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Sexfaktor Sport

13.06.2018 - Hochseilgarten statt Parkbank? Gute Idee: Experten sagen, warum wir uns in spektakulären Situationen leichter verlieben! Alles über den Bewegungs-Erregungsflow.

  • Sportliche Aktivitäten garantierten nicht nur den Adrenalinkick, sondern fördern auch die Flirtlaune! ©

    Sportliche Aktivitäten garantierten nicht nur den Adrenalinkick, sondern fördern auch die Flirtlaune! © Corbis

Wenn es um das andere Geschlecht geht, macht Daniel intuitiv eine Menge richtig. Eine attraktive Frau, die er kennenlernen will, lädt der Münchner Kameramann nicht etwa auf einen Kaffee ein, sondern zum Kajakfahren: "Es sagt viel aus, wie sich Menschen in Stromschnellen verhalten: ob sie durchdrehen oder gelassen mit der Situation umgehen", erklärt der 29-Jährige. Die Stromschnelle als Beziehungsbeschleuniger löst darüber hinaus einen Mechanismus aus, den Wissenschaftler mit Interesse verfolgen: Extreme Aufregung führt zu einer erhöhten Adrenalinausschüttung - das ist bekannt.

Weniger bekannt ist, dass im Adrenalinrausch offensichtlich auch noch andere Gefühle in Wallung geraten: Wenn Angst im Spiel ist, tendieren wir dazu, unser Gegenüber als attraktiver wahrzunehmen als im Ruhezustand. Wir projizieren unsere Erregung auf die Attraktivität dieser Person und es entstehen Verliebtheitsgefühle. Nicht immer - aber auf jeden Fall öfter als ohne Adrenalinkick. Die Forschung hat einen schönen Ausdruck dafür gefunden: Erregungstransfer oder etwas krasser "Fehlattribution von Erregung".

Endorphine sorgen für "Schmetterlingsgefühle"
Wie das funktioniert, stellten Forscher in Zusammenarbeit mit dem bekannten Erlebnisexperten Jochen Schweizer kürzlich an einem Bungeeturm nach. Vor dem Sprung wurden einem Probanden Fotos attraktiver Frauen vorgelegt, die er mit Noten bewerten sollte. Ein Foto bekam von ihm die Note 7, der Rest der Damen lag bei einem Durchschnittswert von 5. Nach dem Sprung fand der Bungeejumper die Fotos erregender und vergab auch deutlich mehr Punkte. "Man ist richtig high, spürt die Endorphine durch das Blut jagen", beschrieb der Proband seinen Zustand und vermutete, dass die subjektiv empfundene Gefahr mehr Hormone freisetzte als eine einfache Begegnung im Supermarkt.

Dass Liebe offensichtlich durch Erregungszustände intensiviert wird, die andere Ursachen als romantische haben, beschäftigt auch den renommierten Beziehungsforscher Prof. Manfred Hassebrauck. In seinem Ratgeber "Alles über die Liebe" beschreibt er, dass so ein Erregungszustand auch durch eine erfolgreiche Prüfung oder einen Spurt zur Bushaltestelle ausgelöst werden könne. Die körperlich spürbare Wirkung sei die gleiche: Das Herz schlägt bis zum Hals, die Hände werden feucht, der Puls rast. Interessant ist dabei die zeitliche Verzögerung. Obwohl wir glauben, wir seien wieder ganz ruhig und unsere Gefühlskurve auf Ausgangsniveau, ist die messbare Intensität immer noch deutlich erhöht: "Wenn nun in dieser Phase, in der das Erregungsniveau in unserem Körper immer noch unbemerkt hoch ist, eine sehr attraktive Person in unserem Blickfeld auftaucht, dann addieren sich die noch vorhandene Resterregung und die neue Erregung", hat Experte Hassebrauck herausgefunden.

Flirtflut im Fitnessstudio?
Das Credo der Psychologen, wenn wir uns mal wieder richtig verlieben wollen? Gehen Sie klettern! Stürzen Sie sich in die Tiefe, schnappen Sie sich ein Surfbrett oder Kite! Hauptsache Nervenkitzel! Das bestätigt auch der Erlebnispädagoge Johannes Vogler und nennt noch andere Gründe, warum Grenzerfahrungen in der Natur zielführend sind: "Im Alltag kann man sich verstellen, das heißt, eine Maske aufziehen und eine Tür hinter sich zuschlagen. In Grenzsituationen funktioniert das nicht."

Um sich zu verlieben, muss man aber nicht unbedingt in die Steilwand klettern. Der Erregungsflow kann auch auf dem Laufband funktionieren. Theoretisch zumindest. Jedenfalls kommt es auch dort unter körperlicher Anstrengung zu einem Adrenalinrausch. "Wenn ich jemanden entdeck habe, den ich toll finde, bin ich motivierter und führe die Übungen exakter aus", gibt Sportstudentin Susanne aus Hamburg zu.

Allerdings wird die tatsächliche Kontaktaufnahme häufig viel eher als Belästigung empfunden. Und dann kann etwas eintreten, das ebenfalls mit der Fehlattribution von Erregung in Zusammenhang steht: Denn sie funktioniert auch umgekehrt. Empfindet man jemandem gegenüber Abneigung, wird sie durch die Erregung intensiviert. Man bewertet sein Gegenüber noch negativer. Was uns erklärt, warum Frauen im Fitnessstudio für eine Abfuhr dann höchst selten nette Worte finden.

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