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Sprachverein blickt besorgt auf Jugend

27.06.2019 - Ob im gehobenen Hotel oder auf der Baustelle: Die deutsche Sprache muss überall gepflegt werden. So wünschen es sich die Mitglieder des deutschen Sprachvereins - und fordern besonders viel von jungen Leuten.

  • Smartphone oder Stift und block? Foto: Jens Kalaene © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Smartphone oder Stift und block? Foto: Jens Kalaene © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Freunde» statt «friends» - Der Verein Deutsche Sprache (VDS) nimmt es sehr genau - besonders mit Wörtern junger Menschen. «Sprache begleitet uns das ganze Leben», sagte Jörg Bönisch vom Verein.

Viele Heranwachsende könnten sich jedoch nicht mehr angemessen ausdrücken. Sie benutzten verstärkt englische Wörter oder träfen teilweise nicht den richtigen Ton beim Arbeitgeber. «Es liegt etwas im Argen», sagte der Sprachexperte.

Von Donnerstag an will sich nach seinen Angaben der Verein über die aktuellen Entwicklungen bei den Sprachtagen in Halle austauschen. Auch aus Aserbaidschan, Ghana und Tunesien würden Teilnehmer zu dem viertägigen Treffen kommen, sagte Bönisch. Das diesjährige Motto lautet «Sprache und Bildung im Wandel der Zeit». Gastgeber sei die Regionalgruppe aus Sachsen-Anhalt.

Der Verfall der Sprache beginne bereits in frühen Jahren, erklärte Bönisch. In den Grundschulen würden weniger Diktate geschrieben. Die sogenannte Schulausgangsschrift - sprich die schöne Schreibschrift - sei einige Jahre nicht mehr unterrichtet worden. Zudem seien in vielen Bundesländern mehr und mehr Deutschstunden gestrichen worden. Hinzu komme, dass Heranwachsende verstärkt mit Smartphone oder Laptop hantierten und beim Schreiben viele Wörter abkürzten oder Gedanken mit Hilfe von Symbolen ausdrückten.

Wichtig sei, die junge Generation für eine bewusste Sprache zu sensibilisieren, erklärte Bönisch. Denn sowohl auf der Baustelle als auch im gehobenen Hotel sei ein guter Ton wichtig. Schulen und Ausbildungsstätten könnten dafür die Weichen stellen. Es brauche mehr Deutschunterricht, mehr Förderung in der Freizeit, forderte Bönisch. Auch Initiativen wie das Projekt «Leichte Sprache» würden helfen. Broschüren oder Formulare werden dabei in verständlicher Sprache ohne Fremdwörter, Bandwurmsätze und Fachbegriffe verfasst. Das erleichtere den Zugang zu Texten, erklärte der Experte.

Dennoch seien viele junge Menschen etwa zum Start ihrer Ausbildung nicht auf einem angemessenen Sprachniveau - zum Verdruss der Arbeitgeber. In größeren Unternehmen gebe es sogar Nachschulungen, um die jungen Arbeitnehmer auf den Job vorzubereiten.

Neben den Sprachtagen versuche der Verein zudem mit dem «Sprachpanscher des Jahres» auf die Probleme hinzuweisen. In diesem Jahr könnten Nutzer online unter anderem Heidi Klum, die gern englische Begriffe wie «friends» oder «Umstyling» benutze, oder den Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) mit seiner Fahrradhelm-Kampagne «Looks like shit. But saves my life» als Negativ-Beispiel wählen.

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