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Frankreichs Vorstädte brennen in «Die Wütenden»

20.01.2020 - «Die Wütenden» ist ein Thriller über eine Pariser Vorstadt. In der autobiografisch geprägten Milieustudie zeigt der französische Regisseur Ladj Ly, dass Frankreichs Vororte mehr denn je Brutstätten der Gewalt sind.

  • An der explosiven Situation im Pariser Vorort Montfermeil hat sich nichts geändert. Foto: Wild Bunch/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    An der explosiven Situation im Pariser Vorort Montfermeil hat sich nichts geändert. Foto: Wild Bunch/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mehr als 10.000 zerstörte Autos, brennende Gebäude, 130 Verletzte, mehrere Tote und Tausende von Festnahmen: Im Herbst 2005 kam es in den Vororten von Paris zu den schlimmsten Unruhen in Frankreichs jüngster Geschichte.

Auch in Montfermeil brannten Autos. Dass sich dort an der explosiven Situation seitdem nichts geändert hat, zeigt der Franzose Ladj Ly in «Die Wütenden - Les Misérables».

Mit dem Film ist dem Regisseur malischen Ursprungs ein kraftvolles Drama gelungen, das den von Misstrauen und Hass geprägten Alltag in Montfermeil spannend und ohne Schwarzweiß-Malerei von der Binnenperspektive heraus illustriert. Denn Ly ist in dem Vorort im Osten der Metropole aufgewachsen. Für seinen Debütfilm gewann Ly 2019 beim Festival Cannes den Preis der Jury. Nun hofft Frankreich auf einen Auslandsoscar Anfang Februar.

Mit dem Thema hat sich Ly schon viel früher beschäftigt. Während der Unruhen von 2005 drehte er mit dem französischen Künstlerkollektiv Kourtrajmé den Dokumentarfilm «365 Tage in Clichy-Montfermeil», drei Jahre später «Go Fast Connexion», eine Dokufiktion über Drogenhandel in den Vororten. Nun hat er aus dem Stoff einen Spielfilm gemacht: Stéphane hat sich nach Paris in die Anti-Verbrechenseinheit in Montfermeil versetzen lassen. Als Kollegen bekommt er Chris und Gwada an die Seite gestellt, die beiden kennen das Areal schon seit Jahren.

Was der Einsatz in dem Vorort bedeutet, wird Stéphane schnell bewusst. Hier herrschen andere Gesetze. Diverse Clans haben sich das Viertel aufgeteilt und seine Kollegen haben ihre eigenen Methoden gefunden, mit denen sie sich an der Grenze zur Legalität Respekt verschaffen. Immer wieder kommt es dabei zu Spannungen und Auseinandersetzungen. So auch, als sie wegen eines aus einem Zirkus gestohlenen Löwenjungens einen Jungen verhaften wollen. Doch diesmal wird ihr fragwürdiges Vorgehen von einem Jugendlichen mit einer Drohne gefilmt. Das Trio versucht alles, um an die Speicherkarte zu kommen. Die Situation eskaliert.

Der Titel «Les Misérables» (Die Elenden) ist eine Anspielung auf den gleichnamigen Klassiker von Victor Hugo - ein Teil seines Sozialromans spielt in Montfermeil. Regisseur Ly zieht die Intensität und Kraft seines Dramas aus seinem halbdokumentarischen Charakter. Alles was in dem Film vorkomme, basiere auf erlebten Dingen, erklärte er. Die Ankunft des neuen Polizisten ebenso wie die Geschichte der Drohne. Denn Ly filmt seit Jahren sein Viertel, vor allem die Polizeigewalt. So hatte Ly 2008 eher zufällig einen brutalen Polizeieinsatz gefilmt, aus dem die Geschichte zu «Die Wütenden» entstand.

Glaubwürdigkeit erreicht der Film auch durch die Besetzung mit erstklassigen Schauspielern und Laiendarstellern aus Montfermeil. Lys Vorort-Wirklichkeit ist roh, gewalttätig und das Verhältnis zwischen Polizei und Bevölkerung extrem angespannt. Dennoch gibt es bei ihm weder Böse noch Gute. Darin liegt einer der größten Verdienste des Films. Zusammen mit seinen Co-Autoren Giordano Gederlini und Alexis Manenti zeigt Ly wie alle in ihrer Situation gefangen sind - auch die Polizisten, die abgestumpft durch Hass und Gewalt, glauben, dass nur Gegengewalt die richtige Antwort ist.

Die Wütenden, Frankreich 2018, 104 Min., FSK ab 12, von Ladj Ly, mit Damien Bonnard, Alexis Manenti, Djebril Zonga

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