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Hoffenheim spricht von «Mordaufruf» gegen Hopp

23.09.2018 - Der Konflikt zwischen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp und Dortmunder Fans eskaliert weiter. Dem BVB ist das peinlich, die Wirkung des Clubs auf die eigene Anhängerschaft ist aber begrenzt. Die TSG reagiert mit einem wuchtigen Schreiben.

  • Dortmunder halten ein Schmäh-Transparent mit dem Konterfei von Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp in die Höhe. Foto: Uwe Anspach © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Dortmunder halten ein Schmäh-Transparent mit dem Konterfei von Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp in die Höhe. Foto: Uwe Anspach © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die TSG 1899 Hoffenheim spricht nach dem Fadenkreuz-Plakat von Dortmunder Fans gegen Dietmar Hopp von einem «Mordaufruf» und appelliert an den gesamten deutschen Fußball, Hass und Hetze entgegen zu treten.

Derweil hat sich BVB-Boss Hans-Joachim Watzke für das Verhalten seiner Anhängerschaft zu Beginn des Bundesliga-Spiels entschuldigt. Mit wüsten Protesten hatten BVB-Anhänger in ihrem zehn Jahre anhaltenden Dauerstreit mit Hopp für einen Eklat gesorgt.

«Mit tiefer Erschütterung haben wir die Anfeindungen gegen Dietmar Hopp im Rahmen unseres Heimspiels am Samstag gegen Borussia Dortmund erlebt. Wir verurteilen diese auf das Schärfste», heißt es in dem veröffentlichten offenen Brief der Hoffenheimer Geschäftsführung. Die Mitteilung richtete sich «an die Clubs, Gesellschaften und Vereine der 1. und 2. Fußball-Bundesliga, an den Deutschen Fußball-Bund, an die Deutsche Fußball Liga, an die Fußballfans in Deutschland».

Borussia-Fans hatten in der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena ein «Hasta la vista, Hopp»-Banner über einen großen Teil des Gäste-Block ausgerollt. Darauf war ein Konterfei von Hopp hinter einem Fadenkreuz zu sehen. Ein ähnliches Plakat, nur wesentlich kleiner, hatte vor zehn Jahren schon einmal für Aufsehen gesorgt.

«Ich möchte im Namen von Borussia Dortmund Dietmar Hopp um Entschuldigung bitten. Das ist nicht zu akzeptieren», teilte Watzke als Geschäftsführer der Dortmunder mit und kündigte auch eine persönliche Entschuldigung bei dem 78-Jährigen an. Hopp selbst wollte nach dem Spiel «nix» sagen.

«Denjenigen, die gestern mit unverhohlenem Hass und Hetze bis hin zu einem Mordaufruf nicht nur die Werte des Fußballs verraten, sondern eindeutig gegen Recht und Gesetz verstoßen, müssen wir entschieden entgegentreten: Vereine, Verbände, Verantwortliche, Spieler und Fans», forderte die TSG Hoffenheim. «Dafür braucht es Haltung und Integrität.»

Aktueller Hintergrund der Proteste ist der Strafantrag des Milliardärs gegen mehr als 30 BVB-Fans. Der Mäzen hatte sich juristisch gegen Schmähgesänge aus dem Dortmunder Block zur Wehr gesetzt, die es in der Partie beider Teams am Ende der vergangenen Saison gegeben hatte. Gleichzeitig galt ein Haus- und Betretungsverbot für die Beschuldigten rund um das Spiel.

Die Anhänger quittierten dies am Samstag auch mit weiteren deftigen Plakaten, zudem gab es die üblichen Schmähgesänge. Nach Angaben eines Hoffenheimer Club-Sprechers demolierten Dortmunder Zuschauer auch Gäste-Toiletten.

Hopps Vorgehen war vergangene Woche bekannt geworden. Die Beschuldigten konnten aufgrund von Videomaterial identifiziert werden. «Sollte Hopp tatsächlich glauben, er könne uns mit seinen Verboten mundtot machen, zeigen wir ihm am Samstag, wie falsch er damit liegt», teilte das Dortmunder Fanbündnis Südtribüne am Freitag mit und kündigte an, das Strafverfahren rechtlich aufzuarbeiten.

«Wir haben in dieser Woche, in der sich das Ganze leider immer mehr hochschaukelte, versucht zu deeskalieren und haben mit allen Parteien gesprochen», erklärte Watzke. «Leider waren wir dabei nicht erfolgreich. So ein Verhalten entspricht in keinster Weise den Werten von Borussia Dortmund!»

Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann sagte in der Pressekonferenz nach dem Abpfiff: «Ganz ehrlich: Das war jetzt nicht so überraschend, so traurig das ist.» Der 31-Jährige hatte die jahrelangen Diffamierungen bereits zuvor verurteilt, wollte aber nicht noch Stoff für weitere Diskussionen liefern. «Man spricht immer davon, dass sich der Fußball von den Fans wegbewegt, vielleicht sollten sich auch die Fans wieder mehr zum Fußball hinbewegen», sagte Nagelsmann.

Hopp ist in der Rhein-Neckar-Region durch sein finanzielles Engagement für Hoffenheim bekannt, aber auch im sozialen Bereich. Vielen traditionellen Fans in der Bundesliga ist der schnelle Aufstieg der TSG vom Dorf- zum Bundesliga-Club immer noch ein Dorn im Auge. Hopp und die Hoffenheimer berufen sich darauf, dass die Kurve im Stadion kein rechtsfreier Raum sei. Nach dem ersten Plakat 2008 hatte der Mäzen sogar Dortmunder Fan-Vertreter nach Sinsheim eingeladen, um die Situation zu deeskalieren. Inzwischen reagiert er aber mit harter Hand. Ein Rätsel war am Samstag auch, wie ein solch großes Banner durch die Kontrollen im Stadion gelangt ist.

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