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50 Jahre Amigos: Von der Dorf-Band zu Schlager-Stars

06.02.2020 - Die Amigos eilen von einem Erfolg zum nächsten. In den Charts ist das Schlager-Duo Stammgast. In diesem Jahr feiern die Brüder ein besonderes Band- und Bühnenjubiläum. Ihre Fans dürfen sich auf eine Tour und ein neues Album freuen.

  • Ruhestand ist für die Amigos keine Option. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ruhestand ist für die Amigos keine Option. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In ihrer Anfangszeit zogen die frisch gegründeten Amigos noch von Auftritt zu Auftritt durch die hessische Provinz. «Wir sind freitags von der Arbeit gekommen, haben den Anhänger mit Instrumenten und Technik vollgeladen, und dann ging's am Wochenende über die Dörfer zum Musikmachen», erinnert sich Sänger Bernd Ulrich an die ersten Gehversuche der Gruppe.

Das war Anfang der 1970er Jahre. «Im Umkreis von 50 Kilometern waren wir weltbekannt», sagt Ulrich (69) wie ein Entertainer. Mittlerweile hat er es zusammen mit seinem Bruder Karl-Heinz (71) zu Auftritten in einem ungleich größeren Gebiet gebracht. In Deutschland und darüber hinaus haben sich die Brüder aus dem mittelhessischen Hungen einen Namen gemacht. Die Amigos sind zu einem der erfolgreichsten Schlager-Duos aufgestiegen.

In diesem Jahr feiern die Amigos ihr 50-jähriges Band- und Bühnenjubiläum, wie ihr Management mitteilte. Seit wenigen Tagen läuft die Jubiläumstour. Und ihre Fans können sich auf ein neues Album freuen. An diesem Freitag erscheint: 50 Jahre Amigos - Unsere Schlager von damals. «Alle Titel wurden neu aufgenommen. Damals war die Technik ja viel bescheidener. Jetzt klingt das alles besser», erklärt Bernd Ulrich.

Damals - in der Gründungszeit - waren die Amigos noch zu viert. Neben den beiden Brüdern wirkten der mittlerweile verstorbene Günther Zimmer (Keyboard) und Rudi Lang (Blasinstrumente) mit, der aus gesundheitlichen Gründen ausgestiegen ist. Die Freundschaft ist bis heute geblieben. Karl-Heinz spielte Gitarre und Bernd Schlagzeug. Sie waren Freunde und nannten sich dem Spanischen folgend: Amigos. «Unser erster Auftritt war, glaube ich, im Januar 1970 in Atzenhain. Damals waren wir noch als Coverband unterwegs», sagt Bernd Ulrich zum Debüt.

Die Band-Zusammensetzung neben den Ulrich-Brüdern wechselte auch mal. So kursieren in Fan-Kreisen alte Autogrammkarten mit einer Dreier-Besetzung. Eine Zeit lang war auch Keyboarder Witold Piwonski dabei. Er erlitt im Jahr 2000 einen Schlaganfall, fiel ins Wachkoma und starb acht Jahre später. Danach dachten die Amigos ans Aufhören. «Doch unsere Fans haben uns überredet weiterzumachen.»

Einer der größten Fans der Amigos ist womöglich Herbert Nebeling. Der heute 79-Jährige aus dem mittelhessischen Burkhardsfelden kennt sie seit 1971. «Wir haben uns auf Anhieb wunderbar verstanden und haben bis heute intensiven Kontakt», erklärt Nebeling. Der Rentner hat zahlreiche Andenken an die Amigos gesammelt. Darunter sind auch Autogrammkarten und Fotos, auf denen die Jung-Amigos zu sehen sind.

Für seine Fan-Treue wurde Nebeling von den Amigos immer wieder beschenkt und ausgezeichnet. Er erhielt Pokale und bekam auch ein gelbes Original-Amigos-Jackett, das damals als erstes Bühnen-Outfit der Band bei Auftritten zum Einsatz kam. Was ihm an den Amigos gefällt? «Es ist die Bodenständigkeit und Ehrlichkeit, mit der sie ihre Fans behandeln. Das ist überhaupt keine Arroganz und nichts Gekünsteltes. Und ihre Lieder sind vielfältig. In ihnen steckt immer ein Sinn.»

Bernd Ulrich betont: Wer die Amigos in eine Schublade stecke und glaube, sie sängen nur seichte Herz-Schmerz-Songs, der tue ihnen Unrecht. «Wir machen Lieder, die das Leben unserer Fans betreffen.» Sie packen auch sozialkritische Themen an und zuweilen heiße Eisen. «Wir haben auch Titel im Repertoire, in denen es um Obdachlosigkeit, Klimawandel, Umweltverschmutzung und Kindesmissbrauch geht. Wir wollen nicht schweigen zu wichtigen Themen. Wir wollen anklagen. Wenn wir mit unserer Musik etwas bewegen können, sind wir zufrieden. Leider werden im deutschen Radio viel zu wenige Schlager mit deutschen Texten gespielt. Immer mehr Radiosender haben ihn aus dem Programm genommen. Da stimmt das Verhältnis nicht.»

Bei allem Anspruch an die eigene Musik gibt Bernd Ulrich aber auch zu: «Discofox muss sein. Es soll ja auch tanzbar sein.» Wie man auch immer zur Musik der beiden unverwechselbaren Brüdern mit ihren auffälligen Anzügen stehen mag, sie ist vor allem eins: erfolgreich. Die Amigos haben für ihre Tonträger-Verkäufe bereits mehr als 100 Gold- und Platin-Auszeichnungen bekommen.

Das im Juli 2019 veröffentlichte Album «Babylon» schaffte es mal wieder an die Spitze der offiziellen deutschen Charts. Es war bereits das zehnte Nummer-eins-Album der Amigos, wie GfK in Baden-Baden mitteilte. Nicht selten gelingt es auch in Nachbarländern wie Österreich und in der Schweiz, die Charts-Spitze zu erklimmen.

Bis die Amigos richtig durchstarteten, verging aber eine Weile. Der Durchbruch gelang im Jahr 2006, als die Fußball-Nationalmannschaft ihr Sommermärchen feierte. Im November folgte dann das Wintermärchen der Amigos. Ein gelungener Fernsehauftritt in «Achims Hitparade» (MDR) ebnete ihnen den Weg in noch wichtigere TV-Musikshows. Nach dem Auftritt in der Eurovisionssendung «Musikantenstadl» und einem Interview mit Moderator Andy Borg erreichten sie erstmals die Top Ten. «Mehr als zwei Millionen Tonträger gingen damals allein in den ersten 36 Monaten über den Ladentisch», erinnern sich die Amigos. 2011 gewannen sie den Musikpreis Echo. Die Musik hat sie mittlerweile zu Platten-Millionären gemacht. Bernd war früher Bierbrauer und Mälzer. Karl-Heinz lernte Maurer und arbeitete als Lkw-Fahrer.

Und nun: Wie soll es weitergehen? Welche Ziele haben die Amigos noch? Offenbar keine. Sie sind demütig und dankbar. «Jeder Wunsch, den wir noch hätten, wäre unverschämt.» Sie wollen so lange Musik machen, wie es die Gesundheit zulässt und sie Spaß daran haben. Ruhestand, nein, noch nicht. «Für Musik gibt es kein Rentenalter», lautet ihre Devise. Bernd Ulrich versichert: «In uns brennt noch immer das Feuer.»

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