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Hawaii nach dem Vulkanausbruch ganz anders erleben

25.06.2019 - Der spektakuläre Ausbruch des Kilauea-Vulkans vor einem Jahr hat auf der Insel Hawaii vieles verändert. Einige Reiseziele sind für immer verschwunden - andere ganz neu entstanden.

  • Leben auf der Lava: Wohnhaus auf der Puna-Halbinsel auf der Insel Hawaii. Foto: Jörg Michel/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Leben auf der Lava: Wohnhaus auf der Puna-Halbinsel auf der Insel Hawaii. Foto: Jörg Michel/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Vulkane haben auch schöpferische Kräfte. In Pohoiki hat der Kilauea durch den Ausbruch 2018 zwei Kilometer neue Küstenlinie und einen sagenhaften Badestrand geschaffen. Foto: Jörg Michel/dpa-tmn © dpa - Deutsche...

    Vulkane haben auch schöpferische Kräfte. In Pohoiki hat der Kilauea durch den Ausbruch 2018 zwei Kilometer neue Küstenlinie und einen sagenhaften Badestrand geschaffen. Foto: Jörg Michel/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Experte in Sachen Vulkane: Brian Shiro im Volcano House. Foto: Jörg Michel/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Experte in Sachen Vulkane: Brian Shiro im Volcano House. Foto: Jörg Michel/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Spur des Vulkanausbruchs: Die Ringstraße, die einst um den Halemaumau-Krater führte, ist teilweise zerstört. Foto: Jörg Michel/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Spur des Vulkanausbruchs: Die Ringstraße, die einst um den Halemaumau-Krater führte, ist teilweise zerstört. Foto: Jörg Michel/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Vulkanische Dämpfe am Halemaumau-Krater: Auf Hawaii leben die Menschen mit den Kräften der Natur. Foto: Jörg Michel/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Vulkanische Dämpfe am Halemaumau-Krater: Auf Hawaii leben die Menschen mit den Kräften der Natur. Foto: Jörg Michel/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Experte: Vulkanologe Rick Hazlett vor einer Messstation in der Lava. Foto: Jörg Michel/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Experte: Vulkanologe Rick Hazlett vor einer Messstation in der Lava. Foto: Jörg Michel/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • «Road closed»: Der Ausbruch des Kilauea 2018 war einer der schwersten auf Hawaii seit gut 200 Jahren. Foto: Jörg Michel/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    «Road closed»: Der Ausbruch des Kilauea 2018 war einer der schwersten auf Hawaii seit gut 200 Jahren. Foto: Jörg Michel/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Neue Blüte: Die Sprösslinge der Ohia-Bäume, die bestens mit den harschen Bedingungen am Vulkan zurechtkommen, erobern sich ihren Platz in der Pflanzenwelt zurück. Foto: Jörg Michel/dpa-tmn © dpa - Deutsche...

    Neue Blüte: Die Sprösslinge der Ohia-Bäume, die bestens mit den harschen Bedingungen am Vulkan zurechtkommen, erobern sich ihren Platz in der Pflanzenwelt zurück. Foto: Jörg Michel/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Ranger Michael Newman - hier am Halemaumau-Krater - ist auf Hawaii geboren. Foto: Jörg Michel/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ranger Michael Newman - hier am Halemaumau-Krater - ist auf Hawaii geboren. Foto: Jörg Michel/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Touristen blicken in den Halemaumau-Krater - der Volcanoes National Park ist eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Hawaiis. Foto: Jörg Michel/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Touristen blicken in den Halemaumau-Krater - der Volcanoes National Park ist eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Hawaiis. Foto: Jörg Michel/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Kreislauf aus Zerstörung und Schöpfung: eine von Lava bedeckte Bucht bei Kalapana auf der Insel Hawaii. Foto: Jörg Michel/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Kreislauf aus Zerstörung und Schöpfung: eine von Lava bedeckte Bucht bei Kalapana auf der Insel Hawaii. Foto: Jörg Michel/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

An einem Frühlingstag 2018 zitterten im Büro des Seismologen Brian Shiro die Wände. Draußen vor dem Museum am Kilauea-Vulkan auf Hawaii lösten sich Brocken aus den Felsen und rauschten in die Tiefe. Shiro verkroch sich unter seinen Schreibtisch.

Auf Hawaii ist man Erdbeben gewöhnt, doch dieses war besonders: Mit 6,9 auf der Richterskala war es so stark wie kein anderes, das die Hauptinsel des hawaiianischen Archipels, auch Big Island genannt, in den vergangenen 40 Jahren erschütterte. Dazu kamen viele Nachbeben.

«Es war dramatisch, und doch waren wir erst am Anfang», erinnert sich Shiro, der im Vulkanforschungsinstitut von Hawaii in Hilo arbeitet.

Ausbruch mit verheerenden Folgen

Bis zum vergangenen Jahr hatte Shiro sein Büro direkt am Kraterrand des Kilauea, einem der aktivsten Vulkane der Erde. Doch schon wenige Tage nach den Beben sackte der Krater ab. Der bis dato rot glühende Lavasee erlosch, eine Aschewolke quoll zehn Kilometer in den Himmel. Das Museum wurde für Besucher geschlossen.

Der Ausbruch war einer der schwersten auf Hawaii seit gut 200 Jahren. Zwischen Mai und August 2018 öffneten sich an den Flanken des Kilauea allerorten Erdspalten. Die daraus hervorquellende Lava begrub 700 Häuser und machte tausende Menschen obdachlos.

Der Kilauea ist Teil des Hawaii Volcanoes National Park und liegt auf der größten Insel des Archipels. Mit rund zwei Millionen Besuchern im Jahr gehörte der Park zu den größten Attraktionen der Inselwelt im Pazifik, die aus acht größeren Inseln und kleineren Atollen besteht.

Aussichtspunkte öffnen wieder

Während der Eruptionen war der Nationalpark für 134 Tage geschlossen, so lange wie noch nie in seiner über hundertjährigen Geschichte. Seit seiner stufenweisen Wiedereröffnung im Herbst kehren die Touristen zurück. Doch bis heute sind einige Attraktionen in Park wegen Einsturzgefahr gesperrt, darunter das historische Jaggar-Museum, neben dem Shiro sein Büro hatte.

Die Mehrheit der Wege und Aussichtspunkte rund um den spektakulären Halemaumau-Krater aber sind wieder offen. Das «Volcano House», das einzige Hotel im Park, empfängt wieder Gäste. Die Ringstraße, die einst um den Krater führte, ist teilweise abgebrochen. Beeindruckend ist ein Spaziergang über einen eineinhalb Kilometer langen Abschnitt, der für Fußgänger und Radfahrer geöffnet wurde.

Auch außerhalb des Parks hat sich vieles verändert. Auf der Puna-Halbinsel hatte die Lava Landstraßen überrollt und Orte von der Außenwelt abgeschnitten. Sie hat Feriensiedlungen, einen Süßwassersee und Schnorchelstrände wie den beliebten Champagner Pond von Kapoho unter sich begraben.

Ein Vulkan als spirituelle Quelle

Was für Besucher zunächst nach Verwüstung aussieht, hat für Hawaiianer eine tiefergehende Bedeutung. Viele Einheimische sehen spirituelle Kräfte am Werk.

«Während der Eruption hatte ich das Gefühl, die Insel erwacht zum Leben. Es fühlte sich sehr göttlich an», sagt Michael Newman, der als Ranger im Nationalpark arbeitet. Er wurde auf dem Archipel geboren, und die mündlichen Überlieferungen der Gemeindeältesten haben auch sein Verständnis geprägt. Wie viele Hawaiianer glaubt er an die Macht von Pele: Die Göttin des Feuers ist den Legenden nach für die Erschaffung der Inseln verantwortlich.

«Viele Menschen sehen in dem Vulkan etwas Furchterregendes. Dabei übersehen sie, dass Pele mit jedem Ausbruch neues Land und damit neues Leben schafft», sagt Newman. Hawaiianer sprechen von Mana, spiritueller oder göttlicher Fügung.

Baden am ganz neuen Strand

An kaum einem anderen Ort bekommt man dafür besser ein Gefühl als in Pohoiki, einem idyllischen Küstenabschnitt im Süden von Puna, an dem der Lavafluss im letzten Jahr nach gut drei Monaten Ausbruch zum Stillstand gekommen war.

Die Fahrt nach Pohoiki führt über eine unbefestigte Straße, die erst kürzlich durch drei frische Lavaströme geschlagen wurde. Entlang der Strecke hat der Vulkan zwei Kilometer neue Küstenlinie geschaffen.

An dem Ende der Piste dann das Werk Peles: An einer Bucht mit grünen Kokospalmen ist durch den Ausbruch ein sagenhafter Badestrand aus feinem schwarzen Sand entstanden.

Wie lange der Strand existieren wird, weiß niemand. Vielleicht Jahre, vielleicht Jahrtausende. Alles hängt davon ab, wann und wo Pele wieder aktiv wird. Zuletzt haben Forscher nach Monaten der Ruhe wieder leichten Druck in den Magmakammern des Kilauea gemessen. Was das genau zur Folge hat, ist noch offen. Oder wie man auf Hawaii sagen würde: Es ist Mana.

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