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Mon Dieu, Monsieur Favre – Dieser Abschied ist Egoismus pur!

21.09.2015 - Was für ein jähes Ende der scheinbaren „Musterehe“ zwischen Coach Lucien Favre (57) und Borussia Mönchengladbach. Nach sechs Pflichtspiel-Niederlagen in Folge sind alle Treueschwüre hinfällig. Die Lösung kann jetzt nur Jürgen Klopp heißen.

  • Lucien Favre hat mit seinem Schritt alle überrascht. © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Lucien Favre hat mit seinem Schritt alle überrascht. © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Trainer Lucien Favre hat mit seinem unrühmlichen Abgang den eigenen Ruf geschädigt. © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Trainer Lucien Favre hat mit seinem unrühmlichen Abgang den eigenen Ruf geschädigt. © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  •  Lucien Favre kam als Retter und geht unvollendet. © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Lucien Favre kam als Retter und geht unvollendet. © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Mönchengladbachs Trainer Lucien Favre war nach dem schlechten Saisonstart als Krisenmanager gefragt, eine Rolle, die dem Trainer vielleicht nicht so behagte. © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Mönchengladbachs Trainer Lucien Favre war nach dem schlechten Saisonstart als Krisenmanager gefragt, eine Rolle, die dem Trainer vielleicht nicht so behagte. © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Verantwortlichen und die Fans von Borussia Mönchengladbach stehen seit Sonntagabend unter Schock. „Mit seinem öffentlich gemachten Rücktritt hat Lucien Favre Fakten geschaffen, die uns bis ins Mark treffen“, bekannte VfL-Boss Rolf Königs. „Wir sind regelrecht betroffen von seiner Entscheidung“, sagte Vizepräsident und Weltmeister Rainer Bonhof der BILD-Zeitung (Montagsausgabe). „Für Borussia ist das eine Katastrophe“, schrieb Gladbach-Fan Graham Agg, offizieller Sekretär der deutschsprachigen Fans des FC Liverpool, bei Facebook. Trainer Lucien Favre hat am Sonntag gegen 19 Uhr die Brocken hingeworfen und sich mit einem zu Herzen gehenden Statement („Es war eine unvergessliche Zeit, die ich hier in Mönchengladbach erlebt habe. Ich durfte die Borussia vom Fast-Absteiger in die Champions League führen.“) vom fünfmaligen Deutschen Meister verabschiedet.

Gladbach war auf dem Sprung zur „dritten Kraft“ hinter Bayern und BVB

Was bleibt, sind Favres traurige Bilanz – Sechs Pflichtspiel-Niederlagen in Folge, Platz 18 in der Bundesliga und schlechtester Start der Vereinsgeschichte – und ein fader Beigeschmack. Vielleicht war der rührige Schweizer, wie Manager Max Eberl (41) noch letzte Woche vor dem Champions-League-Start verkündete, ja durchaus „absolut unrauswerfbar“ (obwohl es dieses Wort gar nicht gibt…). Aber wie im Vorjahr bei der westfälischen Borussia in Person von Jürgen Klopp, zog der angeschlagene Trainer selbst die Notbremse, wenn dieses Mal auch zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Ich will jetzt hier gar nicht schreiben „Ätsch, ich hab’s doch gleich gesagt“. Nein. Mir geht es um etwas anderes: Favre lässt mit seinem Hau-Ruck-Rücktritt einen ambitionierten, mit Rolf Königs und Max Eberl hervorragend geführten Bundesliga-Riesen einfach im Stich. Und: Er lässt sein eigenes Werk unvollendet zurück! Die „neue Borussia“ geht auf das Konto von Eberl und von Favre. Am Niederrhein ist nach jahrelanger Tristesse eine Mannschaft geformt worden, die ähnlich wie in den oft in Gladbach zu sehr glorifizierten Siebzigern erfrischenden Fußball spielte. Ein Team, das auf dem Sprung war, hinter Bayern und Dortmund wieder (wie zuletzt 1995) die dritte Kraft im deutschen Fußball zu werden.

Favre beweist, dass er mit Krisen nicht umgehen kann

Denn trotz der derzeitigen Misere und ungeachtet der (noch) nicht kompensierten Abgänge von Max Kruse und Christoph Kramer ist die Lage in Mönchengladbach nicht so ernst, wie es scheint. Favre hätte noch 29 Spieltage Zeit gehabt, den Fehlstart zu korrigieren, zu zeigen, dass er auch Krisenmanager sein kann. Dass er jetzt geht, ist ein Zeichen von Egoismus.

Blicken wir mal auf den Februar 2011: Als Favre Gladbach übernahm, stand die Borussia am 24. Spieltag mit sechs Punkten Rückstand auf Rang 15 auf dem letzten Tabellenplatz. Was folgte, war ein echtes Fußball-Wunder. Der Schweizer Favre führte die „Fohlen“ über die Relegation zum Liga-Erhalt (2011), ein Jahr später auf Rang vier und 2015 als Tabellendritter in die Champions League. Er formte Stars wie Marco Reus, Marc-André ter Stegen oder Patrick Herrmann. Er habe „nicht mehr das Gefühl, der perfekte Trainer für die Borussia zu sein“, erklärte Favre am Sonntag. Bleibt für mich die Frage: Wenn nicht er, wer dann?

Auch in Berlin war der Abgang von Favre fatal

Leider tun sich bei dem stillosen Abschied des Monsieur Favre frappierende Parallelen zu seinem Abgang aus Berlin auf. Der Ex-Profi vom FC Toulouse und Servette Genf ließ Hertha BSC 2009 lange von der ersten Meisterschaft in der Bundesliga träumen, gewann in Berlin sogar den Machtkampf mit dem omnipräsenten Manager Dieter Hoeneß – und warf dann nach sieben Spielen und einem einzigen Sieg 2009/2010 hin. „Draht und Händchen weg – und dann er“, schrieb der Kicker in einer Saison-Bilanz. Die Spielzeit endete für Hertha im Desaster: Platz 18.

Jetzt muss Klopp ran

Dass seit Sonntagabend medial wild über die Rückkehr von Trainer-Rentnern wie Jupp Heynckes oder Hans Meyer spekuliert wird, hilft Borussia Mönchengladbach nicht weiter. Auch der Versuch einiger Medien, jetzt Lothar Matthäus oder Stefan Effenberg ins Traineramt zu hieven, ist Humbug. Für mich kann es eigentlich nur einen Top-Kandidaten geben und der heißt Jürgen Klopp. Er ist ausgeruht, trotz Sabbatical nahe dran an der Liga. Und: der spätere BVB-Erfolgscoach die Dortmunder Borussia 2008 auch nicht gerade auf dem Höhepunkt der Klubgeschichte…

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