Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

Chemiebranche: Stromkosten gefährden Jobs

06.06.2020 - Energie ist in Deutschland im internationalen Vergleich relativ teuer. In der stromintensiven Chemieindustrie könnte das unter dem Brennglas der Corona-Krise zum Problem werden. Ganze Standorte seien auf der Kippe, warnt die Branche. Geht es Pharmafirmen nun besser?

  • Industrieanlagen des Chemiekonzerns BASF stehen am Rheinufer auf dem Werksgelände. Die Chemieindustrie sorgt sich um die Zukunft vieler mittelständischer Betriebe und verlangt Entlastungen beim Strompreis (Symbol). Foto: Uwe...

    Industrieanlagen des Chemiekonzerns BASF stehen am Rheinufer auf dem Werksgelände. Die Chemieindustrie sorgt sich um die Zukunft vieler mittelständischer Betriebe und verlangt Entlastungen beim Strompreis (Symbol). Foto: Uwe Anspach/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Unter dem Druck wegbrechender Aufträge in der Corona-Krise bangt die Chemieindustrie um die Zukunft vieler mittelständischer Betriebe und verlangt Entlastungen beim Strompreis.

Verschärfe sich die Lage bei gleichbleibend hohen Kosten weiter, könnten etliche Firmen komplette Standorte in Frage stellen. «Alle Unternehmen versuchen, nach Möglichkeit den Beschäftigungsstand zu halten. Aber im Moment kann noch niemand absehen, ob das am Ende funktioniert», sagte der Geschäftsführer des Branchenverbands VCI für Norddeutschland, Jochen Wilkens, der Deutschen Presse-Agentur.

Mitgliedsbetriebe in der gesamten Bundesrepublik verlören Geschäft, während der Weltmarkt mit Produkten aus Asien mehr als gesättigt sei. Der deutlich erhöhte Import übe noch zusätzlichen Druck auf die Standorte aus, warnte Verbandschef Detlev Wösten. «Daher sind moderate Maßnahmen zur Reduzierung der Arbeitszeit oft kaum möglich.» Auch Autozulieferer seien gefährdet: «Allein diese Lieferketten stehen für einen erheblichen Teil der Auftragsrückgänge.»

Abhilfe könnten laut Wösten geringere Energiekosten schaffen - keine ganz neue Forderung, aber eine, die nun an Bedeutung gewinne. «Die EEG-Umlage muss nicht nur gedeckelt werden. Das ist ein erster Schritt, aber am Ende brauchen wir mehr als eine leichte Entlastung.»

Die Umlage, mit der Verbraucher in Industrie und Haushalten die Förderung des Ökostromausbaus finanzieren, soll ab 2021 auch durch Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt gesenkt werden. Sie gleicht die Differenz aus Börsenstrompreisen und Einspeisevergütungen für Betreiber von Windkraft- oder Solaranlagen aus. Weil Strom im Großhandel wegen der Corona-Krise billiger wurde und Erzeugerpreise gleichzeitig garantiert sind, wird die Kostenlücke immer größer.

«Das Vorhandensein von genügend erneuerbarer Energie ist natürlich wichtig», meinte Wösten. «Aber das muss zu wettbewerbsfähigen Konditionen erfolgen. Wir hoffen, dass es spätestens im Herbst weitere Initiativen aus der Politik gibt.» Das Konjunkturpaket müsse nachgebessert werden. Bisher ist geplant, dass etwa auch Einnahmen aus dem neuen CO2-Preis die EEG-Umlage mit entlasten sollen.

Der VCI-Bundesverband hatte sich ebenfalls für weitere Schritte ausgesprochen: «Der Inhalt und das Timing für das Paket stimmen. Es springt aber zu kurz, denn es ist kein Wachstumsprogramm für die notwendige Transformation in Deutschland.» Der Chef der Gewerkschaft IG BCE, Michael Vassiliadis, nannte die Bundeszuschüsse für die Ökostromumlage «überfällig». Damit sei es aber nicht getan. «Nun ist der Einstieg in den Umstieg gemacht, weitere Schritte müssen folgen.»

Allgemein machten sich viele Chemiebetriebe Sorgen, sagte Wösten. «Die verschärfte Wettbewerbssituation ist in der Corona-Krise stärker zutage getreten.» Von Großunternehmen bis zu Mittelständlern meldeten 70 Prozent Auftragsrückgänge, davon 40 Prozent schwere Einbußen. Dies könnte wegen der hohen Vernetzung mit anderen Branchen weiter ausstrahlen, warnte Wilkens. «40 Prozent der Gießerei-Chemikalien gehen in den Motorenguss, ein großer Teil auch in die Windanlagenproduktion.» Hinzu kämen Maschinen- und Schiffbau.

Die Pharma-Sparte sei angesichts der erhöhten Nachfrage nach Medikamenten zuletzt nur kurz angesprungen, viele Menschen hätten sich mit Grundwirkstoffen eindecken wollen. «Daher erwarten wir, dass wir in den nächsten Monaten eher Rückgänge haben.» Eine Rückholung von Basisarzneien aus China und Indien sei so leicht nicht möglich. «Oft rechnet sich eine Produktion von Wirkstoffen in Deutschland nicht mehr. Wir müssen die vorhandene Produktion in Europa halten, vielleicht können wir auch bestimmte Antibiotika zurückholen.»

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren