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Coronavirus könnte zu Medikamenten-Engpässen führen

17.02.2020 - Viele medizinische Wirkstoffe werden günstig in Asien produziert. Wenn das Coronavirus dort weiter um sich greift, sind Schwierigkeiten bei der hiesigen Produktion von Medikamenten nicht auszuschließen, heißt es beim Branchenverband Chemie.BW.

  • Ein Virologe betrachtet den MERS-Coronavirus. Foto: Arne Dedert/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Virologe betrachtet den MERS-Coronavirus. Foto: Arne Dedert/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Stuttgart (dpa/lsw) - Die wirtschaftlichen Auswirkungen des neuartigen Coronavirus treffen im Südwesten nicht nur die Automobil-, sondern möglicherweise bald auch die Pharmabranche. Das hänge davon ab, ob das Virus eingedämmt werden könne oder sich noch weiter verbreite, sagt Thomas Mayer, Hauptgeschäftsführer von Chemie.BW, den Verbänden der Chemie- und Pharmaindustrie in Baden-Württemberg. Am Montag legte die Branche in Stuttgart ihre Bilanz 2019 vor und warf einen Blick aufs laufende Jahr - in dem das Coronavirus eine entscheidende Rolle spielen könnte.

Sollte die Epidemie länger andauern, könne es zu einem Komplettausfall chinesischer Rohstoff- und Wirkstofflieferanten kommen, sagte Thomas Mayer. Für hiesige Unternehmen würde das zunächst bedeuten, dass sie sich auf dem Weltmarkt teureren Ersatz beschaffen müssten, was die Produktionskosten erhöhen würde. Dauere die Schließung chinesischer Firmen an, könnte es dann schließlich auch bei der hiesigen Medikamentenproduktion zu Lieferengpässen kommen, sagte Mayer.

In diesem Zusammenhang kritisierte Martin Haag, Vorsitzender des Südwest-Verbandes der Chemischen Industrie, die Rabattverträge der Krankenkassen mit einzelnen Arzneimittelherstellern. «Weil der Zuschlag der gesetzlichen Krankenkassen immer an das günstigste Medikament geht, haben die Verträge dazu geführt, das die Wirkstoff-Produktion nach Asien verlagert wurde.» Die Kassen sollten wenigstens mehrere gleichwertige Medikamente zulassen, damit man ausweichen könne, oder besser noch mindestens ein oder zwei Produkte abdecken, die vollständig in der EU hergestellt werden.

Laut Chemie.BW verlief das Geschäftsjahr 2019 für die Chemie- und Pharmaindustrie im Land mit einem Wachstum von 0,8 Prozent mittelmäßig. Auch für das laufende Jahr rechne man mit Stagnation. Zuwächse würden vor allem im Ausland generiert. Dennoch schätzen viele Unternehmen die Aussichten gar nicht so schlecht ein, wie eine Umfrage der Verbände unter den Mitgliedern zeigt. Demnach geht gut die Hälfte der befragten Unternehmen von steigenden Umsätzen aus, knapp ein Drittel erwartet gleichbleibende Geschäfte.

Chemie.BW vertritt 473 Unternehmen und damit mehr als 90 Prozent der Pharma- und Chemieindustrie Baden-Württembergs mit fast 110 000 Beschäftigten.

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