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Follow my Style: Wie Fashion-Blogger die Modewelt beeinflussen

27.05.2019 - Leicht, farbenfroh, asymmetrisch und vor allem stylish – was für die nächste Sommersaison modisch angesagt ist, bestimmen immer stärker Blogger und Influencer. Für viele meist junge Modeblogger, Fashionblogger und Mode-Influencer hat sich mit dem Bloggen ein persönlicher Traum erfüllt. Aus vielen, die vor wenigen Jahren ihrer Leidenschaft gefolgt sind und über neue Marken und Lieblings-Outfits gebloggt haben, sind heute wichtige Influencer geworden. Sie haben inzwischen gestandenen Moderedakteuren den Rang abgelaufen – die Modewelt kooperiert immer öfter mit den Fashionistas der sozialen Netzwerke.

  • Wie die gelungene Selbstinszenierung funktioniert, haben Modeblogger bis zur Perfektion optimiert. © pixabay.com / melancholiaphotography (CCO public

    Wie die gelungene Selbstinszenierung funktioniert, haben Modeblogger bis zur Perfektion optimiert. © pixabay.com / melancholiaphotography (CCO public domain)

Trendberuf Blogger

Wenn sich eine Elite-Hochschule wie die amerikanische Harvard Universität mit einer Fashion-Bloggerin beschäftigt, dann ist ein Trend wirklich in der Gesellschaft angekommen. Objekt einer Fallstudie der Harvard Business School war bereits 2015 die italienische Fashion-Bloggerin Chiara Ferragni, die mit ihrem Blog „The Blonde Salad“ bis heute eine beispiellose Karriere hingelegt hat. Obwohl sie erst 2009 ihren Blog gestartet hatte, hat sie bereits sechs Jahre später einen Jahresumsatz von 10 Millionen Dollar erwirtschaftet.

Auszeichnungen wie „Top Digital Leader“, mehrere Modelaufträge für große Modelabels, eine eigene Schuh-Kollektion und ein eigenes Geschäft in Mailand – die Italienerin hat sich innerhalb von zehn Jahren ganz nach oben gebloggt. Die Modeinstitution „Vogue“ und das Forbes Magazin haben sie zur erfolgreichsten Influencerin auf der Welt gekürt, zurecht, denn 14 Millionen Follower können nicht irren.

Den Traum dieser kometenhaften Karriere träumen viele, die ihren eigenen Modegeschmack über Instagram und Co. verbreiten. Ein höchst aussichtsreiches Geschäft, die zehn erfolgreichsten Modeblogger der Welt erreichen immerhin 32 Millionen Menschen – Tendenz steigend. Die Aufstiegschancen sind gigantisch, deswegen eifern ihnen ganze Heerscharen hinterher.

Modetrends von der Straße

Es ist kaum mehr genau nachzuvollziehen, woher manche Modetrends wie die neue, lange Bademode genau kommen. Vieles, was italienische Modelabels in ihrer Sommerkollektion präsentieren, beweist sich oft erst dann, wenn sie von Trendsettern und angesagten Bloggern weiterverbreitet werden. Auch umgekehrt funktioniert der Trend – so bieten viele der erfolgreichsten Mode-Blogger nicht nur ein dekoratives und einflussreiches Vermarktungsmittel, sie werden oft selbst zum Modeschöpfer.

Die Liga der Fashion-Blogger ist längst selbst aufgestiegen und inzwischen erfolgreich mit eigener Mode- und Schmuckkollektion oder als Markenbotschafter für namhafte Kosmetikunternehmen. Ob Aimee Song, Kristina Bazan oder Julia Engel: Die Modeindustrie setzt auf die jungen Hoffnungsträger und sie kooperieren nur zu gerne mit ihnen. Kein Wunder, dass viele in der etablierten Modewelt um ihren Einfluss fürchten. So wetterte die Chefin der Vogue, Anne Wintour, schon vor Jahren offiziell gegen die Modeblogger. Inzwischen sitzen bei großen Modeschauen nicht mehr gestandene Journalisten oder Einkäufer in der ersten Reihe, sondern zum Teil blutjunge Influencer. Ein bitterer Trend für die etablierte Modepresse, aber nicht mehr aufzuhalten.

Früh übt sich, wer Mode-Trends setzen will – Hauptsache, eine Idee ist frisch und unverbraucht. © pixabay.com / esudroff (CCO public domain)Früh übt sich, wer Mode-Trends setzen will – Hauptsache, eine Idee ist frisch und unverbraucht. © pixabay.com / esudroff (CCO public domain)

Demokratisierung der Mode

Was Modetrend in der nächsten Saison wird, bestimmen schon längst nicht mehr nur renommierte Modehäuser. Die Käufer und die User der sozialen Netzwerke setzen inzwischen die Maßstäbe, was gefällt und was nicht. Insofern kann man durchaus von einer Demokratisierung der Modewelt sprechen. In Form von Likes und Followern bestätigen die Blogbeiträge ihre Wichtigkeit, daraus entwickeln sich Trends, entstehen neue Stilrichtungen.

Viele tausend Fashion-Blogger weltweit versuchen, sich in dem Beruf einen Namen zu machen. Ein Beruf, der nicht geschützt ist und für den es keine geregelte Ausbildung gibt. Doch von den mittlerweile geschätzten 5.000 Modebloggern allein in Deutschland können inzwischen immer mehr (jeder 25. unter ihnen) davon leben. Es hat sich mit ihnen ganz nebenbei ein Beruf etabliert, von dem die gesamte Modebranche profitiert. Was macht sie so erfolgreich und worin liegt ihr Geheimnis?

Wie funktioniert das Geschäft mit dem Bloggen?

Bei vielen rangiert die Arbeit von Fashionbloggern gemeinhin als Hobby – in der reinen Berufung hat der Erfolg tatsächlich seinen Ursprung. Als das Modebloggen entstand, wollten die Blogger ursprünglich erst mal nur ihren ganz privaten Alltag mit anderen teilen, ihren eigenen Stil präsentieren oder Outfits von anderen kommentieren. Der rein private Charakter ihrer Blogposts ist ein wichtiges Erfolgs-Kriterium. Durch den echten, authentischen Charakter ihrer Beiträge erreichen sie viele Menschen in ihrer Altersklasse.

Modemarken und Kosmetikhersteller finden durch die Blogger eine ganz neue Vermarktungsstrategie: Anstatt aufwendige Werbekampagnen zu erstellen, statten sie einfach Blogger mit ihren Kleidungsstücken aus. Erfolgreiche Modeblogger erhalten täglich viele Päckchen voll kostenloser Designerware, die sie auf hoffentlich auf einem ihrer nächsten Bilder tragen und fotografieren lassen. Die Blogger wählen einfach aus, was ihnen am besten gefällt. Natürlich können die Blogger auch alle Teile behalten oder weiterverkaufen.

Alles das scheint ein echter Traumjob zu sein. Doch was so leicht und unverbraucht auf den Fotos aussieht, ist längst nicht mehr so einfach wie zu Beginn. Anders als echte spontane Style-Selfies investieren Mode-Blogger heute eine Menge Zeit und Aufwand in die Produktion ihrer Fotos. Die erfolgreichen unter ihnen arbeiten bis zu zehn Stunden täglich dafür – letztlich ohne Auftrag und immer unsicher darüber, ob ihr Geschmack in der schnell wechselnden Online-Welt immer noch ankommt.

Privat, unverbraucht und echt

Der Erfolg von Bloggern drückt zum einen aus, wie wenig Verbraucher heute nicht mehr bereit sind, sich Modetrends einfach von oben aufdrücken zu lassen und wie groß die Sehnsucht nach dem Echten, Unverbrauchten geworden ist. Dabei gibt es immer neue Zielgruppen. Längst sind es nicht mehr nur junge Frauen, die als Bloggerinnen für andere Frauen ein Stilvorbild sind.

Als einer der erfolgreichsten männlichen Modeblogger Deutschlands galt der im Mai 2019 verstorbene Carl Jakob Haupt. Der Erfinder vom Blog „Dandy Diary“ oder „Fashion Porn“ war nicht nur erfolgreich als Blogger, er galt als Künstler in der Modeszene und hat selbst maßgeblich Trends beeinflusst. Und auch das Alter ist nicht mehr ein entscheidendes Kriterium für Erfolg als Modeblogger: Mit über 104 Jahren gilt die Schwedin Dagny Bojan Carlsson als älteste Modebloggerin der Welt. Auch alte Model-Ikonen wie Carmen Dell’Orefice oder Iris Apfel beweisen mit über 90 Jahren, dass in der Modewelt heute andere Gesetze herrschen.

Es gefällt eben nicht mehr nur, wer makellos und schön ist, sondern wer echt, authentisch und originell ist. Von diesem Trend profitieren letztlich nicht nur die Models und Modeblogger, sondern letztlich die gesamte Bevölkerung.

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