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Was macht eigentlich eine Fachkraft für Lagerlogistik?

17.05.2019 - Peter M. ist Leiter der Logistik in einem großen Industriebetrieb und bildet Fachkräfte für Lagerlogistik aus. Wir haben ihn gefragt, worauf es in diesem Beruf ankommt und was interessierte Bewerberinnen und Bewerber für eine Logistikausbildung mitbringen müssen.

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Was macht aus Ihrer Sicht die Arbeit in der Lagerlogistik aus? 

Ganz klar die Vielschichtigkeit, denn in der Lagerlogistik hat man verschiedene kaufmännische und praktische Tätigkeiten. Man arbeitet im Büro am Computer, ist aber auch im Lager und in der Produktion unterwegs, um Waren anzunehmen, zu transportieren und einzulagern. Wenn man die Büroarbeit mag, aber nicht den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen möchte, hat man eine gute Abwechslung.  
 
Was sind typische Tätigkeiten und welche Kenntnisse braucht man dafür?

Ein Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge ist wichtig, denn mit jeder Warenbewegung werden auch Werte bewegt. Die Warenbewegungen werden im Warenwirtschaftssystem erfasst. Dabei arbeiten wir mit einer Barcode-Technologie: Paletten, Packstücke und Lagerplätze sind mit Barcodes versehen, die mit einem Handgerät gescannt werden. Die Daten werden automatisch an das System übermittelt. So verwalten wir das Lager und führen unsere Bestände. Auf Knopfdruck können wir sehen, welche Menge eines Artikels sich an welchem Lagerplatz befindet. 

Außerdem muss man sich als Fachkraft für Lagerlogistik mit Lagerbedingungen auskennen und wissen, welchen Einfluss Temperatur, Luftfeuchtigkeit und andere Parameter auf die Waren haben. Kenntnisse über die Produktionsabläufe sind ebenfalls sehr wichtig, denn man übernimmt auch die Materialbereitstellung in der Produktion. 

Beim Versand sind dann Kenntnisse in der Ladungssicherung gefragt, damit die Ware unversehrt ankommt. Daneben ist auch Wissen über die Lieferbedingungen wichtig. Die Abkürzung EXW beispielsweise steht für „Ex Works“ und bedeutet „Ab Werk“. In diesem Fall stellen wir als Verkäufer unserem Kunden die Ware an einem benannten Ort zur Verfügung. Für die Abholung und Verladung ist der Kunde dann selbst verantwortlich. 

Das klingt tatsächlich abwechslungsreich! Dabei denken viele Menschen, eine Fachkraft für Lagerlogistik trägt den ganzen Tag nur schwere Pakete von A nach B…

Ja, unter diesem Klischee leidet der Beruf noch immer. Auch Jugendliche, die sich um einen Ausbildungsplatz zur Fachkraft für Lagerlogistik bei mir bewerben, kommen oft mit ganz anderen Vorstellungen.
 
Wie räumen Sie mit dem Klischee auf? 

Wenn ich einen Bewerber für geeignet halte, biete ich ein Probearbeiten an. Dann kann sich der Jugendliche ein genaues Bild von dem Beruf und von unserem Betrieb machen. Und umgekehrt: Wir als ausbildendes Unternehmen können den Bewerber ebenfalls besser kennen lernen. Wenn beide Seiten dann das Gefühl haben, dass es passt, steht dem Abschluss eines Ausbildungsvertrages nichts mehr im Weg.  
 
Wie läuft so ein Probearbeiten ab? Welche Aufgaben lernen die Bewerber kennen? 

Jeder Tag ist ein bisschen anders, weshalb sich auch jedes Probearbeiten etwas anders gestaltet. Natürlich gibt es Aufgaben, die sich regelmäßig wiederholen. Darüber hinaus treten auch immer mal wieder Probleme auf, die schnell gelöst werden müssen. 

Zu den regelmäßigen Aufgaben gehören beispielsweise die Wareneingänge. Zunächst wird geschaut, ob zu der Lieferung auch eine Bestellung vorliegt. Dann wird überprüft, ob die Lieferung den richtigen Artikel in der richtigen Anzahl enthält. Und natürlich wird darauf geachtet, dass die Lieferung keine Beschädigungen aufweist. Der Wareneingang wird dann in unserem Warenwirtschaftssystem gebucht. 

Eine weitere Aufgabe aus dem Arbeitsalltag ist die Maschinenversorgung und -entsorgung. Maschinenversorgung bedeutet, dass die Materialien, die für den Herstellungsprozess benötigt werden, zur richtigen Zeit an der richtigen Maschine sind. Maschinenentsorgung bedeutet, dass die hergestellten Teile von der Maschine weggebracht werden. Halbteile werden zwischengelagert, bis sie für den nächsten Prozessschritt benötigt werden; fertige Produkte werden bis zum Versand eingelagert.

Beim Versand spielt dann die Ladungssicherung eine große Rolle: Mit Hilfe von Spanngurten, brettern, Anti-Rutschmatten und Luftsäcken wird die Ladung so gesichert, dass sie nicht rutschen, umkippen oder andere Teile der Ladung beschädigen kann. Die Ware soll schließlich heile an ihrem Bestimmungsort ankommen!

Auf welche Eigenschaften achten Sie bei Bewerbern besonders? 

Ganz wichtig ist ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen: Dafür, wie die Ware ins Lager - sprich in die Regale - passt, und dafür, wie die Ladung auf den LKW passt. Weitere wichtige Eigenschaften sind eine schnelle Auffassungsgabe, das Denken in Prozessen und Abläufen, Problemlösungsdenken und eine gute Allgemeinbildung. Natürlich sollte der Bewerber auch gut organisieren und koordinieren können.
 
Welche Rolle spielen der Schulabschluss und das Geschlecht?

Hinsichtlich des Schulabschlusses sind wir relativ offen; wichtig ist uns, dass der Bewerber oder die Bewerberin motiviert ist und Interesse an dem Beruf zeigt. Auch Körperkraft ist nicht entscheidend, um Fachkraft für Lagerlogistik zu werden. Um schwere Sachen zu bewegen, stehen Stapler, Hubwagen und andere Flurförderzeuge zur Verfügung. Auch junge Frauen können sich daher gerne bewerben.  
 
Was verdient man als Fachkraft für Lagerlogistik? 

In unserem Ausbildungsbetrieb gilt ein Tarifvertrag: Im ersten Jahr beträgt die Ausbildungsvergütung 810 €, im zweiten 860 € und im dritten Jahr dann 960 €.  Das Einstiegsgehalt von ausgelernten Fachkräften für Lagerlogistik ist je nach Branche sehr unterschiedlich, um die 2.000 € sollten aber mindestens drin sein. Je nachdem, wie im Betrieb gearbeitet wird, können zum Grundgehalt noch verschiedene Zulagen dazu kommen, z. B. für Nachtschichten oder Sonntagsarbeit, die teilweise steuerfrei gezahlt werden.  
 
Welchen Rat können Sie Jugendlichen geben, die bald mit der Schule fertig sind? 

Natürlich sollten sich die Schülerinnen und Schüler gut über ihren Wunschberuf informieren. Genauso wichtig ist daneben die Information über den Ausbildungsbetrieb. Zwar gibt es eine allgemein gültige Ausbildungsordnung für Fachkräfte für Lagerlogistik, die genaue Ausgestaltung der Ausbildung ist aber von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich. So kann in einem Unternehmen der Schwerpunkt auf dem Kommissionieren von Kleinteilen liegen, in einem anderen auf dem Bewegen von palettierter Ware. Praktika und Ferienjobs sind da gute Gelegenheiten, nicht nur den Beruf, sondern auch den Ausbildungsbetrieb kennenzulernen. 

Vielen Dank für das Gespräch.

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