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Frühere Rivalen loben Uli Hoeneß

13.11.2019 - Uli Hoeneß ist in der Bundesliga kaum einem Streit aus dem Weg gegangen. Mit manchen Protagonisten entwickelte sich eine regelrechte Feindschaft. Vier dieser Rivalen haben dem scheidenden Bayern-Boss nun geschrieben und ihre Wertschätzung bekundet.

  • Zwei Persönlichkeiten im deutschen Fußball: Dietmar Hopp (l) und Uli Hoeneß. Foto: Hasan Bratic/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Zwei Persönlichkeiten im deutschen Fußball: Dietmar Hopp (l) und Uli Hoeneß. Foto: Hasan Bratic/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Neben den sportlichen und wirtschaftlichen Erfolgen seines FC Bayern sorgte Uli Hoeneß auch für denkwürdige Fehden in der Fußball-Bundesliga.

Mit Christoph Daum duellierte sich der Münchner Patron unerbittlich, den Bremer Willi Lemke konnte er nicht leiden. Auch zwischen Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und den Bayern herrschte mal Eiszeit und selbst der eigene Trainer Louis van Gaal bekam reichlich Kritik. Kurz vor Hoeneß' Rückzug als Präsident haben ihm die vier früheren Rivalen aber ihre Wertschätzung ausgesprochen.

«Du bist nicht als Sieger oder als Attackierer auf die Welt gekommen, doch Dein Gerechtigkeitsgefühl, Deine Fürsorge und Dein Wille haben Dich zum Lokomotivführer des Fußballs auf und außerhalb des Spielfeldes geformt», schrieb Daum (66) in einem Brief an Hoeneß, den das Bayern-Magazin «51» veröffentlichte.

Mit dem Ex-Coach zankte sich der heute 67-jährige Hoeneß regelmäßig. Legendär sind der Polter-Auftritt im ZDF-Sportstudio und der durch eine Kontroverse provozierte Drogentest, bei dem Daum Kokain-Konsum nachgewiesen wurde und der ihn den Job als Bundestrainer kostete. Jahre später trafen sich beide zu einem Gespräch, «das mir gezeigt hat, dass Du ein äußerst nachdenklicher und verzeihender Mensch bist», schrieb Daum. «Du warst nie artig, aber stets einzigartig.»

Hans-Joachim Watzke von Borussia Dortmund sagte: «Wir beiden haben es uns gegenseitig oft nicht leicht gemacht.» Dies sei wegen der großen Rivalität der zwei deutschen Top-Vereine unvermeidlich, vermutete der BVB-Geschäftsführer (60). Weil die Bayern den Dortmundern die Stars Mario Götze und Robert Lewandowski wegkauften, fielen phasenweise sogar die traditionellen Mittagessen zwischen den Bossen der beiden Vereine vor den direkten Duellen aus. «Und doch bin ich überzeugt, dass aller unterschiedlichen Auffassungen zum Trotz der Respekt füreinander stets vorhanden war», meinte Watzke.

Selbst eigene Trainer ging Hoeneß öffentlich an. Den Double-Coach Louis van Gaal kritisierte der impulsive Bayern-Boss im Herbst 2010 in einer TV-Sendung als beratungsresistent, der Niederländer musste noch vor dem Ende der Saison gehen. Danach stichelten beide Alpha-Tiere noch jahrelang weiter. Dennoch schrieb der heute 68-Jährige an Hoeneß: «Für Ihre Lebensleistung schätze ich Sie sehr.»

Auch der Bremer Manager Willi Lemke und Hoeneß gerieten regelmäßig aneinander. «Ich wurde oft gefragt, ob das Show war, fürs Geschäft - oder ob wir uns tatsächlich nicht gemocht haben. Ich antwortete immer: Wir haben uns nicht gemocht», sagte Lemke, bedankte sich bei seinem früheren Widersacher aber für dessen karitatives Engagement. «Ich habe einen demütigen Uli kennengelernt», schrieb der 73-Jährige.

In einem offenen Brief bei «focus.de» verriet Lemke, dass er der Richterin geschrieben habe, bevor diese Hoeneß vorzeitig aus der Haft entließ. «Ich berichtete der Richterin von den Veränderungen. Du bist als Mensch gereift, was mich sehr beeindruckt hat.»

Der ehemalige Werder-Boss riet Hoeneß darüber hinaus für die Zukunft: «Im Sinne Deiner Nachfolger, die in riesige Fußstapfen treten und ihren eigenen Weg finden müssen: Wenn etwas falsch läuft, sag' es diplomatisch unter vier Augen. Nicht volles Rohr in der Öffentlichkeit. Sonst werden sie es sehr, sehr schwer haben.»

Hoffenheims Mäzen und Mehrheitseigner Dietmar Hopp glaubt, dass Hoeneß Abstand vom FC Bayern gewinnen kann. «Eine der positiven Eigenschaften, die ich neben seiner Leidenschaft und Menschlichkeit an Uli Hoeneß schätze, ist, dass er völlig uneitel ist. Und genau das ist eine Grundvoraussetzung dafür, das loslassen zu können, was man lange entscheidend mitgestaltet, ja in seinem Fall sogar aufgebaut hat», sagte der Milliardär der Deutschen Presse-Agentur.

Auch Oliver Bierhoff, der sich mit Hoeneß einige Scharmützel geliefert hatte, dankte dem scheidenden Bayern-Präsident für dessen großen Anteil an der Entwicklung des Fußballs über München hinaus. «Jeder weiß, was er für Bayern München und den deutschen Fußball gemacht hat. Dass er hin und wieder Reizpunkte gesetzt hat und ich mich bei der Nationalmannschaft gefragt habe, warum macht er das jetzt? Aber wir wissen, nur mit Reibung passiert etwas», sagte DFB-Direktor Bierhoff in Düsseldorf. Er habe die «offenen Worte» des langjährigen Weggefährten «immer geschätzt».

Nationalmannschaftskapitän Manuel Neuer erinnerte vor den letzten Länderspielen des Jahres an den Anteil, den Hoeneß an seiner Karriere gehabt habe. «Er war auch verantwortlich für die Verpflichtung 2011, als ich zu Bayern kam», erinnerte der Weltklasse-Torwart. Er würde beruflich und privat in enger Verbindung zu Hoeneß stehen. «Wir wohnen beide am Tegernsee, er ist immer ein Ansprechpartner gewesen», sagte Neuer. Er erwarte, «dass ein Uli Hoeneß nie ganz aufhören wird, denn er hat ein Bayern- und ein Fußballherz», sagte Neuer.

Bundestrainer Joachim Löw hatte Hoeneß als einen der wichtigsten Protagonisten in der nationalen Fußball-Historie eingeordnet. «Er hat natürlich den deutschen Fußball schon so geprägt wie kaum ein anderer.» Hoeneß kandidiert am Freitag auf der Mitgliederversammlung des FC Bayern nicht mehr als Präsident. Der 67-Jährige will auch den Vorsitz des Aufsichtsrates beim Rekordmeister abgeben.

Als langjähriger Weggefährte hat auch Paul Breitner Hoeneß trotz vieler Differenzen gewürdigt. «Das Einzige, das ich zum Abschied von Uli Hoeneß sagen möchte - unabhängig von allen persönlichen Unstimmigkeiten - ist: Er ist der einzige Fußballmacher, den ich auf die Stufe mit Santiago Bernabéu stelle», sagte Breitner der Münchner «tz». «Das, was Uli Hoeneß für den FC Bayern geleistet hat, ist großartig - eben das, was auch Santiago Bernabéu für Real Madrid vollbracht hat.» Santiago Bernabéu war von 1943 bis 1978 Präsident von Real. Nach ihm ist auch das Stadion der Königlichen benannt.

Breitner und Hoeneß verband früher einmal eine enge Freundschaft. Mittlerweile stehen Unstimmigkeiten zwischen den beiden, die möglicherweise nicht mehr auszuräumen sind. «Ich werde zu dem Thema nichts mehr sagen. Ich habe mit Paul Breitner gebrochen, als ich aus dem Gefängnis kam - und das war's für mich», hatte Hoeneß nach der Jahreshauptversammlung vor einem Jahr gesagt. Die Gründe oder den Auslöser für den Bruch mit dem langjährigen Fußballfreund und Teamkollegen schilderte er nicht.

Das Verhältnis der beiden Ex-Profis, die zusammen 1974 mit der deutschen Nationalmannschaft den WM-Titel gewannen und auch mit dem FC Bayern zahlreiche Erfolge feierten, ist seit langem abgekühlt.

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