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Experten: Lockdown trotz sinkender Zahlen ohne Alternative

22.01.2021 - Mehr als 50.000 Tote, sinkende Infektionszahlen, Warnungen vor neuen Virus-Varianten und Hoffnung auf einen Impf-Effekt. Die Lage in der Pandemie bleibt hochkomplex. Was heißt das für den Lockdown?

  • Unbesetzte Tische und Stühle eines geschlossenen Kaffees auf einem Marktplatz. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Unbesetzte Tische und Stühle eines geschlossenen Kaffees auf einem Marktplatz. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Der Berliner Virologe Christian Drosten warnt vor einem verfrühten Ende der Corona-Maßnahmen. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Der Berliner Virologe Christian Drosten warnt vor einem verfrühten Ende der Corona-Maßnahmen. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Es ist noch nicht vorbei. Auch wenn die Infektionszahlen in der Corona-Pandemie weiter sinken, ist keine Alternative zum Lockdown in Sicht.

«Wir sollten uns einfach nicht zu sorglos hinstellen», mahnte Charité-Virologe Christian Drosten am Freitag. «Wir sollten nicht sagen, wenn es wieder wärmer wird, dann wird es wie im letzten Sommer.»

Denn die Lage bleibt deutlich angespannter als bei der ersten Pandemie-Welle im vergangenen Frühjahr. Fast ein Jahr nach dem ersten Nachweis des neuen Corona-Virus in Deutschland sind mehr als 50.000 Menschen in Deutschland in Verbindung damit gestorben. Viele Intensivstationen arbeiten weiterhin am Anschlag. Ansteckendere Virus-Varianten könnten Erfolge beim Senken der Infektionszahlen zunichte machen. Das Impfen wird Zeit brauchen. Ein Überblick:

Die Lage:Die Infektionszahlen sinken nach den Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) weiter. Am Freitag wurden 17.862 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages ans RKI gemeldet. Vor genau einer Woche waren es 22.368. Der bisherige Höchststand lag Mitte Dezember bei 33.777, einschließlich rund 3500 nachgemeldeter Fälle.

Damit gehen auch die Fälle pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche zurück. Am Freitagmorgen lag diese sogenannte 7-Tage-Inzidenz bei rund 115 nach dem bisherigen Höchststand kurz vor Weihnachten mit 198. Das politische Ziel ist aber ein Wert unter 50. Es gibt Befürworter weit niedrigerer Werte. Das Schwierige an der Lage sei ihre Ambivalenz, fasst Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zusammen. Es gebe ermutigende Zahlen, aber gleichzeitig die Notwendigkeit, Beschränkungen für die Bevölkerung zu verschärfen. Ein Grund dafür sind neue Virus-Varianten.

Die Risiken: Am Freitag wurde der erste Nachweis einer weiteren besorgniserregenden Coronavirus-Variante in Deutschland bekannt. Sie kursiert derzeit in Brasilien. Zuvor wurden bereits einige wenige Fälle von zwei anderen Varianten nachgewiesen, die als ansteckender gelten. Diese Mutanten waren zuerst in Großbritannien und Südafrika aufgetaucht.

«Virus-Varianten können wirken wie eine zweite Pandemie», mahnte Spahn. Innerhalb kurzer Zeit könnten sich viel mehr Leute infizieren, ergänzte Drosten. Im schlimmsten Fall könnten es weit mehr als die bislang bekannten Höchststände sein. Im Moment sei aber schwer zu sagen, ob sich die deutschen Infektionszahlen durch Mutationen veränderten. «Es ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, das zu kontrollieren. In der Anfangsphase kann man das Ganze noch verhindern.»

Der Lockdown: Weder Wissenschaft noch Politik können im Moment vorhersagen, wie und wann genau die aktuellen Maßnahmen wieder gelockert werden können. Klar ist nur, dass der erste scharfe Lockdown im Frühjahr weitaus wirkungsvoller war. Die Pandemie wurde damals im ersten Anschwellen ausgebremst. Das gelang im Herbst mit einer Salamitaktik an Maßnahmen zunächst nicht. Erst das Nachschärfen zeigt nun nach Ansicht der Verantwortlichen erste positive Effekte. «Die Zahlen sinken, und das sind die Erfolge der Maßnahmen», sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Freitag. Ein Nachlassen dieser Bemühungen dürfe es nicht geben. «Wir können nur zu einem halbwegs normalen Alltag zurückkehren, wenn wir die Fallzahlen massiv senken und auch auf Dauer niedrig halten.»

Das Impfen:Mehr als jeder zweite Pflegeheimbewohner in Deutschland hat nach Spahns Angaben inzwischen eine erste Impfung erhalten. Dazu komme ein großer Teil des Pflege und Klinik-Personals. 1,5 Millionen Menschen erhielten insgesamt ihren ersten Piks, manche bereits den zweiten. Erst danach wird nach Angaben der Hersteller der volle Impfschutz erreicht. Doch das langsam anlaufende Impfprogramm allein ist bei weiterhin hohen Infektionszahlen keine Garantie. «Man sollte nicht denken, sobald die Risikogruppen durch eine Impfung abgeschirmt sind, ist das ganze Problem beendet», sagte Drosten.

Die Kliniken: Anfang Januar lagen 5800 Covid-Patienten auf deutschen Intensivstationen. «Das war meiner Meinung nach die kritischste Situation, seit es intensivmedizinische Behandlung in Deutschland gibt», sagte Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) am Freitag. Mittlerweile sind es weniger als 5000. Bis Ende Februar, Anfang März werde es dauern, um die Patientenzahlen überhaupt erst wieder auf den Höhepunkt der ersten Welle zu drücken - auf knapp unter 3000, sagte Marx. Erst im April könnte der Wert wieder unter 1000 liegen. «Wir müssen verhindern, dass die dritte Welle kommt, ohne dass wir die zweite weitestgehend bewältigt haben», warnte Marx.

Die Toten: Das persönliche Leid in der Pandemie spiegelte sich am Freitag in einer Zahl: 50.642 Menschen sind nach RKI-Daten in Verbindung mit Covid-19 gestorben. «Das ist eine bedrückende, für mich schier unfassbare Zahl», sagte Wieler. Sie schlägt nach RKI-Berechnungen alles, was es an Grippe-Pandemien und Grippewellen seit dem Zweiten Weltkrieg innerhalb eines Jahres in Deutschland gab. Der höchste Wert der vergangenen 20 Jahre lag bei rund 25 100 geschätzten Grippetoten in der Saison 2017/18. Allein Ende vergangenen Jahres sind in Deutschland laut Statistischem Bundesamt fast ein Drittel mehr Menschen gestorben als im Durchschnitt der Vorjahre.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will die Erinnerung an die Toten in einer zentralen Gedenkfeier wach halten. Mit den anderen Verfassungsorganen wolle er damit «ein Zeichen setzen, dass wir als Gesellschaft gemeinsam trauern, dass wir die Toten und das Leid der Hinterbliebenen nicht vergessen», sagte er am Freitag. Er hoffe, dass dies nach Ostern möglich sei.

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