine Mannschaft langfristig besser machen kann, zahlt sich dass doch für Verein und Fans viel mehr aus. Hier sei mal wieder ein Blick nach Bremen gestattet (wo in den vergangenen Jahren auf dieser Position bestimmt auch nicht alles richtig gemacht wurde): Am Anfang der Saison kam Werder gegen Hannover und Nürnberg nur zu zwei berechtigten Unentschieden. Nun spielt das Team zumindest zeitweise auf Augenhöhe mit dem FC Bayern oder Borussia Dortmund. Unter Florian Kohfeldt ist eine Entwicklung erkennbar, zumal er mit den Eggestein-Brüdern und Josh Sargent junge Spieler heranführt. Das funktioniert aber nur über Jahre und mit kontinuierlicher Arbeit, doch dazu fehlt inzwischen nahezu jedem Trainer die Zeit – und den Klubs die Geduld.

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