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"Joker" Joaquin Phoenix: "Es war härter, als ich es mir vorgestellt hatte"

08.10.2019 - Seine Darstellung des späteren Batman-Erzfeindes "Joker" gehört zu den schauspielerischen Highlights des Jahres. Wir sprachen mit Joaquin Phoenix über Schwierigkeiten bei der Rollenfindung und erfuhren, welch ungewöhnlichen Vorbilder ihm als Inspiration für den ikonischsten aller Superschurken dienten.

Seit  "Joker" bei den Filmfestspielen von Venedig als bester Film ausgezeichnet wurde, wird Hauptdarsteller Joaquin Phoenix als heißester Oscar-Anwärter gehandelt. Denn mit seiner meisterlichen Tour de Force-Performance reiht sich der Ausnahmeschauspieler ("A Beautiful Day") ein in eine lange Reihe von namhaften Joker-Darstellern, die jedoch bei seiner Vorbereitung auf die ikonischste aller Superschurkenrollen keine Rolle spielten... 

 

"Joker" Joaquin Phoenix im Interview

 

GOLDENE KAMERA: Was war Ihre Reaktion, als Todd Phillips Ihnen diese Rolle anbot?

JOAQUIN PHOENIX: Meine erste Reaktion war: Auf keinen Fall! Aber ich war neugierig, was Todd sich dabei gedacht hat, denn ich schätze ihn als Filmemacher. Also habe ich mich mit ihm getroffen und er überraschte mich gleich mit Videos von lachenden Menschen, deren Lachanfälle aber richtig schmerzhaft aussahen. Ich wusste schon immer, dass es bei Figuren wie dem Joker noch sehr viel zu ergründen gibt, das wir bisher in anderen Comicverfilmungen noch nicht gesehen haben. Von dieser schmerzvollen Seite hatte ich den Joker noch nie gesehen. Das hat mein Interesse geweckt.

 

Wie haben Sie Ihr Lachen für den Joker gefunden? War es ebenfalls schmerzhaft für Sie?

Ich war mir nicht sicher, ob ich das Lachen für diese Rolle hinkriegen würde. Also habe ich Todd nach unserer zweiten Begegnung gebeten, zu mir nach Hause zu kommen, um das Lachen zu proben. Ich wollte von Beginn an das richtige Lachen für den Joker finden, damit sich mein Gehirn und meine Muskeln nicht erst an etwas Falsches gewöhnen. Todd saß also auf meiner Couch und ich stand minutenlang vor ihm, ohne etwas aus mir herauszubekommen. Ich glaube, das waren die unangenehmsten Minuten in Todds Leben! (lacht)

 

Er versicherte mir ständig: "Du brauchst das nicht zu tun. Du wirst das Lachen schon finden. Ich halt das nicht mehr aus!" Aber es war mir extrem wichtig, wenigstens den ersten Ansatz für das Joker-Lachen zu finden. Es war härter, als ich es mir vorgestellt hatte, aber obwohl ich an diesem Tag das richtige Lachen noch nicht ganz gefunden hatte, war es das erste Mal, dass ich mich mit dieser Figur wirklich verbunden fühlte.

Wie sah Ihre Vorbereitung sonst aus? Haben Sie sich andere Filme mit dem Joker angeschaut? In den Comics gestöbert? Einen Ausflug in die Psychiatrie gemacht?

Ich wollte mich nicht von den Comics oder andere Joker-Darstellungen beeinflussen lassen, sondern unsere eigene Vision und Interpretation zeigen. Für uns ist der Joker ein Mensch und kein ikonischer Superbösewicht. Der Titelzusatz auf dem Drehbuch lautete "Eine Ursprungsgeschichte" und nicht "Die Ursprungsgeschichte". Das gefiel mir sehr und trifft den Nagel auf den Kopf: Unser Film ist eine von vielen Möglichkeiten, wie und warum sich Arthur Fleck in den Joker verwandelt.

 

Was macht die Figur des Jokers so faszinierend?

Das weiß ich auch nicht. Vielleicht sein verrücktes Make-up? Oder seine Respektlosigkeit? Um ehrlich zu sein wusste ich nie sehr viel über diese Figur. Und in unserem Film ist der Joker selbst nur wenig zu sehen. Ich spiele überwiegend Arthur Fleck. Zuerst wollte ich, dass wir die Joker-Szenen zuletzt drehten, aber Todd meinte nur: "Bist du verrückt? Filme werden nie chronologisch gedreht!" Und im Nachhinein bin ich froh, dass wir diese Szenen relativ früh im Kasten hatten, denn danach hatte ich ein viel besseres Verständnis für meine Figur.

Was waren Ihre Vorbilder oder Inspirationen für den Joker?

Ich glaube, ich habe sehr viel Dr. Frank-N-Furter in meine Figur eingebaut. Seit meinem 14. Lebensjahr liebe ich "Die Rocky Horror Picture Show". Und ich habe ein bisschen von Katharine Hepburn mit eingebaut.

 

Welche Beziehung haben Sie zu Clowns? Haben Sie sich je an Halloween als Clown verkleidet?

Ich war nie als Clown verkleidet. Moment, das stimmt nicht. Es gibt ein Foto von mir in dieser Verkleidung, aber ich erinnere mich selbst nicht mehr daran. Vielleicht hat es mir deswegen so viel Spaß gemacht, mit dem Kostüm und Make-up zu experimentieren. Außerdem finde ich es brillant, dass die Basis für Arthurs Joker-Genese sein Job als Clown ist. Das macht die Handlung um so realer.

 

Jared Leto und Heath Ledger haben beide gesagt, wie körperlich und emotional hart diese Rolle für sie war. Welchen Einfluss hatte die Joker-Rolle auf Sie?

Diese Rolle hat mir verdammt viel Spaß gemacht! War sie einfach? Nein. Aber es war ungemein inspirierend und je mehr Energie ich in diese Figur steckte, desto mehr hat sie mir zurückgegeben. Todd und ich waren die ersten am Set und abends haben wir uns noch stundenlang getextet oder am Telefon gesprochen. Mir blieb auch nicht viel anderes übrig. Ich war nicht gerade gesellig, weil ich nicht ausgehen durfte, sondern meine verdammten Salatblätter essen musste. (lacht)

Interview: Anke Hofmann

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