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König oder Bettelmann

16.04.2018 - Wochenlang wurde nicht nur in München über den Nachfolger des scheidenden Bayern-Trainers Jupp Heynckes spekuliert, diskutiert und philosophiert. Über die Eigenschaften, die jener mitbringen müsse, über das Anforderungsprofil, über den Charakter, über Oberigkeitshörigkeit und Hemdsärmeligkeit, über die Muttersprache, über Erfahrung und Konzept und über was weiß ich nicht alles, diskutiert. Und nun ist die Nachrichtenbombe „Niko Kovac“ geplatzt – und mit ihr Frankfurts Sportdirektor Fredi Bobic gleich dazu.

  • Niko Kovac muss sich in diesen tagen warm anziehen: Bei den Bayern-Fans steht der ehemalige kroatische Nationaltrainer schon vor dem Amtsantritt in der Kritik, und mit Eintracht Frankfurt hat der 46-Jährige eigentlich noch Ziele... -...

    Niko Kovac muss sich in diesen tagen warm anziehen: Bei den Bayern-Fans steht der ehemalige kroatische Nationaltrainer schon vor dem Amtsantritt in der Kritik, und mit Eintracht Frankfurt hat der 46-Jährige eigentlich noch Ziele... - Foto: Carmen Jaspersen © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Frankfurts Sportdirektor Fredi Bobic schmollt zu Recht. Das Geschäftsgebaren des FC Bayern in Sachen Niko Kovac gehört zu den dunklen Kapiteln des Rekordmeisters – Foto: Gladys Chai von der Laag © dpa – Deutsche...

    Frankfurts Sportdirektor Fredi Bobic schmollt zu Recht. Das Geschäftsgebaren des FC Bayern in Sachen Niko Kovac gehört zu den dunklen Kapiteln des Rekordmeisters – Foto: Gladys Chai von der Laag © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Immer wieder Naldo: Der Brasilianer schoss Schalke mit seinem 2:0 zum Derbysieg und in den siebten Himmel. Nur den WM-Zug dürfte der 35-Jährige verpassen - Foto: Nordphoto © dpa – Deutsche Presse-Agentur

    Immer wieder Naldo: Der Brasilianer schoss Schalke mit seinem 2:0 zum Derbysieg und in den siebten Himmel. Nur den WM-Zug dürfte der 35-Jährige verpassen - Foto: Nordphoto © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Peter Stöger muss in Dortmund seinen Hut nehmen. Zwar konnte er den BVB stabilisieren, aber nach der 0:2-Niederlage im Derby hat er keinen Kredit bei den Fans mehr – Foto: Gladys Chai von der Laag
 © dpa – Deutsche Presse-Agentur...

    Peter Stöger muss in Dortmund seinen Hut nehmen. Zwar konnte er den BVB stabilisieren, aber nach der 0:2-Niederlage im Derby hat er keinen Kredit bei den Fans mehr – Foto: Gladys Chai von der Laag © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nachdem der Eintracht-Coach am vergangenen Donnerstag per Telefon gegenüber Bayerns Sport-Direktor Hasan „Brazzo“ Salihamidzic seine Zusage gegeben hatte (und natürlich vorab seine Vorgesetzten informiert hatte), verlegten die Frankfurter Verantwortlichen eine ursprünglich für Freitag, 13 Uhr, geplante Pressekonferenz extra auf 15 Uhr, um Fredi Bobic die Teilnahme zu ermöglichen. Blöd nur, dass sein Münchner Pendant bereits um 13 Uhr via Bayern TV die Verpflichtung von Kovac bekannt gab. Und noch blöder, dass die Medienabteilung des Rekordmeisters die Frankfurter Kollegen lediglich wenige Minuten vor der Ausstrahlung darüber informiert hatten.

„Mia san mia“

Da war es nur folgerichtig, dass Fredi Bobic auf der PK der Eintracht vollends die Fassung verlor und in einer gnadenlosen Wutrede über das  unprofessionelle, respektlose und von Indiskretion gezeichnete Vorgehen der Bayern herzog. Da Niko Kovac zudem fest und steif bei seiner Behauptung blieb, er sei erst am Donnerstag erstmalig sowohl mit der Aufgabenanfrage als auch mit dem Vertragsangebot konfrontiert worden, blieb in der Tat ein Vorgehensmakel am großen FCB hängen. Bobic monierte insbesondere, dass ein solch relevantes Thema bei seriösem Vorgehen niemals hätte kurz vor dem so wichtigen Auswärtsspiel in Leverkusen an Kovac hätte herangetragen werden dürfen. Wurde es aber und zwar in allerbester Münchner „Mia san mia“-Qualität.

Scheideweg

Was folgte, war - im Kampf um einen Europacup-Platz - bekanntermaßen eine satte 1:4-Klatsche bei Bayer 04 Leverkusen. Inwiefern die Vertragsgeschichte Einfluss auf die ungewohnt defensive Taktikwahl von Niko Kovac  Einfluss genommen hat, kann man nur spekulieren. Als sich sein Team beim Stand von 1:1 nach der Pause im 5-4-1-System verteidigend immer mehr hinten einigelte und die einzige Offensivkraft „KP“ Boateng in der Offensive „verhungerte“, fielen die Leverkusener Tore quasi zwangsläufig. Das sah für mich fast ein bisschen nach „Angst fressen Seele“ auf aus. Geht auch das morgige Pokal-Halbfinale auf Schalke verloren, könnte die bisher so tolle Frankfurter Saison noch ein ganz bitteres Ende nehmen: Verhältnis zu Bobic angekratzt, kein Pokalfinale und keine Europacup-Qualifikation. Niko Kovac steht am Scheideweg: Entweder er geht als König, oder er wird von den Fans mit Schimpf und Schande als Bettel-Mann vom Hof gejagt!

Königsweg

Davon ist Domenico Tedesco auf Schalke himmelweit entfernt. Nach dem hochverdienten und emotional gefeierten 2:0-Revier-Derbysieg gegen den doch einmal mehr arg enttäuschenden BVB schwebt der S04-Coach mit den Knappen auf Fußball-Wolke 7. Den zweiten Tabellenplatz bestätigt, den Erzrivalen dominiert und tabellarisch im Rücken gehalten, die Champions-League-Qualifikation fast in trockenen Tüchern. Da kam schon so etwas wie Übermut zu Vorschein, als er den Rasen nach Abpfiff küsste, sich von den Anhängern in der Kurve abfeiern ließ und – aller guten Dinge sind drei – schlussendlich freudetrunken Schalke-Boss Clemens Tönnies in die Arme fiel. Der Mann ist auf seinem königs(blauen) Weg zurzeit kaum zu stoppen. Respekt!

Irrweg

Den kann man durchaus auch Peter Stöger entgegen bringen, denn er verlor erst sein zweites Bundesliga-Spiel mit der Borussia aus Dortmund. Mit anderen Worten: Lediglich dem Klassenprimus (0:6) und dem Tabellenzweiten (0:2) unterlag der BVB unter seiner Regie. Allerdings war das Zustandekommen jeweils so eindeutig und zeigte dermaßen schonungslos die Schwächen der Dortmunder auf, dass wohl jeder, der an eine Zusammenarbeit zwischen Peter Stöger und dem BVB über das Saisonende hinaus glaubt, ziemlich sicher auf dem Irrweg ist. Das gilt übrigens auch für diejenigen, die glauben, die Misere in Dortmund sei ein alleiniges Trainerproblem…

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