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Til Schweiger: "Dieser Film bedeutet mir sehr viel"

20.03.2019 - Mit "Head Full of Honey" bringt Til Scheiger das US-Remake seines Erfolgsfilms "Honig im Kopf" ins Kino. Warum er die Neuauflage unbedingt selbst inszenieren wollte und wie er mit Nick Noltes Hilfe auf seine kleine Hauptdarstellerin gestoßen ist, verrät uns der GOLDENE KAMERA-Preisträger im exklusiven Interview.

Til Schweigers Tragikomödie "Honig im Kopf" war der absolute Überflieger des deutschen Kinojahres 2015. Nachdem für das US-Remake Michael Douglas im Gespräch war, ist es jetzt Hollywood-Legende Nick Nolte ("Nur 48 Stunden"), der in "Head Full of Honey" (Kinostart: 21. März) in die Fußstapfen von Dieter Hallervorden schlüpft...

 

Darum geht's in "Head Full of Honey"

Amadeus (Nick Nolte) leidet an Alzheimer und kann aus diesem Grunde nicht verinnerlichen, dass seine geliebte Frau verstorben ist. Also holt ihn sein Sohn Nick (Matt Dillon) zu sich und seiner Frau Sarah (Emily Mortimer) nach London, wo sich Amadeus' Zustand allerdings zunehmend verschlechtert.

Doch als ihre überforderten Eltern beschließen, Amadeus in ein Pflegeheim zu geben, muckt Enkelin Matilda (Sophie Lane Nolte) auf und fasst einen verwegenen Plan: Da Amadeus einst seine Frau in Venedig kennengelernt hat, büxt die 11-Jährige mit ihrem Opa aus, um zusammen an den Ursprungsort seiner großen Liebe zu reisen...

Wir haben bei Til Schweiger (GOLDENE KAMERA 1998) nachgefragt, wie und warum sein "Honig im Kopf"-Remake "Head Full of Honey" zustande gekommen ist...

Til Schweiger im Interview

 

GOLDENE KAMERA: "Honig im Kopf" war sehr erfolgreich in Deutschland. Warum wolltest Du ein englischsprachiges Remake drehen?

TIL SCHWEIGER: Warner Bros. fragte mich nach den Remake-Rechten. Bei "Kokowääh" hatte damals Lionsgate, das jetzt zu Warner Bros. gehört, die Rechte gekauft. Und es hieß ja auch einmal, dass Bradley Cooper damit sein Regiedebüt realisieren wollte, aber die haben dann so lange an den Drehbüchern rumgefeilt, bis irgendwann die Option ausgelaufen war oder sie die Lust verloren hatten. Also wollte ich es bei "Honig im Kopf" selber machen, weil mir dieser Film sehr viel bedeutet und sehr persönlich ist.

 

Wie anders ist es, in englischer Sprache Regie zu führen?

Da gab es für mich keinen Unterschied. Ich spreche zwar nicht akzentfrei Englisch, aber meine Sprachkenntnisse sind gut genug, um den Schauspielern meine Ideen und Regieanweisungen zu vermitteln. Ich habe allerdings gemerkt, dass Englisch als Schauspiel- und Regiesprache besser funktioniert als Deutsch, weil es direkter und einfacher ist. Vom Vokabular her ist Deutsch eine sehr reiche Dichtersprache, aber für Film ist Englisch viel prädestinierter. Und während des Drehs war sehr schön zu sehen, wie viele Dinge einfacher von der Hand gingen als im Deutschen.

 

Nick Nolte übernimmt in dem Remake die Rolle von Dieter Hallervorden. Sie kennen sich schon lange, richtig?

Nick Nolte war von Anfang an meine Traumbesetzung. 2001 haben wir zusammen in Berlin einen Film gedreht: "Investigating Sex" von Alan Rudolph. Und in Malibu waren wir waren fast Nachbarn und haben uns dadurch häufig gesehen. Als ich dann wieder zurück nach Deutschland bin, habe ich mein Handy verloren – und dann war auch seine Nummer weg. Wir hatten also jahrelang keinen Kontakt mehr.

 

Im Originalfilm spielt Deine Tochter die Hauptrolle, in "Head Full of Honey" wird die Enkelin von Nick Noltes eigener Tochter dargestellt. Ist dieses doppelte 'Family Busines' Zufall oder Absicht?

Den passenden Großvater zu finden war nicht so schwierig, denn Nick Nolte ist ein überragender Film- und Theaterschauspieler. Uns war aber von Anfang klar, dass es eine Herausforderung sein würde, das passende Mädchen zu finden. Wir waren schon drauf und dran, an Schulen nach Kindern zu suchen, als mich Nick zu sich nach Hause einlud. Und gerade, also ich das Haus betreten wollte, begegnete ich diesem kleinen Wildfang! Sophie hat so geleuchtet, sie hatte eine so tolle Aura, dass ich sofort gedacht habe: "Das ist meine Matilda!" Es war wie eine Epiphanie.

 

Ich habe Nick sofort gefragt: "Wer ist das Mädchen?" Und er meinte: "Das ist meine Tochter. Die habe ich mit 67 gemacht." Und ich sagte: "Sie wäre perfekt für die Rolle. Ich glaube, sie kann das." Nick war der gleichen Meinung. Jetzt musste ich nur noch ihre Mutter überzeugen, die ihre Tochter nicht vor der Kamera haben wollte. Sie wollte nicht, dass ihre Tochter ins Rampenlicht gezerrt wird und hatte Angst, dass Sophia – wie viele Kinderstars – später auf Drogen kommen könnte. Also habe ich mich mit Sophies Mutter drei Stunden hingesetzt und ihr von meinen Erfahrungen erzählt und dass die Zusammenarbeit zwischen Vater und Tochter auch ein Geschenk sein kann.

 

Dass dadurch die Tochter sehen kann, dass die Arbeit des Vaters nicht nur aus Premierenfeiern besteht. Und dass durch die Anwesenheit des Vaters die Tochter geschützt ist und kein Regisseur sie blöd anmachen kann. Ich habe ihr versichert, dass keine meiner Töchter ein Drogenproblem hat. Denn wenn die Eltern geerdet sind und den Kindern erklären, dass sie nichts besonders sind, nur weil sie die Chance haben vor der Kamera zu agieren, besteht diese Gefahr nicht.

Nach drei Stunden hat mich die Mutter dann in den Arm genommen und gesagt: "Danke für die Chance." Und es war toll, Nick und Sophie am Set zu beobachten. Sie sind sich so nahe gekommen – es war richtig schön.

 

Der Film zeigt, dass man im Umgang mit Alzheimer-Patienten Humor, Weisheit und Liebe braucht. Wie hast Du Dich mit dieser Krankheit auseinandergesetzt?

Durch die Recherche zum Thema habe ich verstanden, was ich beim Umgang mit der Krankheit falsch gemacht habe. Im Film gibt es eine Szene in der Scheune, in der Amadeus Matilda sein Venedig-Buch zeigt. Matilda sagt im Voiceover: "Er hat mir dieses Buch schon hundertmal gezeigt, aber ich habe jedes Mal so getan, also würde ich die Geschichten zum ersten mal hören, weil er dann so glücklich war."

 

Als ich mich die letzten sechs Wochen um meinen Opa gekümmert habe, hat er mir immer die gleichen Geschichten erzählt. Ich habe ihn geliebt und war nicht genervt, aber trotzdem habe ich zu ihm gesagt: "Opa, das hast du mir doch schon gestern und heute Morgen erzählt." Ich hatte mir nichts dabei gedacht, aber damals wusste man auch noch nicht so viel über diese Krankheit. Damals war Demenz noch ein Fremdwort und alte Menschen waren einfach senil oder tüttelig.

 

"Honig im Kopf" und "Head Full of Honey" erzählen die gleiche Geschichte mit unterschiedlichen Darstellern. Welche Erwartungen hast Du an das Remake?

Ich bin mir sicher, dass sich nicht noch einmal sieben Millionen Menschen den Film anschauen werden. Aber ich glaube schon, dass einige Leute, die das Original besonders berührt hat, sagen werden: "Das guck ich mir noch einmal an."

Interview: Anke Hofmann

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