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Eine Hymne auf Inklusion: "Die Goldfische"

18.03.2019 - In der Außenseiterkomödie "Die Goldfische" spielt Tom Schilling einen querschnittsgelähmten Banker, der in einer betreuten Wohngruppe landet. Mit uns sprach der Deutsche Filmpreis-Gewinner über seine Rollenvorbereitung und den richtigen Umgang mit Menschen mit Behinderung.

"Scheiß auf die Avengers und das A-Team – wir sind das B-Team!" Dieser Ausruf von Tom Schilling in seinem neuen Kinofilm bringt es auf den Punkt: Wir brauchen Komödien mit dem B-Wort, also mit und über Menschen mit Behinderung! "Die Goldfische" (Kinostart: 21. März) sind da ein toller Anfang.

Darum geht's in "Die Goldfische"

Der karrierebesessene Portfolio-Manager Oliver (Tom Schilling) wird nach einem schlimmen Autounfall für immer im Rollstuhl sitzen. Weil es in seinem Krankenzimmer kein gutes WLAN gibt, zieht er in die Wohngruppe "Die Goldfische".

 

Dort kümmern sich Förderpädagogin Laura (Jella Haase) und Pfleger Eddy (Kida Khodr Ramadan) um die blinde Magda (Birgit Minichmayr), die Autisten Rainer (Axel Stein) und Michael (Jan Henrik Stahlberg) und um Franzi (Luisa Wöllisch), die das Down-Syndrom hat.

Weil die Steuerbehörde hinter ihm her ist, muss Oliver ganz schnell 1,2 Millionen Euro aus seinem Bankschließfach in Zürich holen. Zur Tarnung bezahlt er der bunten Truppe einen Busausflug – doch der endet im Chaos.

Filmkritik zu "Die Goldfische"

Der Inklusionskomödienkracher "Die Goldfische" von Langfilm-Regiedebütant Alireza Golafshan setzt nicht auf Haudraufhumor, sondern punktet mit charmanten, fast beiläufig servierten Gags, das eigentlich ernste Thema und lustige Situationen sind perfekt ausbalanciert. Politisch korrekt und trotzdem witzig –das muss man erstmal hinbekommen. Hier wird mal nicht über Menschen mit Behinderung gelacht, sondern mit ihnen: klasse!

Wie sich Tom Schilling, der gerade noch im Oscar-nominierten "Werk ohne Autor" zu sehen war und am 21. März im ARD-Zweiteiler den jungen "Brecht" spielen wird, sich auf die besonderen Herausforderungen bei "Die Goldfische" vorbereitet hat, verrät er uns im Interview...

Tom Schilling im Interview

 

GOLDENE KAMERA: Eine Komödie über ein ernstes Thema – wie ist es dem Film gelungen, die Balance zu halten?

TOM SCHILLING: Das liegt zunächst einmal am Drehbuch. Autor und Regisseur Alireza Golafshan würde seine Figuren niemals für einen billigen Schenkelklopfer verraten. Was im Film geschieht, ist absurd, es ist skurril – aber jede Situation wäre auch tatsächlich so denkbar.

Wie passt Ihre eher zurückhaltende Art des Schauspiels da rein?

Ich würde sie eher naturalistisch nennen. Ich sehe mich mehr als Menschen-Nachmacher, und wenn ich Leute beobachte, sehe ich keine Grimassen, es sei denn, jemand erschreckt oder ekelt sich zum Beispiel. Komik im Film wird umso lustiger, je ernster und existentieller die Figuren und Situationen sind. Das wusste schon Stummfilmstar Buster Keaton.

 

Wie haben Sie sich vorbereitet?

Ich bin mein schlimmster Kritiker, und vor so einem Part, bei dem es viel Gegenwind geben kann, habe ich richtig Respekt. Ich bin zur Vorbereitung sehr viel Rollstuhl gefahren, durch ganz Berlin und mit allen möglichen öffentlichen Verkehrsmitteln, um diesen emotionalen Unterbau der Rolle zu bekommen. Ich führe dabei kein Tagebuch, aber ich habe den Eindruck, dass sich mein Unterbewusstsein dieses Gefühl merkt.

Gab es Filme, an denen Sie sich orientiert haben?

Ich habe mir noch mal die französische Komödie "Ziemlich beste Freunde" angesehen. Die hat ja auch ernste Töne, und die Läuterung am Ende ist fast ein bisschen kitschig. Aber all das kann zusammen funktionieren. Und ich wollte die Tatsache ernst nehmen, dass Oliver sein Schicksal zunächst verdrängt.

 

Wie war die Arbeit mit Luisa Wöllisch, die das Down-Syndrom hat?

Da gab es keine Berührungsängste. Sie ist Schauspielerin durch und durch, spielt seit drei Jahren fest Theater in München – eine echte Rampensau. Ihre Behinderung macht sie nicht aus, sie ist nur ein weiteres Merkmal von ihr.

Das zeigt der Film sehr schön: Menschen mit Behinderung sind vor allem eins – normal.

Ja, genau. Luisa zum Beispiel steht voll im Leben, sie hat kein Problem damit, wenn jemand sagt, sie habe eine Behinderung. Aber es gibt auch andere, die da sensibler sind. Das Hauptproblem ist doch, dass Behinderte und nicht Behinderte zu wenig miteinander zu tun haben, und das führt dann zu Unsicherheiten im Umgang.

 

Haben Sie eigentlich den Wunsch, irgendwann nach Hollywood zu gehen?

Nein, gar nicht. Meine Strategie sieht so aus: Als Schauspieler bin ich auf gewisse Weise ein Blender. Je besser das Team um mich herum ist, desto besser stehe ich da. Weil ich das weiß, habe ich schon oft Angebote abgelehnt. Man muss auch stillhalten und auf einen guten Film warten können.

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