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Gamerdingers Fußball-Kolumne

09.07.2019 - Am Ende standen die Favoritinnen wie erwartet auf dem Treppchen: Mit einem letztlich verdienten 2:0 gegen die sich bis zum Elfmeter tapfer wehrenden Niederländerinnen holten sich die Ladys aus den USA zum vierten Mal den WM-Titel. Aber auch für die deutschen Frauen – oder besser gesagt, eine der deutschen Frauen – ging es nicht ganz ohne „Ehr“ zurück nach Hause: Die hochtalentierte Giulia Gwinn wurde ebenso verdient als beste junge Spielerin des Turniers ausgezeichnet. Ehre, wem Ehre gebührt!

  • Torschützenkönigin, beste Spielerin, Weltmeisterin – Megan Rapinoie sahnte in Frankreich richtig ab. Die USA holten mit sieben Siegen und 26:3-Toren den Titel. © picture alliance / dpa / Jonathan Moscrop / Sportimage / PA...

    Torschützenkönigin, beste Spielerin, Weltmeisterin – Megan Rapinoie sahnte in Frankreich richtig ab. Die USA holten mit sieben Siegen und 26:3-Toren den Titel. © picture alliance / dpa / Jonathan Moscrop / Sportimage / PA Images / empics

Auch wenn ich bereits betont habe, mich mittlerweile sehr gut mit dem Frauenfußball arrangieren zu können, möchte ich dies noch einmal unterstreichen. Das liegt nämlich vor allem daran, dass sich der Sport in den vergangenen Jahren verdammt positiv entwickelt hat. Das Niveau der Weltmeisterschaft in Frankreich war entsprechend hoch. Wenn selbst vermeintlich schwächere Mannschaften ihre Defensivarbeit so stabilisiert haben, dass es kaum noch Kantersiege wie in früheren Zeiten zu verzeichnen gibt, dann spricht das für sich. Aber auch spieltaktisch und vom Tempo her haben die Frauen einen erheblichen Sprung nach vorn gemacht. Hinzu kommt, dass die Spiele einfach angenehmer zu schauen sind, wenn es keine siebenfachen Rollen à la Neymar, keine Rudelbildungen, kein selbstdarstellerisches Trikotausziehen oder testosterongesteuerte Brust-Rempler wie bei Messi (der wohl tatsächlich glaubt, er hätte nichts Verbotenes gemacht...) gibt. Lediglich die Umsetzung des Videobeweis' ließ im Gegensatz zu der Männer-WM 2018 zu wünschen übrig und hatte eher Bundesliganiveau.

Gleich(berechtigungs)schritt

Aber fraglos stand eine Spielerin wie die Freiheitsstatue vor New York über Allen und Allem dieser Weltmeisterschaft. Sie war nicht nur die beste Spielerin des Turniers, sondern ist auch aus sportpolitischer Sicht eine absolute Leitfigur: Megan Rapinoe. Dass Alter (34) vor Toren (sechs) nicht schützt, hat sie auf dem grünen Rasen eindrucksvoll nachgewiesen – dass ihr Kampf für die Gleichberechtigung des Frauenfußballs noch längst nicht zu Ende ist, dessen bin ich mir sicher. Sie ist das lebendige Aushängeschild des Frauenfußballs – und zwar weltweit. Eine tolle Frau mit Strahlkraft, mutigen Aussagen und Auftritten sowie eine tadellose auf Fairness bedachte Sportlerin. Toll, dass es Sie gibt, Frau Rapinoe!

Rückschritt

Ganz so euphorisch kann ich über die deutsche Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg leider nicht urteilen, denn für Deutschland war die WM eher ein Rückschritt. Der Ausfall von Starspielerin Dzsenifer Maroszan mag „MVT“ schwer getroffen haben, kann und darf aber nicht als alleinige Entschuldigung für das enttäuschende Abschneiden ihrer Mannschaft herhalten. Ständige personelle und taktische Änderungen, Instabilität im Abwehrzentrum und zu oft mangelndes Tempo und Präzsion im Spiel nach vorn waren offensichtlich und haben aufgezeigt, wie groß der Abstand zu den Spitzenteams geworden ist. Es gilt, den Verjüngungsprozess weiter voranzutreiben, um 2021 zur EM wieder um den Titel mitspielen zu können, denn das Viertelfinal-Aus bedeutete leider auch das Aus für Olympia 2020. Giulia Gwinn und die erst 17-jährige Lena Oberdorf lassen grüßen.

Fortschritt

Ähnliche „Entwicklungs- und Anschluss-Sorgen“ gab es beim Hauptstadtklub Hertha BSC bisher auch. Auf Grund von Verbindlichkeiten in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro (die hauptsächlich durch den Ausstieg des Investors KKR entstanden), davon knapp die Hälfte Bankverbindlichkeiten, trat die Hertha zuletzt nicht nur auf der Stelle, sondern verlor tendenziell mehr und mehr den Anschluss an die Tabellenränge, die für eine Teilnahme am europäischen Pokalgeschäft berechtigen. Damit natürlich auch die Möglichkeit, die Finanzen auf „natürlichem“ Wege nachzubessern. Die Platzierungen der vergangenen drei Jahre (6., 10., 11.) sind der tabellarische Entwicklungs-Spiegel, der nicht lügt. Nun soll alles besser werden, denn die Alte Dame ist erneut käuflich geworden: Investor Lars Windhorst (Tennor Holding B.V.) hat sich mit zunächst 125 Millionen Euro mit 37,5 %  in die Hertha BSC Kommanditgesellschaft eingekauft – erweiterbar auf 49,9 % (es lebe die 50+1-Regel). Das Ziel von Windhorst: das Potenzial des schlummernden Hauptstadt-Riesen zu heben und Kohle zu machen. Natürlich maßvoll und mit Bedacht... Für viele Anhänger der Berliner völlig ist dies zu Recht eine Katastrophe, denn damit steht der Traditionsverein auf der gleichen Stufe wie Leipzig, Leverkusen oder Wolfsburg. Bedenklich ist zudem, das KKR vor fünf Jahren für seine 61,2 Millionen Euro lediglich zehn Prozent Anteil erhielt. Die Windhorst-Millionen als Herzschrittmacher für einen quasi Pleite gegangenen Fußballverein – die Tradition lebt! 

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