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Virgil van Dijks anderer Karriereweg

05.06.2019 - Nicht erst seit dem Gewinn der Champions League gilt Virgil van Dijk als derzeit wohl bester Verteidiger der Welt. Nach einer außergewöhnlichen Saison spielt er mit den Niederlanden noch um den Gewinn der Nations League. Dort trifft er auf einen alten Bekannten.

  • Einer der besten Abwehrspieler der Welt: Virgil Van Dijk. Foto: Christian Charisius © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Einer der besten Abwehrspieler der Welt: Virgil Van Dijk. Foto: Christian Charisius © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Virgil van Dijk lächelte nur wenig. Wenige Tage nach dem Champions-League-Sieg mit dem FC Liverpool hätte der Kapitän der niederländischen Fußball-Nationalmannschaft auch mit einem Dauergrinsen auf dem Podium sitzen können.

Stattdessen machte er im Stadion der portugiesischen Kleinstadt Guimarães schon wieder einen fokussierten Eindruck. Spürbar gute Laune bekam der 27-Jährige erst, als er auf die Feierlichkeiten nach dem Erfolg in der Königsklasse angesprochen wurde. «Ich bin wieder nüchtern», scherzte der Weltklasse-Verteidiger.

Kurz danach wirkte er schon wieder konzentriert. Es blieb ihm bisher kaum Zeit, den größten Erfolg seiner Karriere Revue passieren zu lassen. An diesem Donnerstag (20.45 Uhr/DAZN) geht es für ihn und die Niederlande in Guimarães im Halbfinale der Nations League gegen England weiter. Das sei eine weitere Chance, «eine Trophäe zu gewinnen», sagte van Dijk. Ein Erfolg in dem neuen UEFA-Wettbewerb wäre für ihn die Krönung einer ohnehin schon außergewöhnlichen Saison.

Dass er mal eine derart erfolgreiche Karriere haben würde, hätten sie bei seinem Jugendverein Willim II Tilburg anfangs wohl kaum für möglich gehalten. Auch nicht, dass der 1,93 Meter lange Vorzeigeathlet mal für die Wahl des Weltfußballers in Frage kommen könnte. «Sie haben es einfach nicht in ihm gesehen», sagte sein früherer Trainer Robert Maaskant dem britischen «Telegraph». «Wenn er herumläuft, sieht er aus wie einer dieser Basketballer, wenn sie sich außerhalb des Feldes bewegen. So langsam, aber wenn das Spiel dann plötzlich startet - boom - dann können sie alles machen.»

Tatsächlich gibt es derzeit kaum etwas, was man van Dijk nicht zutrauen würde. Er wuchs in Breda an der Grenze zu Belgien auf und verdiente sich als Jugendlicher sein Taschengeld als Tellerwäscher. Ein besonderes Talent erkannten die örtlichen Clubs in ihm nicht, zudem hatte der Sohn einer surinamesischen Mutter und eines niederländischen Vaters in der Pubertät mit Wachstumsstörungen zu kämpfen.

Im Sommer 2008, kurz vor seinem 17. Geburtstag, sei er um 18 Zentimeter gewachsen, erzählte van Dijk der BBC. «Das war verrückt», sagte er. «Ich hatte Knie- und Rückenprobleme.» Dennoch startete er über Umwege eine Weltkarriere. Der FC Groningen holte ihn 2010 ablösefrei aus Tilburg, drei Jahre später wechselte er für rund drei Millionen Euro zu Celtic Glasgow. Und auch als ihn der heutige niederländische Nationaltrainer Ronald Koeman 2015 für knapp 16 Millionen Euro zum FC Southampton holte, deutete nicht viel auf großen Ruhm hin.

Heute fordert Koeman, van Dijk als Weltfußballer auszuzeichnen. «Normalerweise wird der Preis an Spieler vergeben, die entscheidende Tore erzielen oder vorbereiten. Aber wenn es jemals einen richtigen Zeitpunkt gab, ihn an einen Verteidiger zu geben, dann jetzt», sagt der 56-Jährige. Van Dijk wäre der erste Abwehrspieler seit Fabio Cannavaro 2006, dem diese Ehre zuteil werden könnte. Der teuerste Verteidiger ist er seit seinem Wechsel zum LFC für rund 80 Millionen Euro im Januar 2018 bereits.

Von den Spielern der hochkarätig besetzten englischen Premier League wurde er diese Saison schon zum Besten gewählt. Die Profis von der Insel werden bei ihrer Wahl möglicherweise auch eine Statistik im Kopf gehabt haben, die kaum zu glauben ist: Laut dem Datenerfasser Opta sei es wettbewerbsübergreifend in den vergangenen 64 Spielen keinem gelungen, per Dribbling an van Dijk vorbeizukommen. Angesprochen darauf, zuckte van Dijk am Mittwoch nicht mal mit der Wimper. «Aber mitbekommen habe ich es natürlich schon. Es redet ja jeder darüber.»

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