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Gamerdingers Fußball-Kolumne

23.07.2018 - Nein, nein, nein! Ich spiele dieses Spiel in Sachen Nationalmannschaft nicht mehr mit. Die (sportlichen) Trottel sind seit drei Wochen WM-Geschichte, die anderen Trottel füllen noch immer das Sommerloch. Wer jetzt was wann wo gesagt hat und welcher ehemalige Nationalspieler in den vergangenen Jahren mal mehr oder weniger leicht bekleidet Frau Merkel, Herrn Putin oder Herrn Erdogan die Hände gedrückt hat, will ich nun nicht mehr diskutieren. Ich habe mich 1978 auch schon für die WM in Argentinien interessiert, und schon damals wurde behauptet, dass Politik und Sport nichts miteinander zu tun hätten... Stimmt zwar nicht, aber: Mesut Özil hat 92 Länderspiele gemacht - nur 20 der bislang 937 Nationalspieler haben mehr absolviert. Also: Danke, Mesut (nicht für alles, aber an einen tollen Fußballer)!

  • Jung, dynamisch, HSV – Jann-Fiete Arp verkörpert mit seinen 18 Jahren den frischen Wind an der Elbe. Das Angebot des FC Bayern ließ der Stürmer – zunächst – links liegen, in der Hoffnung auf sein erstes Zweitligator –...

    Jung, dynamisch, HSV – Jann-Fiete Arp verkörpert mit seinen 18 Jahren den frischen Wind an der Elbe. Das Angebot des FC Bayern ließ der Stürmer – zunächst – links liegen, in der Hoffnung auf sein erstes Zweitligator – Foto: Fotostand/Caliskan © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Noch ein Hoffnungsträger: Trainer Christian Titz muss den HSV zurück in die Bundesliga führen. Dabei fing er in Hamburg einst als U16-Trainer an – mit Jann-Fiete Arp im Team... – Foto: Günter Artinger © dpa –...

    Noch ein Hoffnungsträger: Trainer Christian Titz muss den HSV zurück in die Bundesliga führen. Dabei fing er in Hamburg einst als U16-Trainer an – mit Jann-Fiete Arp im Team... – Foto: Günter Artinger © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Auf Wiedersehen, Mesut Özil: Sein 92. Länderspiel gegen Südkorea war sein letztes, wenn auch nicht sein bestes. Doch darum geht es bei seinem Rücktritt leider vordergründig nicht - Foto: firo Sportphoto/Mexsport...

    Auf Wiedersehen, Mesut Özil: Sein 92. Länderspiel gegen Südkorea war sein letztes, wenn auch nicht sein bestes. Doch darum geht es bei seinem Rücktritt leider vordergründig nicht - Foto: firo Sportphoto/Mexsport © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Abflug? Der Druck auf Noch-DFB-Präsident Reinhard Grindel wächst. In der vergangenen Woche nahm ihn auch FC-Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge „volley“ und bezeichnete die DFB-Frühung als „Amateure“ - Foto: Ina Fassbender...

    Abflug? Der Druck auf Noch-DFB-Präsident Reinhard Grindel wächst. In der vergangenen Woche nahm ihn auch FC-Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge „volley“ und bezeichnete die DFB-Frühung als „Amateure“ - Foto: Ina Fassbender © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nun ist aber auch mal Schluss mit dieser Diskussion, denn ich freue mich seit Wochen auf den Start des Vereinsfußballs. Mein Hund hat sich in den vergangenen Tagen schon gewundert, dass ich mit ihm ständig wieder dieselbe Runde durch den Hamburger Volkspark gewandert bin. Aber je näher wir an den Trainingsplatz kamen, desto kribbeliger wurde auch mein Vierbeiner. Denn ganz Hamburg spürt momentan eine unheimliche Euphorie um den neuen Zweitligisten - besonders, seitdem am Freitag die nicht für möglich gehaltene Vertragsverlängerung des 18-jährigen Hoffnungsträgers Jann-Fiete Arp bekannt wurde...

In Zeiten, in denen der Werteverfall in der Gesellschaft ständig zunimmt, in denen immer mehr Menschen nur noch ihr eigenes Ego pflege, auf eigene Vorteile bedacht sind und der Profifußball sich immer weiter von der Basis entfernt, weil der schnöde Mammon den Markt und die Vereinszugehörigkeit deutlich stärker regiert als die geschätzten aber immer mehr in den Hintergrund tretenden Werte wie Vereinstreue und Ehrgefühl, gab es ein wohltuend starkes Signal am vergangenen Freitag, als sich ein äußerst talentierter junger Profifußballer des HSV auf genau die Werte besann und bezog, die fast schon vergessen schienen und seinen Verbleib bis 2020 beim HSV – in der 2.Liga! – bekannt gab!

Die Rede ist vom 18-jährigen Jann-Fiete Arp, der mit seinem HSV gerade das wohl schwärzeste Kapitel der Vereinsgeschichte durchlebt hat. Während er im vergangenen Herbst nach der U17-WM als großer Hoffnungsträger auf den (ja nicht realisierten) Bundesliga-Klassenerhalt herhalten musste und parallel dazu sein Abitur „baute“, verdichteten sich die Informationen, dass - neben diversen anderen Interessenten - der FC Bayern seine Krakenarme nach dem Hamburger Jung' ausgestreckt hatte und sein Wechsel von der Elbe an die Isar nur noch Formsache schien. Dabei hatten so viele der seit Jahren leidenden HSV-Fans gehofft, mit dem Eigengewächs eine echte Identifikationsfigur für den Neuanfang (und Wiederaufstieg) als Trumpf im Ärmel zu haben.

Liebe kennt keine Liga

Seit Freitag ist nun klar, dass für das Sturmtalent der Rothosen der Slogan „Liebe kennt keine Liga“ eine Aussage ist, die bestand hat. Entgegen aller Gesetze der Branche hat sich das Offensiv-Juwel gegen einen Wechsel zum FC Bayern und damit im Vergleich zu seinem natürlich erhöhten HSV-Salär auch gegen deutlich mehr Penunsen entschieden. Und: Es gibt - angeblich - nicht einmal eine vorzeitige Ausstiegsklausel in seinem neuen Vertrag. Weil er das nicht wollte. Weil er das Gefühl hatte, noch nicht fertig zu sein in Hamburg! Weil er noch etwas zurückgeben möchte! Weil er trotz seiner erst 18 Lenze die Bodenhaftung nicht verloren hat. Weil er weiß, wo er herkommt und wem er zu Dank verpflichtet ist. Respekt!

Ehrenwerte Beweggründe

Was für ein tolles Beispiel dafür, dass es in Zeiten, in denen Berater die Gehälter der Profis in Schwindel erregende Höhen treiben, auch noch ehrenwerte Beweggründe gibt, für einen Profiklub zu spielen. Die Entscheidung, beim HSV zu bleiben, ist für Jann-Fiete Arp eine moralische gewesen. Er hat den Karren in den Dreck gefahren - was ihm aber am wenigsten zuzuschreiben ist - nun möchte er ihn aber auch wieder herausziehen.

Wahre Worte statt Worthülsen

Der einstige Balljunge hat aus seinem Herzen eben niemals eine Mördergrube gemacht und die Worte, die er erklärend auf den Weg gab, sind ganz sicher keine leeren Worthülsen, sondern klare Überlegungen und Gedanken eines kühlen norddeutschen jungen Mannes. „Mit dem Abstieg diesen Verein zu verlassen, war für mich nie eine Option. Gerade in einer so harten Zeit kann und will man sich nicht trennen, sondern dem Klub das zurückgeben, was er verdient hat. Deshalb war für mich schon früh klar, dass der Weg beim HSV für mich noch nicht beendet ist. Ich werde alles dafür tun, wieder mit aufzusteigen“, versicherte Arp glaubhaft.


Der Stoff für Aufstiegsträume

Der Kapitän der Junioren-Nationalmannschaft - der übrigens schon in der U16 des HSV mit dem momentanen Profi-Coach Christian Titz zusammen gearbeitet hat, hat das Herz gezeigt, das dem Hamburger SV in den vergangenen Jahren so oft zu fehlen schien beziehungsweise quasi abhandengekommen war. Genau das richtige Signal an die Anhängerschaft, die nun mit Trainer Christian Titz und Jan-Fiete Arp Identifikationsfiguren hat, an denen der neue HSV festgemacht werden kann und soll. Das ist der Stoff aus dem Aufstiegsträume wahr werden können!

Allerdings: Auch mein Hund weiß, dass in den vergangenen Jahren in der Hansestadt schon viele wesentliich kühnere Träume geplatzt sind...

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