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Kino-Event der Woche: "Lady Bird"

19.04.2018 - Die tragikomische Coming-of-Age-Geschichte mit Saoirse Ronan war für fünf Oscars nominiert. Wir verraten, warum diese Vorschußlorbeeren berechtigt waren und was Regisseurin Greta Gerwig selber über ihr vielgelobtes Regiedebüt denkt.

Mit Tragikomödien wie "Greenberg" (2010) und "Frances Ha" (2012) avancierte die Drehbuch schreibende Schauspielerin Greta Gerwig zur Ikone der amerikanischen Indie-Filmszene. Mit dem fünfach Oscar-nominierten Film "Lady Bird" (Kinostart: 19. April) legt die 34-Jährige jetzt ein bravouröses Regiedebüt vor, das für sie von ganz besonderer persönlichen Bedeutung ist...

 

Darum geht's in "Lady Bird"

Christine (Saoirse Ronan) nennt sich selbst "Lady Bird", ist an ihrer katholischen Schule keine Überfliegerin und liebäugelt trotzdem damit, nach ihrem Highschool-Abschluss nicht in Nähe ihrer Heimatstadt Sacramento, sondern im coolen New York aufs College zu gehen. Darüber kommt es mit ihrer Mutter Marion (Laurie Metcalf), die seit dem Jobverlust des Vaters (Tracy Letts) mit ihrem Krankenschwestergehalt versucht, die Familie über Wasser zu halten, zu permanenten Konflikten. Doch von denen lässt sich Lady Bird auf der Erfüllung ihres großen Traums genauso wenig unterkriegen, wie von ihrem desaströsen ersten Sexerlebnis mit Kyle (Timothee Chamalant) und dem Zerwürfnis mit ihrer besten Freundin Julie (Beanie Feldstein)...

 

GOKA-Wertung

Mit viel Herz für ihre aus dem realen Alltagsleben gegriffenen Figuren und schlagfertigen Dialogen verwandelt Greta Gerwig ihr souverän inszeniertes Regiedebüt in ein kluges Teenager-Portrait, das in so manchem Erwachsenen schaurig-schöne Erinnerungen an die eigene Jugend heraufbeschwören dürfte. Ihre beiden glänzend harmonierenden Hauptdarstellerinnen Saoirse Ronan und Laurie Metcalf sorgen dafür, dass der humorige Grundton der Erzählung mit menschlichem Drama geerdet wird, ohne dabei in melodramatische Weinerlichkeit abzudriften. Und so erweist sich die im Jahr 2002 spielende Tragikomödie "Lady Bird" trotzdem als das zeitgemäßes Paradebeispiel eines gelungenen Coming-of-Age-Films.

Muss ich sehen, weil...
...Greta Gerwig und ihre exzellenten Hauptdarsteller auf wunderbar unaufgeregte Art in Erinnerung ruft, dass zum Teenagerleben auch die von Fehlschlägen begleitete Selbstermächtigung gehört.

Für Fans der...
...Coming-of-Age-Filme "Die Mitte der Welt" (2016) und "Moonlight" (2016)

Greta Gerwig im Interview zu "Lady Bird"

 

GOLDENE KAMERA: Ist "Lady Bird" autobiographisch?

GRETA GERWIG: Lady Bird ist eine tolle aber fiktive Heldin mit vielen Makeln, die zufällig viele Ähnlichkeiten mit meinem Leben aufweist (lacht). Genau wie sie komme auch ich aus Sacramento. Ich habe auch eine katholische Mädchenschule besucht. Aber was meine Persönlichkeit betrifft, unterscheide ich mich sehr von Lady Bird. Ich habe noch nie meine Haar knallrot gefärbt. Und ich habe noch nie darauf bestanden, dass man mich mit einem anderen Namen ansprechen solle. Ich war mehr Streber als Rebell in der Schule. Das Schreiben dieses Drehbuchs war für mich eine Chance, all die Dinge auszuleben, die ich selber nie gemacht oder verpasst habe. Und ich wollte mit diesem Film das Thema Familie und Zuhause ausschöpfen – und wie wir es erst zu schätzen und lieben lernen, kurz bevor wir unser Nest verlassen.

 

Inwieweit erfüllte Saoirse Ronan Ihre Vision von Lady Bird?

Saoirse meinte zu mir: "Ich komme zwar von der anderen Seite der Welt aus einer winzigen Stadt in Irland, aber ich verstehe Lady Bird von ganzem Herzen." Sie war perfekt für diese Rolle, weil sie mich erstens nicht imitierte, und zweitens Lady Bird total ehrlich und aufrichtig spielte.

Welche Filme haben Sie für "Lady Bird" inspiriert?

Filmklassiker, die von Kindheitserinnerungen – vor allem junger Männer – handelten, speziell "Sie küssten und sie schlugen ihn" und "Amarcord". Und "Jeanne Dielman" von Chantal Akerman, in dem eine Frau drei Tage lang einfach nur ihren Hausarbeiten und langweiligen Pflichten wie Kochen, Spülen oder Bettenmachen nachgeht. Solche Dinge werden so selten in Filmen gezeigt, als ob das Leben einer Frau nicht interessant genug für das Kino sei, aber genau das fasziniert mich: Was es wirklich bedeutet, eine Mutter, Freundin, Tochter oder Schwester zu sein.

 

Welche Regisseure haben Sie am meisten beeinflusst – außer natürlich Ihr Freund Noah Baumbach, mit dem Sie unter anderem "Frances Ha" gedreht haben?

Der Film, durch den ich mich ins Kino verliebt habe, war "Der Fremdenlegionär" von Claire Denis. Ich sah den Film mit 19 als College-Studentin und er hat mich total umgehauen. Erst am Ende, als die Namensnennungen rollten, wurde mir bewusst, dass dieser Film von einer Frau inszeniert wurde. In diesem Moment wusste ich zwar noch nicht, dass ich selber einmal Regie führen wollte, aber dieser Film hat sicherlich etwas in mir zum Leben erweckt, das jetzt mit "Lady Bird" endlich zum Vorschein kommen konnte.

 

"Lady Bird" hat nicht nur bei den Golden Globes abgeräumt und gehörte zum Favoritenkreis der Oscars, sondern half auch der Frauenbewegung und dem Kampf für mehr Gleichberechtigung in Hollywood. Wie sehen Sie die Zukunft?

Regisseurinnen und Produzentinnen wie Patty Jenkins, Dee Rees, Maggie Betts und Valerie Faris ermutigen mich sehr und geben mir Hoffnung, dass letztes Jahr ein Anfang für Veränderung in Hollywood war. Ich bewundere alle Frauen und Männer, die den Mut hatten, öffentlich über diese Missbrauchsfälle zu sprechen. Der Philosoph Abraham Heschel hat gesagt: "In einer freien Gesellschaft sind einige schuldig, aber alle verantwortlich." Wir sollten uns diesen Spruch zu Herzen nehmen und reflektieren, wie wir es zulassen konnten, dass dieser Missbrauch überhaupt so lange möglich war.

Interview: Anke Hofmann

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