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Til Schweiger: "Ich wäre gern mit einem Wumms weg"

10.01.2020 - Exklusiv: Til Schweiger über sein Verhältnis zu Kritikern und seine neue Komödie „Die Hochzeit“. die am 23. Januar in die Kinos kommt.

Auf „Klassentreffen 1.0“ – über eine Million Zuschauer im Kino – folgt „Die Hochzeit“: Til Schweiger setzt die tragikomischen Erlebnisse von drei alten, etwas schrulligen Jugendfreunden fort – mit bewährter Besetzung und erneut unter seiner Regie. Dabei geht bei den Hochzeitsvorbereitungen von DJ Tjomas (Til Schweiger) und Linda (Stefanie Stappenbeck) alles schief - Trennungen, Tortenschlachten und Todesfälle inklusive.

 

Til Schweiger spielt die Hauptrolle, schrieb das Drehbuch, führte Regie und produzierte sogar selbst. Wir trafen den 56-Jährigen zum Interview in Berlin und sprachen mit ihm über seine neue Komödie.

Interview mit Til Schweiger

 

Was ist schwieriger zu schreiben und zu produzieren? Ein guter Krimi oder eine gute Komödie?

Til Schweiger: Eine gute Komödie. Es ist viel schwieriger, jemanden zum Lachen zu bringen, als jemand zu erschrecken oder Spannung zu erzeugen. Denn dafür muss man nur mit einer Steady Cam durch eine dunkle Gasse gehen und dramatische Musik haben und dann noch eine Katze aus der Ecke springen lassen – und schon erschreckt sich jeder. 

 

Warum beschreibt „Die Hochzeit“ das Lebensgefühl der über Fünfzigjährigen auf geniale Art und Weise, und was sind überhaupt die Probleme dieser Generation?

Dass man mit fortschreitendem Alter immer wehleidiger und anspruchsvoller wird und weiß, dass einem nicht mehr Zeit bleibt. Mit 20 glaubt man noch, dass man unsterblich wäre – aber mit über 50 merkt man, dass einem die Zeit durch die Finger fließt.

 

 

Midlife-Crisis, Ehe-Therapie, Potenzmittelbedarf - welche der lustigen, im Film gezeigten Problemchen, kennen Sie selbst?

Eine Midlife-Krise hatte ich noch nicht, Ehetherapien habe ich einige gemacht und sonst ist auch alles in Ordnung (grinst).

Was ist Ihre Lieblingsszene in „Die Hochzeit“?

Da gibt es einige, besonders die emotionalen, wenn Samuel Finzi beispielsweise auf der Beerdigung eines Kumpels ausflippt, weil rauskommt, dass der Verstorbene Torben Samuels Gattin gepimpert hat – und die Witwe ihm erklärt, dass der Tote zwar vielleicht ein Arsch war, aber sie wünschte, dass er noch lebte, weil sie nun nie mehr die Chance hat, mit ihm zu streiten, während sich Finzi sehr wohl mit seiner untreuen Gattin, also seinem „Arsch“, zoffen könne. Außerdem gibt es natürlich jede Menge witziger Szenen – beispielsweise, wenn Tom und seine Freunde auf der falschen Beerdigung landen.

 

Wie war der Dreh?

Mega lustig. Wir hatten ganz viel Spaß. Und obwohl es mit 34 Drehtagen diesmal etwas weniger waren als beim „Klassentreffen“, waren wir alle hoch motiviert, haben sauviel gelacht und hatten bei hochsommerlichen Temperaturen eine supergeile Zeit. 

 

Wieviel Til steckt in der Figur Tom?

In jeder Figur, die ich spiele, steckt ganz viel Til, weil ich die Figur mit meiner Personality fülle. Aber natürlich heißt das nicht, dass ich haargenau so wie Tommi ticke. 

 

Tom wird in allen möglichen Situationen um Selfies mit Fans gebeten. Kennst du das auch? Und machst du das gerne auch jederzeit?

Ja, eigentlich immer. Aber wenn ich es eilig habe, und beispielsweise am Flughafen bin, und mich jemand um ein Foto bittet, ziehe ich den Betreffenden immer am liebsten hinter ein Billboard oder in eine Boutique, damit nicht alle anderen Leute ebenfalls ein Foto wollen.

In „Die Hochzeit“ erlebt Tom, dass er miese Kritiken kriegt und fragt sich, warum er plötzlich kritisiert wird. Wie gehst du selbst mit Kritiken um? Wie sehr nimmst du dir davon was an?

Ich bin sehr offen, was konstruktive Kritik betrifft. Wenn ich beispielsweise ein Drehbuch schreibe, schicke ich das erst einmal vielen Leuten und höre mir an, was sie dazu sagen haben. Und wenn ich im Filmschnitt bin, zeige ich den Film vielen Leuten - und höre mir ebenfalls an, was sie meinen. Aber natürlich muss ich im Endeffekt selbst die Entscheidung treffen, was ich von den Kritiken annehme und ob ich eine Szene wirklich rausschneide oder einen Satz dazu nehme oder alles nochmal überdenke.

 

Und was Filmkritiker betrifft?

Was Filmkritiker betrifft, kann ich mich deren Meinung ebenfalls durchaus anschließen, wenn sie differenziert argumentieren. Doch meistens ist es so bei meinen Filmen, dass besonders das Feuilleton kollektiv scheiße findet, was ich mache. So was nehme ich mir gar nicht zu Herzen, weil ich zu Filmen, die ich ins Kino bringe, prinzipiell stehe – weil ich sie geil finde. Doch wenn beispielsweise ein amerikanischer Kritiker schreibt, dass ich mich mit „Head full of Honey“ – also der US-Version von „Honig im Kopf“ über die Krankheit Alzheimer lustig machen würde, frage ich mich, was der geraucht hat, das stimmt so ja einfach nicht .

 

Gibt es nach „Klassentreffen“ und „Die Hochzeit“ einen dritten Teil?

Ja, ich habe schon eine Idee dafür, aber wir müssen erst einmal sehen, wie gut der zweite Teil performt. Wenn er den Kinozuschauern so gut gefällt wie uns, werden wir den dritten Teil bestimmt bringen.

Bildergalerie: "Klassentreffen"

 

Sind bei „Die Hochzeit“ eigentlich auch eigene Hochzeits-Erfahrungen eingeflossen – etwa Beobachtungen, die man auf den Hochzeiten seiner besten Kumpel macht?

Vielleicht unbewusst, aber von meiner eigenen Hochzeit ist nichts eingeflossen. Denn die war damals sehr außergewöhnlich, weil ich auf einem Schiff geheiratet habe und nur Familienmitglieder dabei waren. Dana und ich wurden damals von einem englischen Kapitän getraut. 

 

Würden Sie nochmal heiraten?

Vielleicht (seufzt). Ich würde es nicht ausschließen, aber es ist nicht das Erste auf meiner Agenda.

 

Was würden Sie Leuten raten, die demnächst vor den Altar treten: Ehevertrag - ja oder nein?

Zu mir haben damals alle gesagt, dass ich einen Ehevertrag abschließen sollte – von meinem Steuerberater bis zu meinem Anwalt. Aber ich habe mich geweigert, weil ich einen Ehevertrag unromantisch finde. Später, als die Situation anders war, habe ich es nie bereut, dass die Zugewinngemeinschaft zur Hälfte geteilt wird. Ich habe nicht ein einziges Mal im Bett gelegen und gedacht: „Fuck, hätte ich doch einen Ehevertrag gemacht.“ Sowas würde nur Sinn machen, wenn du Milliardär bist und mit 78 ein 21-jähriges Starlet heiratest. Aber selbst dann sollte man trotzdem einen sehr fairen Ehevertrag machen. Denn es gibt ja Leute, die einen derart knauserigen Ehevertrag abschließen, dass ich die Frau nicht verstehe, die darauf eingeht.

 

Stichwort Freunde. Männer kommen und gehen, wird im Film gesagt, aber Freunde bleiben. Richtig?

Ja. Die guten Freunde bleiben.

Sind langjährige Freunde eigentlich die Besten?

Der Vorteil von langjährigen Freundschaften, besonders aus der Jugendzeit, ist, dass noch niemand ahnen kann, was aus dem anderen später wird. Jugendfreundschaften sind besonders organisch. Später wird man oft gewarnt, dass man Acht geben solle, ob die Leute wirklich befreundet mit einem sein wollen, weil es ihnen um den Menschen hinter dem Star geht oder um Til, den „Movie-Man“, und sie von einem profitieren wollen. Ich habe eine ziemlich gute Menschenkenntnis, was sowas betrifft, und auch ein paar Freunde dazu gewonnen in den letzten Jahren, die mir sehr viel bedeuten. Und ich habe noch fünf sehr gute von früher.

 

Muss man als bester Kumpel schonungslos ehrlich sein?

Ja. Ich würde von meinen Freunden erwarten, dass sie mir verraten, wenn sie zufällig etwas Negatives über meine Freundin mitbekommen. Ich würde sogar fordern, dass sie mir sagen, wenn sie was mit einem anderen Typen hat.

 

Was würden Sie einem Freund nie verzeihen?

Wenn er mit meiner Freundin schläft oder mich bewusst businessmäßig betrügt, und irgendetwas unternimmt, um sich zu bereichern und mir dabei zu schaden.

 

Sind Sie Tag und Nacht für Ihre Freunde da – etwa, wenn jemand mitten in der Nacht anruft, weil er Hilfe braucht?

Wenn es wichtig ist, ja.

 

Können Männer und Frauen befreundet sein, ohne irgendwann miteinander in die Kiste zu steigen?

Klar. Das würde ich schon sagen. Ich habe selbst platonische Freundschaften mit Frauen – und die funktionieren gut.

In „Die Hochzeit“ geht‘s auch um Beziehungsfallen – beispielsweise, ob man von sich aus die Wahrheit sagen soll, wenn man fremd gegangen ist.

Wenn einer fremdgeht, und der Andere es merkt und ihn darauf anspricht, sollte er die Wahrheit sagen. Aber ansonsten sollte man Seitensprünge nie freiwillig beichten und etwa sagen: „Übrigens, ich hatte heute Nacht Sex mit Beate, deiner beste Freundin. Ich wollte nur, dass du das weißt.“ Das muss nicht sein. 

 

Was ist das Schöne daran, mit der eigenen Tochter zu drehen?

Abgesehen davon, dass ich finde, dass Lilli das ganz bezaubernd und wunderbar macht und unheimlich natürlich rüberkommt, ist es einfach schön, sein Kind um sich rum zu haben bei der Arbeit – und dass meine Tochter auch mal sieht, dass es wirklich Arbeit ist, was der Papa macht, und dass man auch noch Zeit miteinander verbringen kann. Es ist ein Geschenk, mit seinen Kindern zusammen arbeiten zu können. 

 

Im Film geben Sie Ihrer Tochter Tipps gegen Liebeskummer. Machen Sie das auch in echt oder hilft sie Ihnen bei Herzschmerzangelegenheiten?

Ja, das ist beides schon vorgekommen. Und wenn man keinen Tipp parat hat, sollte man zumindest ein offenes Ohr haben. Aber wenn man das Gefühl hat, dass der aktuelle Freund deiner Tochter ihr nicht guttut, sollte man das nicht offen sagen – weil man dadurch bloß das Gegenteil, nämlich eine noch intensivere Beziehung zwischen den beiden, erreicht. Bei solchen Angelegenheiten kannst du nur hoffen, dass die Kinder irgendwann von selbst darauf kommen.

 

Im Film stirbt Ihr Kumpel Torben auf dem Klo. Was wäre Ihr eigener Traum-Tod? Langsam und leise? Plötzlich und unerwartet? Oder dramatisch und live in einer Fernseh-Show?

(lacht) Ich wäre gern mit einem Wumms weg – also einschlafen, und nicht mehr aufwachen. Vorausgesetzt, ich hätte vorher idealerweise meinen Nachlass geklärt. Aber im Vorfeld zu wissen, dass man eine schlimme Krankheit hat und irgendwann demnächst abtreten muss, wäre auf keinen Fall wünschenswert.

 

Schlussfrage: Was sind Ihre nächsten spruchreifen Zukunftsprojekte?

Im April wird mein „Barefoot“-Boot auf der Donau bei Passau ins Wasser gelassen. Da freue ich mich sehr drauf. Außerdem will ich im Frühjahr 2020 einen neuen Film drehen: „Kurt“, basierend auf dem Roman von Sarah Kuttner. Dabei geht es um ein Pärchen, bei dem „er“ einen Sohn aus einer anderen Beziehung hat, der plötzlich stirbt – und wie die beiden zurück ins Leben finden trotz dieses schrecklichsten aller Verluste. Ich habe den Roman gelesen und fand ihn extrem berührend. Deswegen habe ich mich zum ersten Mal überhaupt darum bemüht, Romanrechte zu bekommen, um daraus einen Kinofilm zu machen.

 

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