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Otto will Rücksendungen reduzieren

16.05.2018 - Umweltfreundliches Einkaufen wird vielen Verbrauchern immer wichtiger - Unternehmen sind stolz darauf, Verbesserungen in diesem Bereich zeigen zu können. Doch vor allem im Onlinehandel sind nicht alle Anbieter besonders auskunftsfreudig.

  • Alexander Birken, Vorstandsvorsitzender der Otto Group. Foto: Lukas Schulze/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Alexander Birken, Vorstandsvorsitzender der Otto Group. Foto: Lukas Schulze/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Egal ob vegetarische Ernährung, Bioklamotten oder Elektromobilität: Vielen Menschen werden umweltfreundliche Lebensweisen immer wichtiger. Auch der Handel hat dies erkannt.

«Sie glauben ja gar nicht, wie viel Strom ein Kühlschrank mehr verbraucht, wenn nur eine kleine Gummidichtung kaputt ist!» Mit solchen Sätzen will der Handelsverband Deutschland (HDE) die Klimamuffel in seinen Reihen wachrütteln. Sie sollen lernen, regelmäßig Kühltruhen abzutauen und Lüftungsgitter abzustauben, abends das Licht und die Bildschirme im Laden auszuschalten.

Viele Ladenbetreiber haben sich daran gewöhnt, im Jahr 60 bis 70 Euro je Quadratmeter für Wärme und Strom auszugeben - gut und gern drei Mal so viel wie ein Normalbürger. Ähnlich wie der hohe Energieverbrauch der Geschäfte im Einzelhandel könne im Onlinehandel auch eine hohe Rücksendequote von Bestellungen zur Belastung werden, argumentiert Greenpeace. Dies könnte die Umweltbilanz der Einkäufe im Netz am Ende durchaus verhageln.

Unternehmen und Umweltschützer sind uneins darüber, welche Art des Einkaufens besser für die Natur ist. Eine Studie im Auftrag von Otto ergab, dass Online-Shopping trotz Retouren insgesamt weniger klimaschädlich sei, als mit dem Auto einzukaufen - jedenfalls was die Transportbilanz angeht. Greenpeace meint dagegen, man könne nicht pauschal bewerten, ob der Onlinehandel umweltfreundlicher ist. Es mache etwa einen deutlichen Unterschied aus, ob der Einkauf sonst mit Fahrrad oder Auto erledigt würde. «Wenn ich womöglich nur für eine einzelne Besorgung mit dem eigenen Auto in die Stadt fahre, wäre es besser, online zu bestellen», sagt Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Stephan.

Welcher Aufwand betrieben wird, um die zahlreichen Retouren abzufertigen, kann zum Beispiel in Hamburg beobachtet werden. Im Sekundentakt rauschen Pakete über lange Fließbänder im Rücksendezentrum von Hermes Fulfilment in Hamburg. Oft haben Kunden gleich mehrere Artikel in dem Wissen bestellt, nicht alle zu behalten. Denn die Retouren sind fast immer kostenlos, für die Versandhändler gehört dies zum Service. Abgewickelt werden die Pakete dann häufig von Dienstleistern wie der Hermes Fulfilment.

Das Rücksendezentrum im Hamburger Stadtteil Bramfeld gehört zu den größten Europas, erklärt der Teamleiter der Warenvorbereitung, Andreas Kalliner. Die Otto-Tochter übernimmt unter anderem alle Rücksendungen für den gleichnamigen Versandhändler. Bis zu 50 Millionen Artikel würden hier jährlich abgewickelt, täglich könnten es bis zu 200 000 sein. Vor allem bei Kleidung, die laut Bundesverband für E-Commerce und Versandhandel (BEVH) größte Warengruppe des Onlinehandels, ist die Quote besonders hoch. Vier von zehn gekauften Kleidungsstücken werden nach Angaben der Hermes Fulfilment zurückgeschickt.

Um die Zahl der Retouren zu senken, hat Otto vor einiger Zeit verschiedene Maßnahmen eingeführt. So werde der Kunde etwa mit einem Hinweis «der Umwelt zuliebe» auf unnötige Rücksendungen aufmerksam gemacht, sobald er das gleiche Kleidungsstück in drei oder mehr Größen in den Warenkorb lege. «Wir können zwar noch keine konkreten Zahlen nennen, aber können bereits sagen, dass wir die Retourenquote signifikant senken konnten», sagt Otto-Sprecher Frank Surholt. Zusätzlich setze der Konzern auf möglichst detaillierte Angaben zu den Produkten sowie Kundenbewertungen, die mithilfe von künstlicher Intelligenz verschlagwortet werden und so helfen sollen, bereits am Bildschirm die passende Größe zu finden.

Der Konzern spart durch solche Maßnahmen neben unnötigen Kilometern auch bares Geld: Jeder Artikel in der Retoure koste allein am Standort rund einen Euro, sagt der Chef des Hamburger Retourenbetriebs Olaf Wallace. Dabei seien die Transportkosten noch nicht inbegriffen.

Andere Onlinehändler sind weniger transparent. Amazon teilte auf Anfrage lediglich mit, dass man sich zu internen Geschäftsabläufen nicht äußere. Generell gelte, dass das Unternehmen versuche, seine Kunden schon vor der Bestellung so zu beraten, dass es erst gar nicht zu Retouren kommt. Zalando will nach eigenen Angaben die Umkleidekabine zu den Kunden bringen. So teste das Unternehmen auch seit längerem ein Modell, bei dem die Rücksendungen abgeholt werden, um Retouren möglichst angenehm zu gestalten. Wobei Zalando ebenfalls auf eine gute Größenberatung setze. Ob dies zu weniger Retouren führt, verraten jedoch weder Amazon noch Zalando.

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