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Politischer Jubel belastet Schweiz - Verfahren gegen Spieler

24.06.2018 - Sportlich ist die Schweiz bei der WM auf Kurs. Doch über die gute Ausgangslage vor dem letzten Gruppenspiel redet kaum jemand. Alles dreht sich um den umstrittenen Torjubel von Xhaka und Shaqiri. Eine Debatte mit einigen Parallelen zu Deutschland.

  • Auch der Schweizer Granit Xhaka hatte mit seinem Jubel die Serben provoziert. Foto: Laurent Gillieron/KEYSTONE © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Auch der Schweizer Granit Xhaka hatte mit seinem Jubel die Serben provoziert. Foto: Laurent Gillieron/KEYSTONE © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Jetzt hat auch das Schweizer Nationalteam seine politische Debatte.

Nach dem umstrittenen Torjubel der beiden ehemaligen Bundesliga-Profis Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri beim hoch emotionalen 2:1-Sieg gegen Serbien am Freitag gibt es in der Alpenrepublik heftige Diskussionen über die Rolle der Spieler mit ausländischen Wurzeln - ganz so wie in Deutschland nach den Erdogan-Fotos von Mesut Özil und Ilkay Gündogan.

Wie viel Schweiz steckt in der Nati? Wie loyal sind die Kinder der Einwanderer-Eltern zu ihrer Heimat? Und wer und wenn ja wie laut singt bei der Hymne mit? Die Debatten, die die deutsche Mannschaft bereits seit Wochen begleiten, werden nun auch in der Schweiz geführt. «Die Nation im Griff des Doppel-Adlers», titelte das Schweizer Boulevard-Blatt «Blick» am Sonntag online bezogen auf den Torjubel von Xhaka und Shaqiri nach ihren beiden Treffern.

Beide Spieler haben kosovarische Wurzeln und formten nach ihren Toren mit den Händen den doppelköpfigen Adler, der die Flagge Albaniens ziert. Serbien erkennt das Kosovo nach wie vor nicht als eigenständiges Land an, dies gibt den heftig diskutierten Jubelgesten eine politische Dimension. Weshalb der Weltverband FIFA am Samstag ein Disziplinarverfahren gegen das Duo eröffnet hat. Seit Sonntag läuft zudem ein Verfahren gegen den Schweizer Kapitän Stephan Lichtsteiner, der aus Solidarität genauso gejubelt hatte.

Der Schweizer Verband versuchte die Vorfälle am Samstag zunächst herunterzuspielen - auch hier erstaunliche Parallelen zum Fall von Özil und Gündogan in Deutschland. Klar, die Aktion sei nicht clever gewesen. Aber könne man nicht viel lieber über die tolle sportliche Leistung reden?

Doch so einfach bekommt man die Debatten nicht aus der Welt, das musste auch der DFB nach seiner stümperhaften Kommunikation im Fall Özil/Gündogan erleben. Zumal die Diskussionen rum um die Spieler mit ausländischen Wurzeln in der Schweiz nicht neu sind. Schon vor vier Jahren wurde nach ähnlichen Jubelszenen über das Thema diskutiert.

Damals berief Trainer Vladimir Petković, in Sarajevo, der heutigen Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina geboren, eine Sitzung mit dem Mannschaftsrat ein. Das Versprechen der Spieler damals: So etwas kommt nicht wieder vor.

Doch gegen Serbien machten es Xhaka und Shaqiri dann eben doch wieder, auch weil sie zuvor 90 Minuten lang von den serbischen und russischen Fans ausgepfiffen worden waren. Beide wollten danach jedoch nichts von einem politischen Statement wissen.

«Der Jubel war keine Message an den Gegner», sagte der Ex-Gladbacher Xhaka. «Ganz ehrlich, die waren mir scheißegal. Das war für die Leute, die mich immer unterstützen. Jene, die mich nie links liegen ließen, in meiner Heimat, wo die Wurzeln meiner Eltern sind.»

Während, auch hier Parallelen zu Deutschland, rechte Politiker in der Schweiz die Vorfälle dankend für ihre Parolen nutzten, stellte sich neben dem Verband auch die Regierung schützend vor die Spieler. Die Nationalmannschaft sei ein perfektes Beispiel für die Verschmelzung verschiedener Kulturen, meinte Außenminister Ignazio Cassis, wegen seiner aus Italien in die Schweiz ausgewanderten Großeltern ebenfalls mit Migrationshintergrund. «Ich zweifle nicht, dass man patriotische Emotionen für die Nation empfinden kann, die einen aufgenommen hat, ohne sein Heimatland zu vergessen», sagte er der «Neuen Züricher Zeitung».

Xhaka und Shaqiri äußerten sich am Wochenende nicht weiter zu den Vorfällen. Mit Spannung wurde erwartet, ob die FIFA die beiden Leistungsträger sanktioniert. «Eine Sperre wäre ein Hammerschlag», sagte Verbandspräsident Peter Gilliéron am Sonntag im Trainingscamp in Togliatti. Ein Urteil wird an diesem Montag erwartet.

Ob dann auch die Debatten in der Schweiz enden, wird man sehen. Anders als bei Özil und Gündogan passierten Xhaka und Shaqiri ihre unnötigen Aktionen in der Hitze des Gefechts, können die Emotionen als mildernde Umstände angeführt werden. Der «Blick» brachte die Stimmung in der Schweiz am Sonntag gut auf den Punkt: «Und jetzt noch eine Bitte: Schießt weiter Tore, jubelt ausgelassen, zieht von mir aus nach dem Leibchen auch noch die Hosen aus. Aber verzichtet auf diesen unsäglichen politischen Mist!»

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