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Gift-Fund in Kölner Hochhaus: Anschlag mit Biobombe geplant

20.06.2018 - Das hochgiftige Rizin in einem Kölner Hochhaus war laut BKA für eine Biobombe gedacht. Die Anschlagsplanungen des verdächtigten Tunesiers sollen weit fortgeschritten gewesen sein. Und: Der Mann hatte Kontakte zu radikalen Islamisten.

  • In Köln hatte die Polizei wegen des Verdachs auf Umgang mit giftigen Stoffen die Wohnung eines Mannes gestürmt. Foto: David Young © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    In Köln hatte die Polizei wegen des Verdachs auf Umgang mit giftigen Stoffen die Wohnung eines Mannes gestürmt. Foto: David Young © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Das in einem Kölner Hochhaus sichergestellte hochgiftige Rizin war laut Bundeskriminalamt für einen Anschlag neuer Dimension mit einem biologischen Sprengsatz geplant.

«Hier gab es schon ganz konkrete Vorbereitungen zu einer solchen Tat, mit einer, wenn Sie so wollen, Biobombe. Und das ist schon ein in Deutschland einmaliger Vorgang» sagte BKA-Präsident Holger Münch am Mittwoch dem RBB-Inforadio. Der verdächtigte 29-jährige Tunesier stand nach neuen Erkenntnissen der Ermittler zudem in Kontakt zu «Personen aus dem radikal-islamistischen Spektrum».

Wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte, wird derzeit untersucht, ob diese Kontaktpersonen Mitglieder einer terroristischen Vereinigung waren. Zum 29-jährigen Sief Allah H. selbst berichtete die Behörde: «Es liegen bislang keine ausreichenden Anhaltspunkte dafür vor, dass der Beschuldigte Mitglied einer terroristischen Vereinigung war.» Der Tunesier war nach dem Gift-Fund vor gut einer Woche verhaftet worden.

Er versuchte laut Bundesanwaltschaft 2017 zweimal vergeblich, über die Türkei nach Syrien - mutmaßlich zur Terrormiliz Islamischen Staat (IS) - auszureisen. Die Behörde verdächtigt den Mann, biologische Waffen - das Biogift Rizin - hergestellt und damit gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen zu haben. Außerdem sieht sie einen «Anfangsverdacht für die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.» Die Ermittlungen legten nahe, «dass der Beschuldigte erwogen hat, einen Sprengsatz herzustellen», erklärte die Bundesanwaltschaft.

Zugleich wurde deutlich, dass der Tunesier deutlich mehr Gift als bisher bekannt sowie auch mehrere Materialien - offenbar für den Bau einer Bombe - in seiner Wohnung lagerte. Seit der Durchsuchung in dem Kölner Hochhaus am 12. Juni seien 3150 Rizinussamen und 84,3 Milligramm Rizin sichergestellt worden. Zuvor war von mehr als 1000 Samen die Rede gewesen. «Sämtliche Rizinussamen» habe der Verdächtige über das Internet gekauft. Zudem wurden gefunden: 250 Metallkugeln, zwei Flaschen acetonhaltiger Nagellackentferner, Drähte mit aufgelöteten Glühbirnen sowie 950 Gramm eines grauen Pulvers - eine Mischung aus Aluminiumpulver und pyrotechnischen Substanzen aus Feuerwerkskörpern.

Dem Präsidenten des Bundesverfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen, zufolge hatte der Mann «sehr wahrscheinlich» einen Terroranschlag geplant. Sief Allah H. soll seine Vorbereitungen für einen Terroranschlag mit dem hochgiftigem Rizin bereits weitgehend abgeschlossen haben, als die Polizei zuschlug. «Die Verhinderung eines möglichen Anschlags ist ein Erfolg der Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden auf nationaler und internationaler Ebene», betonte Maaßen.

BKA-Chef Münch hatte zufolge soll der Verdächtige sich beim wohl geplanten Bombenbau an Anleitungen «von islamistischen Organisationen im Internet» orientiert haben. Der Beschuldigte habe bereits hochgiftiges Rizin aus den Rizinussamen gewonnen. Rizin kann schon in kleinsten Mengen tödlich wirken. Laut RBB hatte ein ausländischer Partnerdienst dem Verfassungsschutz gemeldet, dass der Tunesier im Internet Bestandteile zum Bau eines Sprengsatzes geordert hatte.

«Welches konkrete Tatziel in den Blick genommen wurde, das wissen wir noch nicht», sagte der BKA-Präsident. Auch die Frage, ob es Verbindungspersonen oder Mittäter gab, sei noch offen. Sorge bereiten dem BKA die hohe Zahl von radikalisierten Einzelpersonen, die es im Auge zu behalten gelte. Aktuell seien 770 Personen als Gefährder eingestuft. Die Bundesanwaltschaft erklärte, sie sehe «bislang keinerlei Anhaltspunkte für konkrete Anschlagsplanungen».

Der Verdächtige soll früher in Tunesien in Islamisten-Kreisen verkehrt haben. Nach Deutschland kam der Ehemann einer Deutschen über den Familiennachzug. Laut Verfassungsschutz hat die Terrormiliz IS mit Rizin experimentiert, das im Irak und an der irakisch-syrischen Grenze gefunden wurde.

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