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Polizei und Verbraucherschützer warnen vor Abzocke

10.04.2018 - Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit - schon ist die Tür zu und der Schlüssel steckt drinnen. Hilfe bringt ein Schlüsseldienst. Doch in der Branche gibt es schwarze Schafe. Experten raten zur Vorsicht und geben Tipps.

  • Mitarbeiter eines Schlüsseldienstes baut ein defektes Türschloss aus. Foto: Holger Hollemann/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Mitarbeiter eines Schlüsseldienstes baut ein defektes Türschloss aus. Foto: Holger Hollemann/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mainz (dpa/lrs) - Eine aus Versehen verschlossene Haustür kann für Betroffene zu einer teuren Angelegenheit werden. Denn in Rheinland-Pfalz treiben nach Einschätzung von Polizei und Verbraucherschützern unseriöse Schlüsseldienste ihr Unwesen. Die verlangen für ihren fragwürdigen Service Preise fernab des Normalen.

Es gebe seit Jahren zahlreiche Beschwerden, sagte der Rechtsreferent der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Mainz, Christian Gollner. «Die verlangten Preise stehen in keinerlei Verhältnis zur erbrachten Leistung. Da werden Fantasiepreise verlangt.» Die Masche sei stets die gleiche. Die Notsituation der Menschen werde ausgenutzt, sie würden an der Tür unter Druck gesetzt und sollten sofort bar oder mit EC-Karte zahlen.

Während der durchschnittliche Preis für eine Türnotöffnung in Rheinland-Pfalz einer Umfrage der Verbraucherzentralen zufolge zwischen 50 und 100 Euro sowie am Wochenende zwischen 70 und 250 Euro liegt, werden laut Gollner bei unseriösen Anbietern bis zu 700 Euro verlangt, bei einem kompletten Austausch eines Schlosses sogar mehr als 1000 Euro. Material werde unnötig teuer abgerechnet und es würden unnötige Arbeiten verrichtet.

Wie viele solcher Fälle von Wucher es im Land gibt, lässt sich nicht sagen. Denn laut Landeskriminalamt (LKA) wird dieses Vorgehen in der Polizeilichen Kriminalstatistik nicht als eigenes Phänomen erfasst. Das Polizeipräsidium Westpfalz spricht in seiner Region etwa von elf bekannten Fällen seit August vergangenen Jahres.

Gängig sei, dass Betroffene eine im Internet stehende Telefonnummer - etwa eine kostenfreie 0800er-Nummer - anriefen und dann in einem Callcenter landeten, erklärte Sprecherin Christiane Lautenschläger in Ludwigshafen. Von dort werde ein Schlüsseldienst geschickt, der dann «exorbitante Summen» verlange und damit drohe, sonst die Tür einfach wieder zu verschließen. «Die meisten Opfer zahlen dann knurrend den geforderten Betrag, um wieder in ihre vier Wände zu kommen.»

Auch nach Angaben des Mainzer Polizeipräsidiums gab es zuletzt mehrfach Strafanzeigen wegen überhöhter Rechnungen von Schlüsseldiensten. Ende März schloss sich beispielsweise ein 23-jähriger Mainzer aus und sollte dann für das Öffnen seiner Tür 1150 Euro in bar zahlen. Rückfragen nach dem Firmensitz wurden von den vermeintlichen Helfern nicht beantwortet; der junge Mann erstattete schließlich Anzeige.

Wenige Wochen zuvor war laut Polizei eine 79-Jährige in Mainz wegen eines defekten Schließzylinders nicht mehr in ihre Wohnung gekommen. Binnen Sekunden konnte ein Schlüsseldienst die Tür öffnen, gab vor, das Schloss ausgetauscht zu haben und wollte mehr als 1800 Euro. Die überrumpelte Frau zahlte per EC-Karte und bemerkte später, dass das Schloss gar nicht ausgetauscht worden war. Bei dem Schlüsseldienst konnte sie keinen erreichen; sie erstattete Anzeige wegen Betrug und Wucher.

Typische Opfer gibt es nach Einschätzung der Verbraucherschützer nicht. Es treffe alle möglichen Bevölkerungsschichten, sagte Gollner. «Das kann der Student sein, der von der Party heimkommt, der Senior oder auch die Familienmutter, die kurz im Keller war.» Die Verbraucherzentrale gehe von Wucher aus, wenn ein verlangter Preis doppelt so hoch sei wie normal. «Bei unseriösen Schlüsseldiensten wird das um ein Mehrfaches überschritten.»

Gollner rät, vorab schon den Preis für eine Türöffnung abzuklären. Es sei nicht zu empfehlen, bei einer Suche im Internet gleich den ersten Eintrag aus einer Suchmaschine zu nehmen. Dort fänden sich vermeintlich günstige Angebote ab acht Euro. «Gerade hier ist Vorsicht geboten, denn diese Preise sind nur Lockangebote.» Vor Ort würden viel höhere Beträge verlangt, vereinzelt werde verlangt, zum Geldautomaten zu gehen, wenn nicht genug Bares im Haus sei.

Am besten sei es, sich vorab zu überlegen, wen man im Notfall kontaktieren möchte - etwa einen niedergelassenen Handwerker, sagte Gollner. Dessen Kontaktnummer könne etwa auf einem Aufkleber unter der Fußmatte notiert werden. Oder man hinterlegt einen Schlüssel bei Nachbarn und Freuden. Das LKA rät zudem, nur zu zahlen, wenn eine detaillierte Rechnung vorliege. Wenn man sich unter Druck gesetzt oder bedroht fühle, solle man nicht zögern, den Polizeinotruf zu kontaktieren.

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