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MIXTAPE 11 – Das ist mein Mix der Woche?

29.05.2018 - Von komplexen Algorithmen, die mir erzählen wollen, dass ich Oasis mag und warum Musikgeschmack unberechenbar bleibt…

  •  © Mondbasis Hamburg / Jessica

    © Mondbasis Hamburg / Jessica Baran-Surel

Als Pandora und Last.fm in den frühen 2000ern mit ihren Algorithmen angefangen haben, Playlisten mit ähnlichen Artists zu generieren und das sogenannte personalisierte Radio entstand, war ich sofort von der Idee angetan. Der Markt schrie förmlich nach Alternativen zum normalen Radio, bei dem die Formatsendungen nach und nach gestrichen wurden und man eigentlich nur noch wählen konnte zwischen Radio an oder aus. Spotify & Co. existierten da noch nicht und der Ansatz war genau richtig. Leider war das Resultat dann ein wenig ernüchternd, zumindest für mich und sicherlich noch ein paar andere selbstbestimmte Musikgenießer. Die komplexen Algorithmen können natürlich immer nur irgendwelche Daten auswerten und dabei wird normalerweise alles ins Verhältnis zum Verhalten anderer Musikhörer gesetzt. Ich bekomme dann nur leider wieder genau die Bands und Songs um die Ohren gehauen, die ich vorher bereits bewusst wegen Gähnalarm oder purer Abneigung aussortiert hatte.  
 

Um hier mal Noel Gallagher zu zitieren: „Ich brauche keinen Zugang zu drei Milliarden beschissener Songs“. Genau, ich z.B. will nämlich hier zitierten Gallagher auch nicht in meiner Playlist haben, egal ob mit Oasis oder ohne. Wenn ihr mich fragt, welche Parameter einen Song großartig machen, kommt da nur ein Schulterzucken. Das ist ein komplexes Thema und doch ist alles eigentlich ganz einfach: Hat das Ding was Eigenes, Besonderes? Is da ne catchy Hook, die ich nicht schon 1000 Mal gehört habe? Passiert da auch noch was oder war’s das schon? Wenn ich im Studio nen Mix auf dem Tisch habe, sitz ich da nicht stundenlang auf meinem Hintern und schieb ein paar Regler hin und her. Ich bin ständig in Bewegung und meine Kommandozentrale hat deshalb so viel Platz, weil für mich ein Mix erst dann was taugt, wenn ich dazu tanzen muss.

Das, was Pandora und Last.fm damals angefangen hatten, mündete irgendwann im Musik Streaming a la Spotify & Co. und auch da gibt es mit „Dein Mix der Woche“ etc. ähnliche Funktionen, die rein algorithmisch berechnet werden. Wenn doch aber ich selbst noch nicht einmal klare berechenbare Parameter meines Musikgeschmackes bestimmen kann, wie soll das dann bitte eine Maschine machen? Emotionales, wie Musik lässt sich nicht berechnen, zumindest wenn man da einen gewissen Anspruch zu Grunde legt.

Ja, natürlich probiere ich sowas aus… Ich höre gerade seit einer Stunde meinen „Dein Mix der Woche“ bei Spotify und wenn ich das jetzt nicht sofort abschalte, mache ich hier irgendwas kaputt! Schluss mit dem Quatsch! AUS!

Toma Moon, Inhaber und Geschäftsführer der Mondbasis Hamburg, ist vor allem kreativer Kopf, Produzent, Soundfetischist und Kommunikator. Als detailverliebter Perfektionist und konsequenter Geschmacksverstärker holt er auch das letzte Quäntchen Talent aus seinen Schützlingen heraus und ist als Dozent und Musikproduzent seit vielen Jahren mit Projekten wie der SchoolTour, dem Robert Johnson Guitar Award oder dem Wacken Music Camp in der Nachwuchsförderung engagiert... Mit viel Feingefühl, Geschmackssicherheit und Entscheidungskraft schafft der Musikproduzent, Tonarzt, A&R Manager, Multiinstrumentalist und Business Punk immer wieder großartige Klangbilder, schnell eine angenehme Atmosphäre und gilt als nicht aus der Ruhe zu bringender Problemlöser. Mehr Infos hier: Wikipedia

mondbasis-hamburg.de

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