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MIXTAPE 4 – Ja, wie findet man denn nun die Diamanten im Müll?

10.04.2018 - Die landen irgendwie, irgendwann einfach auf meinem Tisch, aber so richtig was Besonderes, mit eigener Note und trotzdem eingängig, ist verdammt selten…

  •  © Mondbasis Hamburg / Steffen

    © Mondbasis Hamburg / Steffen Gottschling

Radio? Das kann man schon mal einschalten, zur belanglosen Berieselung im Büro oder Auto (auch so ne Art Büro in unserer Branche) und ja, ich will auch so n bisschen was mitbekommen aus der Welt und die Chance, mal eben die Nachrichten zu erwischen ist relativ groß. Meine CD Sammlung? Äh, eigentlich ist es schon Jahre her, dass ich mir ne CD gekauft habe. Ehrlich gesagt, läuft meistens Spotify und da entweder irgendein Künstler, der mir nahegelegt wurde oder eben meine Playlist. Nur nicht das Zeug, das ich schon im Radio in Dauerrotation zwischen den Nachrichten in meine Gehörgänge geballert kriege.

Auf den herkömmlichen Kanälen entdeckt man keine neue Musik. Da kann man froh sein, wenn man nicht irgendwann das Thema völlig aufgibt. Ich hab natürlich einen kleinen Vorteil. Wir bekommen jede Menge Zusendungen von Bands, Solokünstlern etc., ob die nun grad einen Produzenten suchen, ein Tonstudio oder ein Label, da bekommt man automatisch einiges mit. Und nicht zu vergessen, die Gespräche mit meinen Kollegen und deren Produktionen. Es gibt schon ne Menge cooles Zeug aber so richtig was Besonderes mit eigener Note und trotzdem eingängig im Ohrwurmgewand ist doch eher rar. Aber es gibt sie, die Diamanten, im Meer von Einheitsbrei und Rumgeplänkel, verstecken sich irgendwo und wollen doch gefunden werden. Aber glaubt mal nicht, dass da auch nur ein Prozent nach ein paar Jahren noch existiert.
 
Das liegt irgendwie in der Natur der Sache. Die meisten Künstler haben nun mal ständig das Bedürfnis sich neu zu erfinden, Dinge auszuprobieren und neue Wege zu gehen. Das lässt sich einfach nicht in ein bewährtes Vermarktungskonzept quetschen. In der Musikindustrie sitzen ja nicht haufenweise Nerds rum, die den ganzen Tag ganz tolle und innovative Musik hören und herausbringen wollen. Da sitzen Marketingleute, Wirtschaftsprofis, deren Job das ist und die damit Geld verdienen wollen und müssen (schließlich hängen da auch unzählige Mitarbeiter und Familien dran). Das sind einfach zwei Fronten, die erstmal überhaupt nicht zusammen passen und sich doch gegenseitig brauchen. Bands, die es schaffen, über 10 Jahre einigermaßen im selben Genre unterwegs zu sein, haben da fast schon eine Garantie, sich am Markt zu etablieren, wenn sie hin und wieder ein paar gute Songs schreiben und ihre Instrumente beherrschen. Leider halten die meisten keine 3 Jahre durch, ohne dass ein entscheidendes Bandmitglied in der Versenkung verschwindet, oder sich die Band gleich ganz auflöst (nein, vor sich hin dümpeln und einmal im Jahr zusammen proben, zählt nicht). 
 
Ich hab gerade eben mal versucht, ein paar jüngere Bands, die mir in den letzten Jahren in Erinnerung geblieben sind, auf Tauglichkeit für meine Playlist zu prüfen. Nicht eine einzige existiert noch! Ausbeute gleich Null! Was soll ich dazu sagen? Ich bin raus für heute! Hört die scheiß Playlist und kommt nächste Woche wieder vorbei hier!

Toma Moon, Inhaber und Geschäftsführer der Mondbasis Hamburg, ist vor allem kreativer Kopf, Produzent, Soundfetischist und Kommunikator. Als detailverliebter Perfektionist und konsequenter Geschmacksverstärker holt er auch das letzte Quäntchen Talent aus seinen Schützlingen heraus und ist als Dozent und Musikproduzent seit vielen Jahren mit Projekten wie der SchoolTour, dem Robert Johnson Guitar Award oder dem Wacken Music Camp in der Nachwuchsförderung engagiert... Mit viel Feingefühl, Geschmackssicherheit und Entscheidungskraft schafft der Musikproduzent, Tonarzt, A&R Manager, Multiinstrumentalist und Business Punk immer wieder großartige Klangbilder, schnell eine angenehme Atmosphäre und gilt als nicht aus der Ruhe zu bringender Problemlöser. Mehr Infos hier: Wikipedia

mondbasis-hamburg.de

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