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HSV raus aus der Krise, Köln mittendrin

06.11.2018 - Nach dem Erfolg im Topduell der 2. Fußball-Bundesliga gegen den 1. FC Köln herrscht beim Hamburger SV große Zuversicht. Der neue Trainer Hannes Wolf hat die Zweifler vorerst überzeugt. Kölns Coach Markus Anfang muss sich als Krisenmanager bewähren.

  • Die Hamburger Spieler feiern den Sieg gegen Köln. Foto: Christian Charisius © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die Hamburger Spieler feiern den Sieg gegen Köln. Foto: Christian Charisius © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Probleme seines Kollegen Hannes Wolf hätte Markus Anfang auch gern gehabt. Nach dem hochverdienten 1:0 des Hamburger SV im Gipfeltreffen der 2. Bundesliga gegen Mitabsteiger 1. FC Köln war der neue Cheftrainer der Hanseaten bemüht, nicht zu viel Euphorie aufkommen zu lassen.

«Es geht hart weiter in der Liga», sagte Wolf nach seinem gelungenen Heimdebüt. FC-Trainer Anfang saß daneben und machte das Gesicht zur Kölner Krise. «Nach 15 Minuten war der Faden bei uns gerissen und wir sind nicht mehr ins Spiel gekommen», sagte er. Sein Sportchef Armin Veh wurde noch deutlicher. «Das war grottenschlecht», sagte er und sprach von einer «Nicht-Leistung». Er habe nicht gesehen, «dass wir unbedingt den Sieg wollten. Und das ist sehr enttäuschend.»

Nach vier Liga-Spielen ohne Sieg, dazu das unglückliche Aus im DFB-Pokal gegen Schalke 04, ist der 1. FC Köln im Krisen-Modus. Mit 21 Punkten ist der Club als Tabellendritter zwar noch mitten im Aufstiegskampf. Von der Souveränität einer Übermannschaft sind die Rheinländer derzeit aber weit entfernt.

Der für das Projekt Wiederaufstieg geholte Anfang ist plötzlich nicht mehr unumstritten. Die etwa 4000 mitgereisten Fans pfiffen ihre Mannschaft erstmals aus. Wieder kein Sieg am Samstag gegen Dynamo Dresden und die Stimmung droht endgültig zu kippen. «Da kommen wir auch wieder raus», versprach Anfang. Die Frage nach dem Wie ließ er aber unbeantwortet.

Noch vor wenigen Wochen war der HSV in einer ähnlichen Situation wie die Kölner jetzt. Nach dem achten Spieltag lagen die Hanseaten auf Rang vier, fünf Punkte hinter dem damaligen Tabellenführer aus Köln. Vier Spieltage und einen Trainer-Wechsel weiter sind die Hamburger ganz vorn vor dem Stadtrivalen FC St. Pauli, haben drei Zähler mehr als der FC und vor allem neue Zuversicht gewonnen.

Doch der neue HSV-Trainer Wolf gab inmitten der Begeisterung den Mahner. «Das ist schön, dass wir heute so ein Spiel abgeliefert haben», sagte er. Wolf wies schon auf die nächste Aufgabe am Samstag im Erzgebirge hin: «Wir stehen am Anfang. Aue liest sich leichter, ist es aber nicht.»

Klar ist aber: der Aufwärtstrend der Hamburger ist unter seiner Leitung erkennbar. Als erstem HSV-Trainer gelangen ihm drei Siege in den ersten drei Pflichtspielen, zwei in der Liga und einer im DFB-Pokal. Die Debatten um den Sinn der Trennung vom bei Fans und Spielern beliebten Christian Titz sind erst einmal verstummt. «Wir dürfen jetzt nicht denken, dass wir ein Erfolgsrezept haben. Das haben wir nicht. Es gibt nur harte Arbeit», sagte Wolf.

Wichtiger als die Ergebnisse ist, dass der 37-Jährige in nur zwei Wochen seit seinem Amtsantritt die Mannschaft stabilisiert hat. Gegen Köln zeigte sie ihre beste Saisonleistung. «Er hat nur Kleinigkeiten geändert», meinte Kapitän Aaron Hunt.

Diese haben offenbar eine große Wirkung. Pierre-Michel Lasogga hat unter Wolf seinen Stammplatz ganz vorn. Gegen den FC rackerte der Siegtorschütze (86. Minute) im und vor dem Strafraum. Talent Jann-Fiete Arp lernt unter Wolf gerade die linke Angriffsseite als neues Arbeitsfeld schätzen.

Die Abwehrreihe steht sicher, versetzte selbst Zweitliga-Toptorjäger Simon Terodde in die Rolle des Statisten und blieb zum vierten Mal nacheinander ohne Gegentor. Dazu kommen ein überragender Links-Verteidiger Douglas Santos und als Abräumer Orel Mangala.

Wolf vermeidet jeden Hype um seine Person. «Ich bin ja erst zwei Wochen da», sagte er auf die Frage, wie viel Hannes Wolf schon im Team stecke. «Ich habe eine fitte und intakte Mannschaft übernommen. Sonst würde das nicht gehen.» Es gehe nicht um ihn, «sondern nur um das Team».

Sein Kollege Anfang hätte dies an diesem Abend auch gern gesagt. Denn sollte sein Team nicht bald einen Weg aus der Krise finden, könnte es in Köln bald nur noch um den Trainer gehen.