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Gedenken in Pforzheim am 75. Jahrestag der Bombardierung

23.02.2020 - Pforzheim (dpa/lsw) - Mit einer Gedenkveranstaltung auf dem Hauptfriedhof hat die Stadt Pforzheim an die Bombardierung der Stadt vor 75 Jahren erinnert. «Wir sind froh und dankbar, dass wir heute, trotz dieses unermesslichen Leids, in einem friedlichen Europa umgeben von Freunden, die einst unsere Feinde waren, leben dürfen», sagte Oberbürgermeister Peter Boch (CDU) am Sonntag, wie die Stadt auf Twitter mitteilte. «Wir wissen es zu schätzen, dass diese bereit waren, uns ihre Hand zur Versöhnung zu reichen.»

  • Polizisten stehen gegenüber von rechtsextremer Mahnwache. Foto: Sebastian Gollnow/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Polizisten stehen gegenüber von rechtsextremer Mahnwache. Foto: Sebastian Gollnow/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Am 23. Februar 1945 wurde die Stadt an Enz und Nagold innerhalb kürzester Zeit durch Bombenhagel und Feuersturm zerstört. Mindestens 17 600 Menschen starben. Der Gedenktag, der von verschiedenen Gruppen gestaltet wird, legt diesmal Schwerpunkte auf Verantwortung und Toleranz. Für den Abend war wieder ein Treffen mit brennenden Kerzen zum «Lichtermeer» auf dem Marktplatz vorgesehen.

Den Jahrestag der Bombardierung nutzen regelmäßig einige Menschen aus dem extrem rechten Lager für einen Fackelaufzug. Angesichts der mutmaßlich rassistischen Gewalttat von Hanau wollte die Stadt den Aufzug in diesem Jahr verbieten. Sie scheiterte damit jedoch vor dem Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg.

Rund 70 Menschen nahmen an dem Fackelzug teil - bei etwa 500 Gegendemonstranten, wie die Polizei am Abend mitteilte. Die Stimmung bei Teilen der Versammlungsgegner sei aggressiv gewesen. Polizisten seien mit Gegenständen beworfen, Dienstwagen beschädigt worden. Vereinzelt sei Pyrotechnik gezündet worden. Die Polizeikräfte setzten vereinzelt Pfefferspray ein, man habe die Lage im Griff gehabt, hieß es von der Polizei. Nach Ende des Fackelzugs sei es aufseiten der Gegendemonstranten zu einer «Spontanversammlung» gekommen, an der laut Polizei 300 teils vermummte Menschen teilnahmen. Vier Menschen seien festgenommen worden, weil sie das Vermummungsverbot missachtet hatten. Von Verletzten war zunächst nichts bekannt.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast (Pforzheim/Enzkreis) wünschte sich den 23. Februar als einen Tag der Demokratie. «Ein Tag, der deutlich zeigt, dass es in Pforzheim keinen Platz für Rassismus, Hass und Hetze gibt. Ein Tag der Demokratie, der zeigt, dass Gedenken mit Anstand, Würde und Haltung möglich ist», schrieb sie auf Facebook.

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