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Selbstständig mit einer Autowerkstatt? Gar nicht so einfach

02.10.2019 - Gründen muss nicht zwangsläufig etwas mit Internet und Digital zu tun haben. Doch um eine Autowerkstatt aufzuziehen, braucht es mehr als nur eine Geschäftsidee.

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    © unsplash.com © Aaron Huber

Wer sich selbstständig machen will, muss auch darauf achten, dass es über viele Jahre hinweg eine konstante Nachfrage nach seinem Produkt bzw. seiner angeboten Dienstleistung geben wird. Was das anbelangt, ist eine Autowerkstatt nach wie vor eine sehr gute Idee – denn trotz Verkehrswende steigen nach wie vor die Fahrzeugbestände der Republik. Allerdings ist es bei weitem nicht damit getan, gerne an Autos zu arbeiten. Wer erfolgreich eine Werkstatt gründen will, braucht sehr viel mehr. Was, das zeigen wir jetzt.

Die große Hürde namens Meister

Jeder kann einen Onlineshop gründen. Jeder kann sich als Fotograf selbstständig machen. Doch um auf eigene Rechnung Fahrzeuge reparieren zu dürfen, ist in Deutschland nach wie vor ein Meistertitel als Kfz-Mechatroniker vonnöten – weil bei der Autoreparatur praktisch alles Sicherheits- und/oder Umwelt-relevant ist. Für den Gründer in Spe gibt es deshalb zwei Optionen:

  • Man durchläuft eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker und geht danach zur Meisterschule. Das dauert summa summarum viereinhalb bis sieben Jahre – je nachdem, ob man in Voll- oder Teilzeit zum Meister wird. Für die Meisterschule allein kann man ein bis dreieinhalb Jahre ansetzen.
  • Man stellt einen Meister ein, über den die Anmeldung und Eintragung in die Handwerksrolle abläuft. Das geht zwar wesentlich schneller, hat aber den großen Nachteil, dass man zwingend auf diesen Meister angewiesen ist.

Zwar gibt es auch noch eine dritte Option, bei der man einfachste Service-Arbeiten auch ganz ohne Meister durchführen darf. Das ist aber so wenig, dass es kaum für ein tragfähiges Business ausreicht.

Ganz neu oder übernehmen?

Meistertitel oder angestellter Meister sind vorhanden. Dann stellt sich die nächste wichtige Frage: Gründet man die Werkstatt bei Null oder übernimmt man ein bestehendes Haus? Beides ist mit Vor- und Nachteilen versehen:

  • Eine bestehende Werkstatt ist meist die insgesamt günstigere Variante. Man bekommt eine voll funktionsfähige und ausgestattete Werkstatt. Ein gewisser Kundenstamm gehört immer dazu, vielleicht sogar schon erfahrene Angestellte. Bloß: Es gibt einen Grund, warum da jemand seine Werkstatt veräußert. Und wenn das wirtschaftliche Gründe sind, muss man häufig nicht bei Null gründen, sondern „im negativen Bereich“ und gegen einen vielleicht schlechten Ruf ankämpfen. Außerdem steht der Standort felsenfest – nicht nur mit seinen Vor-, sondern auch Nachteilen.
  • Eine neu zu gründende Werkstatt ist ein teureres Unterfangen. Man muss sehr wahrscheinlich bauen oder zumindest ein bestehendes Gebäude umbauen – und immer sind dazu hohe umweltrechtliche Auflagen einzuhalten, denn bei der Reparatur/Wartung von Fahrzeugen fallen diverse Schadstoffe zwischen Öl und Bremsflüssigkeit an. Dafür aber kann man den Standort frei wählen und mit einem neutralen Ruf bei den Kunden beginnen – was aber natürlich auch ein Nachteil sein kann, weil man sich erst etablieren muss.

Natürlich sind die Antworten hierauf fallabhängig und somit in höchstem Maß subjektiv. Wenn jemand rein aus Altersgründen eine gutgehende Werkstatt veräußert, wäre es schlicht sträflich falsch, stattdessen mit seiner eigenen Werkstatt bei Null zu starten. Bloß ist das häufig die Ausnahme, sodass die „generell“ bessere Lösung die völlige Neugründung ist.

Geld muss her

Man kann sich als App-Entwickler mit wenig mehr als ein paar hundert Euro für einen Laptop selbstständig machen. Für eine Autowerkstatt braucht es, vor allem heute, sehr viel mehr. Hier nur mal ein kleiner Auszug:

  • Das Gebäude an und für sich mit allen Anlagen, die staatlicherseits vorgegeben werden.
  • Hebebühnen und Grube (im Optimalfall ist beides vorhanden).
  • Allgemeine Handwerkszeuge.
  • Elektronische Werkzeuge (Diagnosegeräte, Motortester usw.).
  • Spezialwerkzeuge, wie sie häufig nur für einen Hersteller, einen Fahrzeugtyp oder sogar nur eine Variante benötigt werden.

Zudem muss alles davon „Werkstattqualität“ haben. Baumarkt-Werkzeug würde im harten Geschäftsbetrieb schon nach kurzer Zeit die Segel streichen. Tatsächlich ist die Autowerkstatt daher eine der teuersten Gründungen mit mindestens sechsstelligen, oft sogar höheren Kosten.

Dazu braucht es wiederum einen Firmenkredit. Den vergibt aber nicht jedes Kreditinstitut, sodass man sich zuvor in jedem Fall bei dem Beratungsspezialisten FinCompare umsehen muss, der genau solche Angebote vergleicht.

Gleichsam sollte man in jedem Fall eruieren ob und für welche staatlichen Zuschüsse man infrage kommt. Die dafür zuständige Anlaufstelle ist die Förderdatenbank des Bundeswirtschaftsministeriums – sowohl Länder wie Bund und EU haben hier mehrere Fördertöpfe.

Die Ausrichtung klären

Autowerkstatt ist nicht gleich Autowerkstatt. Viele arbeiten als Markenwerkstatt mit offizieller Rückendeckung des Autoherstellers. Andere sind „inoffizielle“ Markenwerkstätten, einfach weil sie sich auf die Produkte bestimmter Hersteller fokussiert haben. Wieder andere sind freie Werkstätten, die alle zeitgenössischen Autos abdecken und dann gibt es noch eine Reihe von Spezialfällen – Oldtimerwerkstätten, Gelände- oder Sportwagenspezialisten.

Auch wenn dieser Punkt an vierter Stelle dieses Textes steht, wird man sich in der Realität schon viel früher darüber Gedanken machen müssen. Denn die Ausrichtung ist einer der wichtigsten Faktoren für den Businessplan und somit für fast alles weitere bestimmend. Dazu muss man mehreres analysieren:

  • Wie ist es um die generelle Markenverteilung in der Region bestellt? Hier sind die Statistiken des KBA abermals eine wertvolle Hilfe.
  • Wie ist das Gehaltsniveau in der Region? In einer eher armen Region wäre es beispielsweise schwer, eine Oldtimerwerkstatt zu betreiben, wo diese es in einem reichen Gebiet viel leichter hätte, weil dort automatisch auch die Zahl derartiger automobiler Steckenpferde höher ist.
  • Wie soll die Zukunft aussehen? Momentan stehen die Signale eher gegen den Diesel und in Richtung E-Auto. Durch eine Spezialisierung könnte man sich just heute, wo noch nicht viele Werkstätten wirklich Elektro-tauglich sind, einen Vorsprung verschaffen.

Hierbei sollte man immer bedenken, dass der Markt für Autoreparaturen gutbestückt ist. Je mehr man neben den Standards auch Nischen bedient, desto besser sind die Chancen.

Anmelden und loslegen

Was nun folgt, sind vor allem Amtsgänge: Gewerbeanmeldung, Eintragung in die Handwerksrolle, Abnahmen und dergleichen. Das wird viel Zeit in Anspruch nehmen, bevor man auch nur an einem Auto die Bremsbeläge wechseln darf.  

Aber: So sehr es einen auch nun jucken mag, endlich mit dem Geldverdienen zu beginnen, so lebensnotwendig ist es doch auch, groß die Werbetrommel zu rühren. Ein Online-Auftritt, auch auf den Sozialen Netzwerken, ist heute Pflicht. Doch weil Autoreparatur nach wie vor ein sehr regionales Geschäft ist, kommt man nicht umhin, auch auf klassische Weise die Werbetrommel zu rühren – Zeitungsanzeigen, Radio-Spots und natürlich auch die mit hohen Streuverlusten behaftete, aber unvermeidbare Business-Karte, die man auf Parkplätzen an Autos hinterlässt.

Ja, es ist ein weiter Weg, bis man auf eigene Rechnung schrauben kann. Aber wer wirklich Benzin im Blut hat, wird sich davon nicht abschrecken lassen. Denn es winkt ein Geschäft, das auch in vielen Jahrzehnten trotz Mobilitätswandel noch notwendig sein wird – selbst wenn die Welt voll von Carsharing-E-Autos ist, brauchen auch diese immer noch Wartung und Reparatur.

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