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Schokofarbene Labrador Retriever leben kürzer

22.10.2018 - Der Labrador zählt zu den beliebtesten Hunderassen. Er gilt als liebenswürdig jedoch zugleich als wenig wachsam. Zur Lebensspanne der Tiere haben Forscher nun eine bittere Entdeckung gemacht.

  • Labrador Retriever gibt es in verschiedenen Farben. Einer Studie zufolge leben schokofarbene Tiere fast eineinhalb Jahre kürzer als ihre andersfarbigen Artgenossen. Foto: Kohler/Wüstneck/Von Erichsen © dpa - Deutsche...

    Labrador Retriever gibt es in verschiedenen Farben. Einer Studie zufolge leben schokofarbene Tiere fast eineinhalb Jahre kürzer als ihre andersfarbigen Artgenossen. Foto: Kohler/Wüstneck/Von Erichsen © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Labradore gelten als gutmütige und freundliche
Hunde. Eine Studie über die Lebensspanne von Labradoren kommt nun zu
einem traurigen Ergebnis - zumindest für einige der Hunde und ihre
Besitzer.

Demnach leben schokofarbene Labrador Retriever mit einem
Durchschnittsalter von 10,7 Jahren fast eineinhalb Jahre kürzer als
ihre andersfarbige, zum Beispiel solche mit schwarzem oder weißem
Fell. Diese werden im Schnitt 12,1 Jahre alt.

Die internationales Team um Paul McGreevy von der Universität Sydney
nimmt an, dass dies eine Folge der Krankheitsanfälligkeit der
schokofarbenen Tiere sein könnte. So hätten diese unter anderem ein
höheres Risiko, Ohrenentzündungen oder Hautkrankheiten zu bekommen,
schreiben die Forscher im Journal «Canine Genetics and Epidemiology».

Verstärkt werden könnte die Krankheitsanfälligkeit bei der Züchtung.
Um einen schokofarbenen Labrador zu bekommen, müssen beide Eltern das
Gen für die Farbe in sich tragen. «Wenn die Schokofarbe beim Wurf
erwünscht ist, könnten Züchter motiviert sein, nur Hunde bestimmter
Zuchtlinien sich miteinander paaren zu lassen», heißt es in der
Studie. «Ungewollt», wie die Forscher schreiben, könnte dies die
Anfälligkeit für Krankheiten beim Nachwuchs noch vergrößern.

Der Direktor des Instituts für Tierzucht und Vererbungsforschung in
Hannover, Ottmar Distl, rät davon ab, Tiere nur innerhalb einer
Farbvariante zu züchten. Um die Vielfalt zu gewährleisten und
Negativ-Effekte nicht zu vermehren, sollte «bunt und quer über die
Farben» gemischt werden.

Für die Studie verglichen die Forscher demografische Daten von über
33.000 Labradoren im Vereinigten Königreich von Großbritannien und
Nordirland. Von fast 2100 zufällig ausgewählten Hunden untersuchten
sie Daten zu Krankheiten und Sterblichkeit. Der Zusammenhang von
Farbe und Lebensspanne wurde nach Kenntnisstand der Forscher so für
noch keine andere Hunderasse festgestellt.

«Niemand in der Welt hat eine so tiefgehende Datengrundlage wie das
Vereinigte Königreich», sagte Distl. Nach seiner Einschätzung könnte
man erwarten, dass es sich mit Labradoren in Deutschland ähnlich
verhält. Aber es könne nicht nachgeprüft werden, weil es in
Deutschland nicht die nötigen Daten dazu gebe.

Labradore sind in Deutschland sehr beliebt. In der Liste des
Verbandes für das deutsche Hundewesen lag der Labrador mit 2614
Welpen im Jahr 2017 auf Platz Vier der beliebtesten Hunderassen in
Deutschland. Mehr registrierte Welpen gab es nur beim Deutschen
Schäferhund (9766), beim Dackel (5795) und beim Deutschen Drahthaar
(3124).

Nach Angaben des Hundewesen-Verbands wird angenommen, dass der
St.-John's-Hund Urahn des Labradors ist. Um 1899 soll in einem
schwarzen Wurf erstmals ein gelber Welpe geworfen worden sein. In
späteren Jahren fand sowohl der gelbe als auch der schokobraune
Labrador seine Liebhaber. In Deutschland wurde 1966 der erste
Labradorwurf beim Hundewesen-Verband eingetragen. Distl zufolge sind
die Labradore dann vor allem in den vergangene Jahrzehnten nach
Deutschland «reingeschwappt».