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Der neue Horror-Streich der Spierig Brothers

13.03.2018 - Mit dem Geisterhausfilm "Winchester: Das Haus der Verdammten" und Unterstützung von Hauptdarstellerin Helen Mirren etablieren sich die "Jigsaw"-Regisseure Peter und Michael Spierig endgültig in Hollwoods Genrefilm-Olymp. Wir trafen die gebürtigen Deutschen zum Gespräch.

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		Alternatives Poster-Artwork zu "Winchester: Das Haus der Verdammten" © Splendid Film

    Alternatives Poster-Artwork zu "Winchester: Das Haus der Verdammten" © Splendid Film GmbH

Die in Buchholz geborenen und in Australien aufgewachsenen Zwillingsbrüder Peter und Michael Spierig können getrost als Kronprinzen des englischsprachigen Horrorkinos bezeichnet werden. Nach Zombies in "Nightbreakers – The Undead" (2003), Vampiren in "Daybreakers" (2009) und zuletzt der Wiedergeburt der Serienkiller-Ikone "Jigsaw" (2017) nehmen sich die beiden 41-jährigen in "Winchester: Das Haus der Verdammten" (ab 15. März im Kino) des Geisterfilm-Genres an – und holten sich mit GOLDENE KAMERA-Preisträgerin Helen Mirren Oscar-prämierte Unterstützung ins Boot...

 

Darum geht's in "Winchester: Das Haus der Verdammten"

Helen Mirren spielt Sarah Winchester, die 1906 als Witwe des berühmten Waffenfabrikanten William Winchester ein großes Vermögen erbt. Da sie überzeugt davon ist, dass sie von den Geistern der Toten heimgesucht wird, die mit Winchester-Gewehren erschossen worden sind, lässt sie im kalifornischen San Jose ein riesiges Anwesen errichten, in dessen zahllosen Zimmern die Seelen weggesperrt werden können. Ein riskantes Unterfangen, das nicht nur Hausarzt Eric Price (Jason Clarke) und Sarahs Nichte Marion (Sarah Snook) mitsamt ihrem Sohn Henry (Finn Scicluna-O'Prey) in Lebensgefahr bringt...

Die Spierig Brothers im Interview

GOLDENE KAMERA: Sie beide sind in Deutschland geboren, aber in Australien aufgewachsen. Sprechen Sie Ihre Muttersprache noch?

MICHAEL SPIERIG (MS): Unser Deutsch ist leider nicht gut. Ich wünschte, wir könnten diese Sprache besser sprechen, aber leider ist durch das Aufwachsen in Australien sehr viel verloren gegangen. Und es fehlt immer die Zeit, unser Deutsch wieder aufzufrischen.

 

Sind Sie nicht zweisprachig aufgewachsen?

MS: Doch, zu Hause sprachen unsere Eltern deutsch miteinander. Peter und ich verstehen die Sprache relativ gut, aber mit dem Sprechen hapert's leider.

Fühlen Sie sich überhaupt noch ein bisschen deutsch? Haben Sie noch eine deutsche Identität?

PETER SPIERIG (PS): Natürlich. Unsere Eltern und Großeltern sind in Deutschland aufgewachsen. Und unsere deutsche Herkunft macht sich in vielen Charakterzügen bemerkbar wie Pünktlichkeit, Organisationstalent und unsere Pingeligkeit, wenn es ums Methodische geht (lacht).

 

MS: Das letzte Mal, dass wir in Deutschland waren, ist leider schon fast 20 Jahre her, aber ich liebe Deutschland und spüre eine Verbindung mit diesem Land. Mir gefällt die deutsche Philosophie und die deutsche Arbeitsmoral. Peter und ich leben momentan in Amerika und wir fühlen uns wohl hier, aber wir haben eher eine europäische Sensibilität als eine amerikanische. Wir planen gerade ein großes deutsches Familientreffen und debattieren gerade die passende Jahreszeit, denn wir bevorzugen einen Deutschlandbesuch, wenn es nicht zu kalt ist (lacht).

Worauf freuen Sie sich kulinarisch am meisten?

PS: Unsere Mutter hat immer ein tolles Hühnerfrikassee gekocht. Ich weiß nicht, wie traditionell ihre Version ist, aber darauf hätte ich Appetit!

MS: Als Kind haben wir oft deutsche Küche wie Bratwurst, Schnitzel und all die anderen herzhaften deutschen Gerichte zu essen bekommen. Und ich weiß ein gutes deutsches Bier zu schätzen. Deutsche wissen, was schmeckt (lacht).

 

Kommen wir zu "Winchester: Das Haus der Verdammten". Glauben Sie an Geister? Und haben Sie eine während der Dreharbeiten eine übersinnliche Präsenz im Winchester Mystery House verspürt, das ja tatsächlich existiert?

PS: Man kann nicht leugnen, dass es außergewöhnliche und mysteriöse Vorkommnisse in der Welt gibt. Ich selbst habe noch nie ein Gespenst gesehen, aber das bedeutet nicht, dass ich es bezweifele, wenn andere behaupten, dass sie eine Präsenz gespürt oder etwas gesehen haben, das sie nicht erklären können. Als wir im Winchester Mystery House gedreht haben, hat es überall geächzt und geknarrt, was wir mit dem Wind erklärten, der durch das Haus pfiff. Aber wer weiß, was wirklich dahinter steckte (lacht). Laut der Angestellten dieses Hauses und der Menschen, die schon öfters dort waren, passieren da unerklärliche Dinge.

MS: Wir waren die erste Filmcrew, die je dort gedreht hat. Wir mussten immer einen Führer dabei haben, denn das Haus ist wie ein Labyrinth, in dem man sich leicht verirren kann. Und nachts überkommt einem dort ein total unheimliches Gefühl. Ich selber habe auch kein Gespenst gesehen, aber sehr oft eine Gänsehaut vom Gruseln bekommen.

Apropos Gruseln, woher stammt Ihre Liebe für das Horror-Genre? Schon als Kind haben Sie Ihre Teddys in die Luft gesprengt anstatt mit ihnen zu kuscheln...

MS: (lacht) Wir haben zuerst mit ihnen gekuschelt und sie dann in die Luft gesprengt! Peter und ich sind in der VHS-Ära der 80er Jahre aufgewachsen. Viele Horrorfilme wurden damals nicht in den Kinos gezeigt, sondern kamen direkt auf Video raus. Als wir zehn oder elf waren, ließen unsere Eltern uns jeden Film aus der Videothek ausleihen, den wir sehen wollten. Und wir wollten natürlich die Filme sehen, die für unser Alter nicht angemessen waren wie "Tanz der Teufel" oder "Zombie".

 

PS: Wir haben uns dann in dieses Genre verliebt, denn Horrorfilme zu sehen gab uns den gleichen Nervenkitzel wie eine Achterbahnfahrt. Und später wagten wir den Sprung von Fans zu Filmemachern. Unsere großen Vorbilder waren dabei Sam Raimi, George Romero, Peter Jackson, John Carpenter aber auch Francis Ford Coppola, Steven Spielberg und Ron Howard. Sie alle haben ihre Karriere mit dem Drehen von Low-Budget-Genre-Filmen angefangen.

 

Ihr Erstling war mit "The Undead" folgerichtig auch ein Zombiefilm. Mittlerweile haben sie fast alle Horror-Subgenres durch – was ist Ihr nächstes Opfer?

MS: Ich hätte eigentlich Lust auf eine romantische Liebeskomödie (lacht). Oder einen Action-Film. Wir haben keinen Karriereplan, und es gibt nur eine Filmemacher-Regel für uns: Wir wollen uns nicht wiederholen, sondern immer etwas Neues ausprobieren. Wir sind für alles offen aber Science Fiction ist sicherlich unser Lieblingsgenre. Wir würden deswegen gerne mehr Filme wie "Predestination" drehen. Aber grundsätzlich sind wir nicht wählerisch, sondern schon froh, wenn wir wieder einen Job bekommen (lacht). Zum Glück gibt es heutzutage nicht nur das Kino, sondern auch Streaming-Dienste wie Hulu, Netflix und Amazon, in der sich Filmemacher wie wir austoben können.

Interview: Anke Hofmann

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