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«Sorry We Missed You»: Bitteres Sozialdrama von Ken Loach

27.01.2020 - Ein Leben in der Misere: Der britische Filmemacher Ken Loach erzählt die bittere Geschichte der Familie Turner, die tagtäglich ums Überleben kämpft - und daran zu zerbrechen droht.

  • Sein neuer Job als Paketzusteller bringt Ricky (Kris Hitchen) an die Grenze der Belastbarkeit. Foto: Joss Barratt/NFP/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Sein neuer Job als Paketzusteller bringt Ricky (Kris Hitchen) an die Grenze der Belastbarkeit. Foto: Joss Barratt/NFP/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ricky und Abby Turner hatten einmal eine Zukunft. Der Traum vom Eigenheim schien greifbar nahe, dann aber crashte während der Finanzkrise ihre Bank, das Geld war weg.

Ricky verlor seine Arbeit und alle Hoffnungen und Wünsche lösten sich ins Nichts auf. Seitdem lebt das Paar mit den beiden Kindern in einem feuchten, schmutzigen, heruntergekommenen Zuhause in Newcastle - und jeder Tag ist ein harter Überlebenskampf. Abby bringt als Altenpflegerin etwas Geld nach Hause, Ricky hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Ein sozialer Abstieg in rasender Geschwindigkeit. Dann aber scheint es einen Hoffnungsschimmer zu geben...

«Sorry We Missed You» heißt der neue Film von Ken Loach («Ich, Daniel Blake»), mit dem er vehement soziale Gerechtigkeit und ein menschenwürdiges Leben einfordert. 83 Jahre ist der Regisseur inzwischen alt - und noch immer ist er wütend. Und immer wieder stellt er die prekäre Wirklichkeit der Arbeiterklasse in einer globalisierten Welt ins Zentrum seiner Filme. In Interviews verweist er auf eine Statistik, nach der vier Millionen der Kinder in Großbritannien in Armut leben, obwohl drei Viertel der Eltern einen Job haben. Sie arbeiten, aber zum Überleben reicht es kaum.

Auch Ricky (Kris Hitchen) schrammt mit seiner Familie immer am Abgrund entlang, dann aber eröffnet sich eine Chance: Er bekommt einen Job als Paketzusteller. Das klingt erst einmal ganz gut: «Du arbeitest mit uns, nicht für uns», sagt ihm salbungsvoll seiner neuer Boss Maloney, der aber ihn Wahrheit die Mentalität eines Pitbulls besitzt. Ricky wird das bald zu spüren bekommen.

Der Stress, die Belastung, der permanente Zeitdruck - bei Ricky liegen schon bald die Nerven blank. Da wird mit Kunden über Fußball gestritten, da führt ein fehlender Ausweis zu Handgreiflichkeiten. Noch schlimmer: Da Ricky als freier Unternehmer arbeitet, bekommt er bei Fehlstunden oder im Krankheitsfall kein Geld. Und permanent drohen empfindliche Strafen. Das Schlimmste aber soll noch kommen.

Vor allem die Kinder leiden unter der angespannten Situation. Seb schwänzt permanent die Schule und hängt lieber mit seinen Sprayer-Freunden herum, und die kleine Liza Jane sieht ihre Eltern kaum noch. Die beiden sind nur von einem einzigen Wunsch beseelt - dass alles wieder so sein soll wie früher. Und Abby? Auch die einfühlsame und verständnisvolle Pflegerin (Debbie Honeywood), die sich in ihrem Job so viel Zeit für die Menschen nimmt, kann irgendwann nicht mehr: «Du machst mich krank», schreit sie in ihrer Verzweiflung ihren Mann an.

Ken Loach geht es nicht nur um die verheerenden Arbeitsbedingungen der Arbeiterklasse: «Ich hoffe, die Leute interessiert es, was mit der Familie in «Sorry We Missed You» passiert und ich hoffe, dass sie darüber nachdenken, welche Bedeutung es für sie und ihre eigene Familie hat», sagte er dem «New Musical Express».

Der Regisseur ist ein großer Geschichtenerzähler. Sein Sozialdrama ist packend, berührend, einfühlsam und mit viel Herzblut erzählt. Bei aller Niedergeschlagenheit, neben all der Wut und Frustration gibt es doch immer wieder auch kleine Momente des Glücks. Auch wenn diese äußerst flüchtig sind. «Sorry We Missed You» - das ist aufwühlendes Kino, das inzwischen immer seltener wird.

- Sorry We Missed You, Großbritannien, Frankreich, Belgien 2019, 100 Min., FSK ab 12, von Ken Loach, mit Kris Hitchen, Debbie Honeywood, Rhys Stone, Katie Proctor, Ross Brewster.

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