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Nach drei Spielen: Hamburger „Ohne-Plan-Theater“ wieder geöffnet…

19.09.2016 - 0:4 gegen Neuling RB Leipzig, mit einem Zähler auf dem Relegationsplatz – und Trainer Bruno Labbadia (50) unter Druck. Beim Hamburger SV greifen nach nur drei Spieltagen mal wieder die üblichen Mechanismen. Und diese Planlosigkeit ist wieder mal selbst verschuldet.

  • Steht schon wieder unter Druck: Hamburgs Trainer Bruno Labbadia. Rückendeckung durch den Verein? Fehlanzeige ... Foto: Daniel Bockwoldt/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Steht schon wieder unter Druck: Hamburgs Trainer Bruno Labbadia. Rückendeckung durch den Verein? Fehlanzeige ... Foto: Daniel Bockwoldt/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Klaus-Michael Kühne: Der greise Milliardär stellt dem HSV erhebliche Summen zur Verfügung, doch bislang ohne durchschlagenden Erfolg.. Foto: Axel Heimken/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Klaus-Michael Kühne: Der greise Milliardär stellt dem HSV erhebliche Summen zur Verfügung, doch bislang ohne durchschlagenden Erfolg.. Foto: Axel Heimken/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • HSV-Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer blickt positiv in die Zukunft - doch das war vor dem Start in die neue Saison ... Foto: Markus Scholz/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    HSV-Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer blickt positiv in die Zukunft - doch das war vor dem Start in die neue Saison ... Foto: Markus Scholz/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Das Hamburger Ohnsorg-Theater schrieb mit Stücken wie „Tratsch im Treppenhaus“ oder „Seine Majestät Gustav Krause“ mit Stars wie Heidi Kabel oder Henry Vahl seit 1954 deutsche Bühnen- und Fernsehgeschichte. Warum ich Ihnen das erzähle?

Hamburgs neuer Komödienstadl liegt im Volkspark

Weil die volkstümliche Bühne am Hamburger Hauptbahnhof längst ernsthafte Konkurrenz aus dem Volkspark bekommen hat. In der Heimat des Hamburger SV, hob sich nach dem dritten Spieltag der Fußball-Bundesliga und einem enttäuschenden 0:4 gegen Aufsteiger RB Leipzig der Vorhang für das „Ohne-Plan-Theater“ beim HSV. Inszeniert wird – wie in jedem Jahr – ein Drama um den „Bundesliga-Dino“.

Der erste Akt ist im Sommer immer „Der HSV kauft groß ein und schürt hohe Erwartungen bei Fans und Medien“. Vor dieser Saison holte man dank der großzügigen Zuwendungen von Investor Klaus-Michael Kühne (79)  für 32 Mio. Euro neue Spieler, allein für den vom VfB Stuttgart geholten Außenstürmer Filip Kostic (23) überwies man 14 Mio. Euro an die Schwaben. Alen Halilovic (20) galt als Wunschspieler von Edelfan Kühne, wurde für fünf Mio. Euro vom FC Barcelona losgeeist und kommt bisher auf gerade mal 48 Bundesliga-Minuten. Es gibt Trainer, die bauen ein Talent wie den Kroaten behutsam auf – und genau das hat Bruno Labbadia beim HSV mit Halilovic vor. Doch im hektischen HSV-Umfeld ist Geduld scheinbar ein Fremdwort!

Kühne hat Labbadia ohne Not angezählt

Womit wir beim zweiten Akt wären: „Der Saisonstart misslingt“ – ein Punkt aus drei BL-Spielen, das ist natürlich mal wieder zu wenig, um die völlig überhöhten Erwartungen des Hamburger Boulevards zu erfüllen. Was passiert in so einem Fall? Man geht direkt zum dritten Akt über: „Der Trainer gerät unter Beschuss.“ Angezählt wurde Labbadia, dem sie in Hamburg eigentlich auf Knien danken müssten, dass er sie 2015 vor dem fast sicheren Absturz in die 2. Liga bewahrt hat, von Kühne höchstpersönlich. „Abwarten, ob der Trainer das Team in Form bringen kann“, sagte der milliardenschwere Unternehmer schon Anfang September, nach nur einem Spieltag, der Ostsee-Zeitung. Und machte klar: Wer die Musik bezahlt, bestimmt, was gespielt wird. Es ist die Masche der „50 + 1“-Befürworter und der Traditionalisten, Klubs wie RB Leipzig und ausländische Investoren zu verteufeln – doch das, was sich in Hamburg seit dem Kühne-Einstieg abspielt, ist im Prinzip nichts anderes… Hire-and-Fire-Mentalität inklusive!

Wie groß der Druck auf Labbadia bereits ist, zeigte das Sky-Interview am Samstag mit dem geschätzten Kollegen Patrick Wasserziehr, der Labbadia auf die Diskussion um seine Person ansprach. „Machen Sie Ihre Interviews, Herr Wasserziehr“, giftete Labbadia – und brach das Gespräch einfach ab.

Verdienter Coach? Von wegen! Die HSV-Spitze lässt Labbadia eiskalt im Stich

Verständlich, denn Labbadia ist es leid, immer die gleichen Fragen beantworten zu müssen. Man muss kein Prophet sein, um zu sehen, dass Labbadia bei zwei Pleiten in den nächsten Spielen beim SC Freiburg und gegen den Branchenriesen FC Bayern nicht mehr HSV-Trainer sein wird. Aber: Wo bleibt ein klares Bekenntnis von Labbadias ehemaligem Mitspieler und HSV-Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer (52) zu einem Trainer, der diesen Verein nicht nur gerettet hat, sondern der ihn liebt? Das ist ein Armutszeugnis! „Ich würde mir von Dietmar Beiersdorfer wünschen, dass er jetzt nach vorne geht, Verantwortung übernimmt, ein Machtwort spricht und nicht auf Distanz geht. Rumeiern hilft jetzt keinem“, sah auch Trainerlegende Christoph Daum (62) bei SKY90 am Sonntagabend die HSV-Verantwortlichen in der Pflicht.

Labbadia vorzuwerfen, er würde „die Mannschaft nicht weiterentwickeln“, ist blanke Stimmungsmache gegen den Coach. Sein umformiertes Team braucht Zeit, das Potenzial für einen Mittelfeldplatz ist in Hamburg ohne Zweifel vorhanden. Aber: Das Schweigen in Sachen Labbadia ist ein Indiz dafür, wie man beim HSV mit verdienten Trainern umgeht! Mirko Slomka, Dino-Retter von 2014, musste in der Folgesaison nach drei Spielen gehen. Labbadia, der in Hamburg noch bis 30. Juni 2017 Vertrag hat, könnte das nächste Opfer der haarsträubenden Hamburger Personalpolitik werden. Bühnenreifes Schmierentheater.