Datenskandal: 300 000 Euro Bußgeld für VfB Stuttgart

10.03.2021 Der VfB Stuttgart kommt nach seinen Verstößen gegen den Datenschutz finanziell recht glimpflich davon. Der Landesdatenschutzbeauftragte lobt die Kooperationsbereitschaft des Clubs. Es bleiben Fragen offen.

Das Logo des VfB Stuttgart ist an der Geschäftsstelle zu sehen. Foto: Marijan Murat/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Zumindest von behördlicher Seite aus ist die Datenaffäre des VfB Stuttgart abgeschlossen. Der Fußball-Bundesligist muss wegen Verstößen gegen den Datenschutz ein Bußgeld von 300 000 Euro zahlen. Baden-Württembergs Datenschutzbeauftragter Stefan Brink begründete diese Strafe am Mittwoch mit einer «fahrlässigen Verletzung der datenschutzrechtlichen Rechenschaftspflicht» gemäß der Datenschutz-Grundverordnung. Das Verfahren ist für ihn damit beendet.

Der VfB akzeptierte die Konsequenzen und verzichtet auf weitere Rechtsmittel. Der Club bat seine Mitglieder und Fans «um Entschuldigung für die Vorfälle in der Vergangenheit» und kündigte an, am kommenden Montag noch einmal Stellung dazu zu beziehen. Dabei dürften Präsident Claus Vogt und Vorstandschef Thomas Hitzlsperger auch darüber informieren, ob und in welcher Form der Abschlussbericht der in der Affäre ebenfalls ermittelnden Kanzlei Esecon öffentlich gemacht wird. Weitere arbeitsrechtliche Konsequenzen für Mitarbeiter des Clubs sind zwar nicht ausgeschlossen, aber eher unwahrscheinlich.

Die Datenaffäre und ihre Aufarbeitung belasten den VfB seit Monaten und hatten bereits mehrere personelle Veränderungen zur Folge. «Es war ein intensiver Prozess. Er hat zu massiven Konsequenzen geführt», sagte Hitzlsperger. Alle Unklarheiten sind aber noch nicht ausgeräumt. Zwar trennte sich der Club von zwei Mitarbeitern und die Vorstände Stefan Heim und Jochen Röttgermann wurden abberufen, die genauen Gründe für Letzteres aber noch nicht genannt.

Zwischen 2016 und 2018 sollen vom Club wiederholt Zehntausende Mitgliederdaten an Dritte weitergereicht worden sein - unter anderem, um die im Sommer 2017 beschlossene Ausgliederung der Profiabteilung voranzutreiben. Dass eine Mail zu dem untersuchten Vorgang von 2018 beim VfB nicht mehr auffindbar war, wurde vom Datenschutzbeauftragten Brink entsprechend sanktioniert. Die Sachverhalte aus den Jahren 2016 und 2017 seien hingegen kein Gegenstand des Bußgeldbescheids gewesen. Es gelte nun, so Hitzlsperger, «solche Verstöße künftig auszuschließen und mit unserer täglichen Arbeit verloren gegangenes Vertrauen zurückzuerlangen».

Die «Kooperationsbereitschaft des VfB» nannte Brink «ungewöhnlich» und lobte sie. Wohl auch deshalb schöpfte er seinen möglichen Rahmen von bis zu 20 Millionen Euro Strafe nicht annähernd aus. «Auch wenn wir mit Blick auf Verjährungsvorschriften nicht alle öffentlich diskutierten Vorgänge vollständig untersuchen konnten, ist doch das jetzt einvernehmlich gefundene Ergebnis überzeugend», sagte Brink: «Neben dem spürbaren Bußgeld sorgt der VfB für erhebliche organisatorische und technische Verbesserungen in Sachen Datenschutz.»

Zudem werde der VfB das Projekt «Datenschutz geht zur Schule» unterstützen und eigene Schulungen zum Thema «Datenschutz bei Jugendlichen» für seine Nachwuchsteams konzipieren. Hitzlsperger hofft, den Fokus nun wieder auf den Sport richten zu können, wie er der «Sport Bild» bereits vor der Veröffentlichung des Bußgeldbescheids sagte. «Der Imageschaden für den VfB muss gestoppt werden.» Er wisse aber, «dass es dauern wird, Image und Vertrauen wieder aufzubauen.»

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