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Niedersachsen fordert «langfristige Zielsetzung» für Tuifly

15.06.2020 - Dass es wegen der Corona-Krise im Tui-Konzern ans Eingemachte geht, ist allen Beteiligten klar. Der für die eigene Fluglinie geplante Stellenabbau müsse aber genau überdacht werden, fordert das Land Niedersachsen. Nach schrillen Tönen ist nun etwas Mäßigung angesagt.

  • Bernd Althusmann (CDU, M), Wirtschaftsminister in Niedersachsen, kommt zu einer Gesprächsrunde mit Akteuren aus der Flugbranche. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Bernd Althusmann (CDU, M), Wirtschaftsminister in Niedersachsen, kommt zu einer Gesprächsrunde mit Akteuren aus der Flugbranche. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Tuifly muss wie viele andere Airlines wegen der Buchungseinbrüche in der Corona-Krise massiv sparen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Tuifly muss wie viele andere Airlines wegen der Buchungseinbrüche in der Corona-Krise massiv sparen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Stellenabbau bei der Tui-Konzernlinie Tuifly muss nach Ansicht von Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann maßvoll ausfallen und darf nicht zulasten der Substanz des Unternehmens gehen.

«Ich erwarte, dass sich die wirtschaftliche Ausrichtung nicht allein an der Überwindung der ohne Zweifel ernsten Krisensituation orientiert, sondern einer langfristigen Zielsetzung folgt», betonte der CDU-Politiker nach Gesprächen mit Managern, Gewerkschaftern und Betriebsräten der Fluggesellschaft.

Althusmann hatte Arbeitgeber und Arbeitnehmer eingeladen, um die verhärteten Fronten in dem Konflikt aufzulockern. Noch sind keine Entscheidungen über Details der Kürzungen gefallen - der Hauptsitz steht aber nicht in Frage. «Das haben wir noch einmal unterstrichen», hieß es bei der Airline. Der Minister meinte dazu: «Die Bedeutung des Tuifly-Standortes Hannover für die Region und für Niedersachsen ist mit Blick auf die hier ansässige Flugzeug-Instandhaltung und den Sitz der Konzernzentrale von enormer Bedeutung.»

Der Tui-Konzern bekam einen Milliardenkredit der Förderbank KfW, um die Buchungseinbrüche abzufedern. Gewerkschafter warnen davor, dass mit dem öffentlichen Geld indirekt ein Kahlschlag finanziert werden könnte. Vor allem im Ausland sollen bereits rund 8000 Jobs wegfallen.

«Ich habe auch gegenüber der Bundesregierung die klare Erwartung, dass im Fall weiterer staatlicher Unterstützung für Tui die Situation für Hannover berücksichtigt wird, da dieser Standort in besonderer Weise betroffen ist», erklärte Althusmann. Das Geschäft könne sich nach Aufhebung vieler Reisewarnungen erholen. «Vor diesem Hintergrund ist mir wichtig, dass insbesondere für Hannover die angekündigten Einsparungen so gestaltet werden, dass möglichst viele Arbeitsplätze und eine möglichst große Anzahl von Flugzeugen erhalten bleiben.»

Zuletzt war eine Gesamtzahl von bis zu 900 gekappten Vollzeitstellen bei Tuifly im Gespräch, dazu eine Halbierung der Flotte auf noch 17 Maschinen und Standortschließungen. Dem Luftverkehr und Tourismus machen wegen der coronabedingten Umsatzeinbußen große Überkapazitäten zu schaffen, auch beim Ferienflieger Condor und weiteren Anbietern dürfte es zu einem empfindlichen Jobabbau kommen. Betriebsräte gingen das Tuifly-Management hart an. Sie sehen die Lasten der Viruskrise teils als Vorwand: Der Konzern wolle von einer nicht hinreichenden Finanzausstattung etwa infolge zu hoher Dividendenzahlungen ablenken.

Aus der Gewerkschaft Verdi hieß es, es sei nun etwas Bewegung in die festgefahrene Situation gekommen. Natürlich müsse man wegen Corona sparen, aber die Belegschaft müsse eine gute Perspektive behalten. Geltende Vereinbarungen zum Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen müssten eingehalten werden. Man sei dankbar für Althusmanns Einsatz.

Der Chef der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), Markus Wahl, meinte, es sei deutlich geworden, «dass massive Staatshilfen und ein hoffnungsvoller wirtschaftlicher Ausblick mit einem massiven Stellenabbau in der angekündigten Höhe nicht zusammenpassen».

Auch in der Verwaltung sowie in der Technik und Wartung der Maschinen dürfe es keinen Kahlschlag geben, forderte Verdi. Vor allem die «base maintenance» - also regelmäßige, längere Checks von Flugzeugen - dürfe am Hauptstandort Hannover nach früheren Sparrunden nicht noch weiter ausgedünnt werden: «Dafür braucht man weiter qualifiziertes Personal - auch im Interesse der Flugsicherheit.» Das Management überlege, große Teile nach Großbritannien und Belgien zu verlagern.

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