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Umweltschutz wird für Karnevalisten wichtiger

03.02.2020 - Wenn es um Kritik an Gesellschaft und Politik geht, sind Karnevalisten ganz vorn dabei. Doch Nachhaltigkeit und Umweltschutz bei Sitzungen und Umzügen war eher selten ein Thema. Das ändert sich langsam.

  • Narren bei einem Fastnachtsumzug. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Narren bei einem Fastnachtsumzug. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Frankfurt/Gießen/Wiesbaden/Fritzlar (dpa/lhe) - Hessens Narren haben nach Ansicht des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) durchaus Nachholbedarf in Sachen Umweltschutz. «Natürlich sollen Karnevalsumzüge weiter stattfinden, aber es schadet nicht, sich Gedanken zu machen, wie sie umweltfreundlicher und nachhaltiger gestaltet werden können», sagte Michael Rothkegel, Geschäftsführer des BUND in Frankfurt.

Erste Schritte seien gemacht: «Es gibt gute Vorreiter, die anfangen», erklärte er. So setzten sich einige Initiativen für den Einsatz von fair gehandelten Kamellen als Wurfmaterial ein. Weitere Möglichkeiten seien Zertifikate, mit denen CO2-Emissionen kompensiert werden können. Auch Bemühungen für abfallarme Karnevalsumzüge gebe es.

Im Rheinland ist nachhaltiger und umweltfreundlicher Karneval schon länger Thema. So war der Bonner Rosenmontagsumzug 2019 klimaneutral. Eine Karnevalsgesellschaft hatte Kompensations-Zertifikate gekauft, um Treibhausgasemissionen rechnerisch auszugleichen. Auch Plastikverzicht und der Einsatz von umweltfreundlichem Wurfmaterial sind immer mal wieder Diskussionsgegenstand.

Eine besondere Initiative ist die «Jecke Fairsuchung» aus Köln: Ihr Ziel ist, dass Karnevalsvereine zehn Prozent ihrer Ausgaben für Wurfmaterial in fair gehandelte Kamellen stecken. «Das ist noch eine Nische», sagt Projektkoordinator Christoph Alessio. Nach anfänglichen Schwierigkeiten steige die Zahl der Initiativen und Vereine, die mitmachten. Die Stadt Monheim (Nordrhein-Westfalen) stellte ihren Verein zuletzt faires Wurfmaterial für 100 000 Euro zur Verfügung.

Auch in Hessen gibt es faire Narren: Die Stadt Gießen geht seit 2011 mit gutem Beispiel voran, indem der Magistrat beim Gießener Fassenachtszug zu 100 Prozent fair gehandelte Kamellen und Blumen wirft. Auch aus Wetzlar, Marburg, Bad Homburg, Fulda, Eschborn und Seligenstadt gab es laut «Jecke Fairsuchung» schon Bestellungen.

Nachhaltigkeit und Umweltschutz stoßen nicht bei allen Narren auf Begeisterung. Einige Vereine und Verbände äußern sich lieber nicht. Andere sind offener. Plastik sei ein großes Problem, sagt beispielsweise Florian Lebherz, Bezirksvorsitzender der Interessengemeinschaft Mittelrheinischer Karneval im Bezirk Darmstadt-Bergstraße: «Wir haben wahnsinnig viel Müll nach dem Rosenmontagsumzug.»

Das habe allerdings auch Sicherheitsgründe. Betrunkene könnten Gläser oder Flaschen als Wurfgeschosse verwenden. In Seligenstadt (Kreis Offenbach) beispielsweise gebe es beim Rosenmontagsumzug Zutrittskontrollen. Hinter diesen dürften Getränke nur in Plastikbechern ausgeschenkt werden.

Dass Karneval Müll produziert, weiß man auch im nordhessischen Fritzlar. Über Alternativen habe man sich aber noch Gedanken gemacht, sagt Pascal Prior von den Eddernarren. Allerdings habe man die Menge des Wurfmaterials beim Festzug reduziert. Ein Umstieg auf umweltfreundliche Kamellen sei schwer. «Papierverpackungen zu finden, ist gar nicht so einfach und geht ins Geld.»

In Frankfurt versuche man schon länger den Karneval nachhaltiger zu machen, sagt Uwe Forstmann, Sprecher des Großen Rats der Karnevalsvereine: «Bei den Pappmaché-Figuren auf den Motivwagen achten wir darauf, dass Umweltfarbe verwendet wird und Stoffe wiederverwertbar sind.» Man kaufe auch fair gehandelte Materialien. Zusätzlich habe das Frankfurter Entsorgungsunternehmen FES im vergangenen Jahr das Prinzenpaar gestellt und die Nachhaltigkeit betont. «Das hat auch auf uns abgefärbt», erklärt Forstmann. So seien mit einer Designschule nachhaltige Prinzenpaarkostüme aus wiederverwertbaren Materialien entstanden.

Auch in Wiesbaden bemüht man sich um närrischen Klimaschutz. Am Fastnachtssonntag würden die Motivwagen erstmals durch E-Autos und Hybridfahrzeuge gezogen, erklärte die Dachorganisation (Dacho) Wiesbadener-Karneval 1950. Zudem verzichte man auf Konfetti-Kanonen und wegen der Plastikverpackung auf Popcorn.

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