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Zurück zu den Wurzeln

17.04.2019 - Als letztes Modell der gegenwärtigen 991-Baureihe debütiert jetzt der Speedster. Mit der reduziertesten Ausgabe seines Kultautos will Porsche drei Sehnsüchte befriedigen: Traditionsbewusstsein, Rennsport-Ambitionen und Exklusivität. Wer sich das leisten kann, bekommt aber auch etwas geschenkt.

  • Wo, wenn nicht hier: In New York zeigt Porsche jetzt seinen neuesten Speedster ©

    Wo, wenn nicht hier: In New York zeigt Porsche jetzt seinen neuesten Speedster © Porsche

SP-X/New York. Wo, wenn nicht hier: In New York zeigt Porsche jetzt seinen neuesten Speedster. Folgerichtig. Denn dieses Modell des 911 ist eigentlich das amerikanischste aller Autos Made in Zuffenhausen. Den ersten Speedster von 1954 gab es anfangs sogar ausschließlich in den USA zu kaufen - auf Wunsch des dortigen Generalimporteurs.

Hollywood-Legende James Dean etwa hatte einen - mit Steckscheiben, Schalensitzen und der typischen extraflachen und stärker geneigten Frontscheibe. Für umgerechnet knapp 6.000 Euro - dem eineinhalbfachen des damaligen Durchschnittsjahresgehaltes. Auch für heutige Stars wie Jerry Seinfeld wird es teuer. Der Comedystar und leidenschaftliche Porsche-Sammler hat sich schon einen Speedster gesichert. Knapp 270.000 Euro wird ihn der Spaß kosten; immerhin gibt es einen exklusiven Chronografen im Speedster-Design gratis dazu. Bis auf die roadstertypischen Steckscheiben wird also auch der Speedster, Baujahr 2019, manch traditionelle Eckwerte wieder erreichen - oder übertreffen.

„Ich wollte schon immer einen Rennwagen zum Speedster machen”, sagt Andreas Preuninger, Chef der GT-Sparte, vor der offiziellen Premiere sichtlich stolz. Bei der sommerlichen Ausfahrt von Manhattan nach Long Beach wird aber auch schon bei gemächlichen Geschwindigkeiten die Kraft des Windes deutlich zu spüren sein. Im Speedster sitzt der Fahrer wirklich im Freien. Natürlich kann es auch deutlich schneller vorangehen, als die Cops erlauben. Der Vierliter-Sechszylinder-Boxer mit 375 kW/510 PS hat mit dem carbon-beplankten Speedster naturgemäß leichtes Spiel. Dank 470 Newtonmeter Durchzugskraft dürfte die 300-Stundenkilometer-Marke fix erreicht sein - und dann sind noch knapp zehn Geschwindigkeits-Strichlein mehr in Reserve.  Vom Ampelstart auf 100 geht es bereits in 3,9 Sekunden.

Denn der Speedster ist eben auch ein waschechter 911. Sogar einer mit Genen der stärksten Vertreter dieser inzwischen etwas unübersichtlichen Großfamilie. Große Verwandtschaft gibt es natürlich zum Carrera 4 Cabriolet. Das Fahrwerk kommt aber vom GT3. Und auch sonst war Preuningers GT-Abteilung eifrig am Werk: Frontschürzen und Kotflügel sind so voluminös wie beim GT3, der Antriebsstrang mit Sechsgang-Schaltgetriebe hat diese Herkunft und auch die Abgasanlage mit ihren Endrohren aus Titan, noch einmal weiter gewichtsoptimiert. Verzögert wird mit der Keramikbremse, die gelb wie Kaliforniens Sommersonne hinter den Speichen der Leichtmetallfelgen glänzt. . Besonders stolz ist Preuninger auch darauf, dass der Speedster nun „keinen Buckel mehr hat”. Der Carbon-Verdeckdeckel duckt sich so elegant ins Heck wie einst beim Vorfahren der frühen Fünfziger.

Apropos Herkunft: Da schlägt das zweite Herz des Speedster. Er soll eben gerade die Amerikaner an den Kult des Urvaters aller offenen Porsche erinnern. Und das macht er nachdrücklich. Nicht nur wegen des Verzichts auf Komfort wie Klimaanlage, elektrisches Verdeck, Navi oder Radio. Dafür gibt es die Vollschalensitze, die schon den Speedster von Hobby-Rennfahrer Dean zierten.

Die Tradition reicht eigentlich sogar noch weiter zurück. Denn mit einem Roadster hat Ferry Porsche ja gleich nach dem Krieg schon experimentiert - wenn der auch nie in Serie ging. Darum auch wird der Speedster 2019 auf 1.948 Exemplare limitiert. Denn der erste Porsche mit diesem Markennamen war eben jener 356 „Nr.1“ Roadster - und der hat im Jahr 1948 seine Betriebserlaubnis erhalten. Übrigens mit 35 PS, 67 Newtonmeter Drehmoment und 140 Stundenkilometer maximal. Ein echter Sportwagen eben - lang ist’s her.

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