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Geschlechtersensible Sprache kehrt in Bayerns Amtsstuben ein

24.01.2019 - Geburtsname statt Mädchenname, Teamleitung statt Teamleiter: Die Augsburger Stadtverwaltung achtet ab Februar in Veröffentlichungen auf geschlechtersensible Sprache. Bei der sprachlichen Gleichstellung von Frauen und Männern sind die Schwaben aber keine Vorreiter.

  • Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU). Foto: Matthias Balk/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU). Foto: Matthias Balk/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Augsburg (dpa/lby) - Mehrere Städte in Bayern achten bei offiziellen Dokumenten darauf, dass bei Begriffen keine rein männlichen oder weiblichen, sondern neutrale oder beide Formen genutzt werden. Künftig will auch die Augsburger Stadtverwaltung geschlechtersensible Sprache nutzen. Eine entsprechende Geschäftsanweisung werde voraussichtlich im Februar in Kraft treten, teilte eine Sprecherin am Donnerstag mit. In allen dienstlichen Schreiben solle auf sprachliche Gleichstellung von Frauen und Männern geachtet werden. So soll etwa das Wort «Elternberatung» statt «Mütterberatung» verwendet werden. Zuvor hatte der «Münchner Merkur» (Donnerstag) darüber berichtet.

Jüngst hatte die Stadt Hannover (Niedersachsen) mit einer neuen Empfehlung für eine geschlechtergerechte Verwaltungssprache öffentlich eine breite Debatte losgetreten.

Augsburg bekenne sich zur Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frauen und Männern, schreibt Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) in einer internen Arbeitshilfe, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. «Ein Mittel dazu ist - neben vielen anderen - ein geschlechtersensibler Sprachgebrauch, der Frauen und Männer gleichermaßen benennt», so der Rathauschef an seine Mitarbeiter.

Außerdem will die Verwaltung nach eigener Aussage darauf achten, dass in offiziellen Broschüren und Publikationen die vielschichtige Stadtgesellschaft realitätsnah dargestellt wird. «Vermeiden Sie Bilder, die Klischees und Stereotype verstärken», wird empfohlen. So sollten Menschen mit und ohne Behinderung und verschiedene Altersgruppen genauso berücksichtigt werden wie Bewohner mit unterschiedlicher Herkunft, sexueller Orientierung und Identität.

Das Thema spielt auch schon in anderen Städten im Freistaat eine Rolle, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. In München gilt seit Juni 2018 eine geänderte Geschäftsanweisung der Verwaltung. Im dienstlichen Schriftverkehr und in Veröffentlichungen aller Art seien die Texte so zu formulieren, dass das Gleichstellungsgebot sprachlich erfüllt werde, heißt es darin. Die Verwaltung soll beispielsweise «Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter» schreiben oder geschlechtsneutral von «Bediensteten» reden.

«Eine gendergerechte Sprache vermittelt Respekt allen Geschlechtern gegenüber und steht damit für eine moderne Verwaltung», erklärte die Gleichstellungsstelle für Frauen im Münchner Rathaus. Die Abteilung arbeite gerade an einer Broschüre zur geschlechtergerechten Sprache - auch mit Blick auf die dritte Geschlechtsoption.

Seit 2013 rät die Nürnberger Stadtverwaltung ihren Mitarbeitern zum sensiblen Sprachgebrauch. «Eine faire und geschlechtergerechte Sprache macht Frauen und Männer als Handelnde sichtbar. Sie zeigt deutlich, wer angesprochen wird», steht in einer Anleitung der Stadt zum geschlechtergerechten Formulieren. Das sei weder umständlich noch unschön, erfordere aber die Bereitschaft, Gewohnheiten zu verändern.

Auch für Publikationen empfiehlt das Rathaus der fränkischen Stadt, gängige Stereotype aufzubrechen. In der Arbeitshilfe wird vorgeschlagen, auf Fotos weibliche Führungskräfte abzubilden oder einen jungen Vater in einer Kindertagesstätte zu fotografieren.

Die Stadtverwaltung von Regensburg rät ihren Mitarbeitern ebenfalls zur geschlechtersensiblen Sprache. Bei allen Regelungen, Vordrucken und Stellenausschreibungen sei auf Geschlechtergerechtigkeit in der Verwaltungssprache besonders Wert zu legen, erklärte eine Sprecherin mit Verweis auf die Geschäftsanweisung. In Stellenausschreibungen für geschlechtsneutrale Tätigkeits- oder Berufsbezeichnungen seien zudem alle drei Geschlechtsoptionen angegeben.

Zur Sprachregelung in den bayerischen Ministerien und den Behörden des Freistaats erklärte das Sozialministerium, gendergerechte Sprache sei unverzichtbar. Seit 2001 gelte eine Richtlinie, nach der zum Beispiel grundsätzlich Paarformen oder geschlechtsneutrale Ausdrücke gebraucht werden sollen. Zur Vermeidung sprachlicher Diskriminierungen von Menschen, die weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden können, habe das Finanzministerium zudem aktuell allen Ressorts empfohlen, dass «künftig in Stellenausschreibungen die Ansprache der Bewerberinnen und Bewerber um den Zusatz (m/w/d) erweitert werden soll».

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